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Ärztin spricht über Seenotrettung

Greifswald Ärztin spricht über Seenotrettung

Im Mittelmeer ertrinken jedes Jahr mehrere Tausend Flüchtlinge / Carolin Möhrke tut etwas dagegen

Greifswald. „Die EU hat den Friedensnobelpreis bekommen“, sagt Carolin Möhrke, „aber im Mittelmeer hat sie sich dem Preis meiner Meinung nach alles andere als würdig erwiesen.“ Im Gemeinderaum der Wiecker Kirchengemeinde steht am Donnerstagabend die Kinderärztin und spricht über ihre ehrenamtliche Arbeit für die Organisation Sea Watch. Sie ist im Mittelmeer unterwegs, um Flüchtlinge aus Seenot zu retten. Sie erzählt von Einsätzen, bei denen sie dabei war, von Werftaufenthalten und unzähligen Freiwilligen, die an dem Projekt mitarbeiten. Sie berichtet auch von zunehmendem politischen Gegenwind, Stimmungsmache in den Medien. Ihr Anliegen ist „Licht hinter die Schlagzeilen“ zu bringen, wie sie sagt.

Bis vor einem Jahr war die Berichterstattung über die zivilen Rettungseinsätze im Mittelmeer überwiegend positiv. Weil die Seenotrettungsmission der EU „Mare Nostrum“ eingestellt wurde, stießen seit Anfang 2015 immer mehr zivile Seenotrettungsorganisationen in die Lücke. Wie die Sea Watch. Und wurden anfangs als Helden gefeiert. An der Rettung von 20 000 Leben seien die Freiwilligen beteiligt gewesen. Doch die Stimmung hat sich geändert. Es gibt immer mehr verbale Angriffe, die Organisationen wurden beschuldigt mit Schleppern zusammenzuarbeiten oder durch ihre bloße Existenz Fluchtanreize zu bieten. Vorwürfe, die Carolin Möhrke mit klaren Worten entkräftigt. Auch wenn die Situation nicht einfach ist und nicht jeder vor dem Ertrinken gerettet werden kann: Die lebensfrohe Kinderärztin will weitermachen – und erntete ermutigenden Applaus.

OZ

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