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Stralsund Ärger an der Angel

Das Verbot auf dem Stralsunder Rügendamm hat eine Debatte über das Fehlverhalten von Anglern ausgelöst

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Hartgesottene Angler zogen gestern auf dem Rügendamm trotz des miesen Wetters etliche Heringe aus dem Sund.

Quelle: Fotos: Alexander Müller

Stralsund. Auf dem Rügendamm schlug gestern nicht nur der Regen auf das Gemüt der Angler, sondern auch die schlechte Nachricht, die sich dort in Windeseile verbreitete: Das Angeln auf dem Rügendamm ist ab heute verboten. Minuten, nachdem eine Sprecherin des Verkehrsministeriums das verkündet hatte, belagerten Journalisten, Fotografen und Kameraleute die Frauen, Männer und Kinder, die dort gerade Heringe aus dem Strelasund zogen.

OZ-Bild

Das Verbot auf dem Stralsunder Rügendamm hat eine Debatte über das Fehlverhalten von Anglern ausgelöst

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Frank Tödter denkt zunächst an einen verspäteten Aprilscherz. Erst, als er die Reporter sieht, wird ihm klar, dass das Verbot kein Witz ist. „Ich halte davon gar nichts, man sollte nicht alles reglementieren. Die Brücke ist der einzige Grund, warum ich herkomme. Das ist der beste Platz zum Heringangeln in ganz Deutschland“, sagt der 45-Jährige. Er ist mit seinem 12-jährigen Sohn aus Walsrode in Niedersachsen angereist. Tödter rechnet mit Einbußen für den Tourismus. Auf dem Campingplatz in Altefähr, wo er übernachtet, hätten 70 Prozent der Besucher eine Angelrute dabei.

Offizielle Begründung für die neue Regelung ist laut Ministerium eine akute Gefährdung des Autoverkehrs auf der etwa 80 Meter entfernten neuen Rügenbrücke. Es habe mindestens einen Zwischenfall gegeben, bei dem ein Auto von einem Angelgewicht getroffen und schwer beschädigt wurde.

André Meißner, für die CDU Mitglied in der Stralsunder Bürgerschaft und Vorsitzender des Sportanglervereins Voigdehäger See, kämpft schon seit Jahren für mehr Rücksichtnahme beim Angeln auf dem Rügendamm. „Das Ausholen über den Kopf geht an der Stelle nicht, dafür plädieren wir schon lange“, sagt er. Meißner empfiehlt stattdessen den so genannten Unterhandwurf, bei dem die Rute von unten nach oben geschwungen wird. „So werden weder Autos noch Radfahrer oder Fußgänger gefährdet.“ Die Masse würde jetzt durch das Fehlverhalten Einzelner bestraft. André Meißner rechnet damit, dass nun der Druck auf die Mole im Stralsunder Hafen weiter zunimmt. „Jeder weiß, wie es da jetzt schon aussieht. Überall lassen die Leute Fischreste, Utensilien und anderen Müll liegen“, sagt er.

Verständnis für das Angel-Verbot auf dem Rügendamm zeigt hingegen Manfred Marion. „Es ist nachvollziehbar, wenn man sieht, wie am Rügendamm geangelt wird“, sagt der Vorsitzende des Kreisanglerverbandes „Insel Rügen“ in Sassnitz, in dem 1800 Angler aus 34 Vereinen organisiert sind. Gerade bei Urlaubern mit einem Touristenangelschein fehlten oft die nötigen Kenntnisse. „Im Eifer des Gefechts verursachen die schwungvoll ausgeworfenen Haken dann Kratzer im Blech von vorbeifahrenden Autos“, erklärt Marion. Allerdings finde er es schade, dass so ein beliebter und fischreicher Angelplatz nicht mehr genutzt werden kann. „Wenn schnell eine Schutzwand gebaut wird, müssten wir nur eine Saison auf den Rügendamm verzichten und alle Beteiligten fühlen sich dann sicherer“, resümiert der Angler. André Kretzschmar von der Stralsunder Tourismuszentrale hält die Kurzfristigkeit des Verbots für problematisch. „Ich bin überrascht, dass so etwas so kurz vor Ostern gemacht wird. Viele Angler haben ihre Quartiere bereits gebucht“, sagt er. Der Rügendamm sei einer der Angelspots gewesen, die Kretzschmar und seine Kollegen interessierten Touristen genannt hätten.

„Wir haben allerdings betont, dass es ein gewisses Können erfordert, damit die Angel nicht direkt auf der nächsten Fahrbahn landet.“ Nach dem Verbot hätten Urlauber nun die Möglichkeit, auf die Mole im Stralsunder Hafen oder auf Boote auszuweichen.

Claudia Thürmer, Sprecherin des Anglerverbandes von Mecklenburg-Vorpommern, hätte sich ebenfalls gewünscht, dass das Verbot erst nach den Osterfeiertagen ausgesprochen wird. „Wir sehen aber ein, dass es derzeit keine Alternative zum Verbot gibt“, sagt sie. „Es ist schade, wenn einige wenige Menschen den vielen rücksichtsvollen Anglern das Angelvergnügen vermiesen.“

Alexander Müller und Ann-Christin Schneider

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