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Ahnenforscher auf Spurensuche

Greifswald Ahnenforscher auf Spurensuche

Der Verein für Orts- und Familienforschung Pommerscher Greif veranstaltete für Mitglieder und interessierte Ahnenforscher in Greifswald ein dreitägiges Seminar. Die Gäste aus ganz Deutschland erhielten Gelegenheit, von Experten mehr über die Suche nach den eigenen Vorfahren zu erfahren.

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Ich bin im Internet auf einen Stammbaum gestoßen, das hat mein Interesse an der Familienforschung geweckt. David Krüger (19), aus Demmin

Greifswald. „Nur wer weiß, woher er kommt, weiß, wohin er geht“, sagte einst der deutsche Journalist und Politiker Theodor Heuss. Um Familienlinien und Nachforschungen zur Herkunft ging es am Wochenende auf dem Seminar des Vereins für Orts- und Familienforschung „Pommerscher Greif“ in Greifswald. Über 100 Ahnenforschern und Mitgliedern wurde von Freitag bis Sonntag ein reichhaltiges Programm geboten.

„Wir machen einmal im Jahr so eine Veranstaltung. Neben vielen Informationen bieten wir Gelegenheit zum Austausch“, sagt Vorsitzender Prof. Hans-Dieter Wallschläger. Der im Jahr 2000 gegründete Verein zähle heute über 550 Mitglieder, die in ganz Deutschland beheimatet seien. Am Wochenende bekamen sie Gelegenheit, mehr über die Suche nach den eigenen Vorfahren zu erfahren.

Dirk Alvermann, Leiter des Greifswalder Universitätsarchivs, berichtete den Teilnehmern über das digitale Pommersche Volkskundearchiv. In dem sollen bis zum Ende des Jahres rund 20000 Zettel und Fragebögen erfasst werden. Dabei gehe es um Aufzeichnungen, die von Trachten über Erntebräuche bis hin zu Abzählreimen und Weihnachtsgebäck alles beinhalten, was den Alltag der Pommern ausgemacht habe.

Der Verein unterstütze die Erforschung, Pflege und Förderung der Orts- und Familiengeschichte im ehemaligen Pommern. Mitglieder profitierten von einer internen Mailingliste und einem gesonderten Zugang auf der Homepage des Vereins. Dort haben sie Zugriff auf Dokumente, Protokolle und Bilder. Eine eigene Vereinsbibliothek mit über 1000 Publikationen befindet sich in Züssow und ist einmal im Monat für Besucher geöffnet.

Darüber hinaus gibt der Verein auch eine eigene Zeitschrift heraus, in der über Forschungen und Ergebnisse berichtet wird – finanziert mit Hilfe von Mitgliedsbeiträgen und Spenden. „Im vorigen Jahr haben wir eine Spende vom Land MV über 10000 Euro erhalten. Davon konnten wir einen Buchscanner finanzieren, der jetzt in der Bibliothek in Züssow steht“, erzählt Wallschläger. „So können wir Dokumente und Bücher leichter digitalisieren und sie für alle zugänglich machen.“ Der 69-Jährige ist seit der Gründung des Vereins dabei. Seine Mutter kam aus Hinterpommern im heutigen Polen.

Auch der Zweite Vorsitzende, Dr. Klaus-Dieter Kohrt aus Eckernförde in Schleswig-Holstein, hat sich mit der Familienforschung „infiziert“, wie er verrät. Seine Mutter stammte ebenfalls aus Hinterpommern. Er konnte den Familienstrang bislang bis 1780 zurückverfolgen und weiß, wie man Nachforschung betreibt: „Man muss zuerst in der eigenen Familie nachschauen, welche Dokumente dort vorhanden sind, damit man ein Gerüst hat und sich konkrete Fragen entwickeln. Dann kann der Verein weiterhelfen“, sagt er. Dessen Aufgabe sei es, Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten, Kontakte zu anderen Forschern oder Institutionen zu vermitteln und auf Archive und Webseiten aufmerksam zu machen. Dabei sei durch das Internet und die Digitalisierung viel mehr möglich als noch vor Jahren. „Es erleichtert die Vernetzung und ermöglicht den Zugriff auf Datenbanken. Man muss nicht mehr überall hinfahren, kann von zu Hause aus recherchieren“, sagt Kohrt. „Wenn dann der Glücksfall eintritt und man ein Originaldokument mit der Unterschrift des Vorfahren in den Händen halten darf – das ist schon toll“, schwärmt der 64-Jährige.

Das Seminar thematisierte unter anderem auch das Crowdsourcing, „die Weisheit von vielen“, womit die Auslagerung von Aufgaben an eine externe Gruppe oder im Falle des Internets an Nutzer gemeint ist.

Bruno Blüggel, Fachreferent für Jura an der Uni Greifswald, verdeutlichte die Möglichkeiten in einem Vortrag. Blüggel erfasst pommersche Personalschriften aus dem 16. bis 19. Jahrhundert in einer digitalen Datenbank und sucht kompetente Freiwillige, die zusätzliche Daten erfassen, Texte abschreiben oder Ortsangaben ergänzen. Andere Programmpunkte behandelten während der Veranstaltung die Kriegsgräberfürsorge, den Umgang mit Kirchenbüchern und die jüdische Emigration von Pommern nach Schanghai.

Jessica Rako

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