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Akkurat und elegant: Das ist Greifswalds schickster Schaffner

Stralsund Akkurat und elegant: Das ist Greifswalds schickster Schaffner

Zugchef Roland Wutstrack macht seinen Job bereits seit 40 Jahren – stets mit perfekter Uniform und Frisur.

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Der Schaffner Roland Wutstrack (57), hier am Bahnhof von Bützow, fährt regelmäßig mit dem Intercity auf der Strecke zwischen Stralsund und Hannover. Der Greifswalder arbeitet in seinem Beruf seit 40 Jahren und macht dabei stets eine gute Figur.

Quelle: Alexander Müller

Stralsund. Wenn Schaffner Roland Wutstrack etwas erledigt, dann macht er es auf eine Art und Weise, die Klasse hat und Eleganz. Wie lässig er die Kelle zur Abfahrt eines Zuges hebt und wie cool er die Karten der Passagiere knipst, die Uniform dabei stets ohne jede Falte, die Frisur tadellos. Wer dem 57-Jährigen begegnet, könnte meinen, er holt gleich eine Taschenuhr aus der Westentasche, um die sekundengenaue Abfahrt zu kontrollieren.

Roland Wutstrack ist ein Schaffner mit Umgangsformen alter Schule, und das ist wörtlich gemeint. Seit 40 Jahren macht er den Job jetzt schon. Damit gehört er zu den dienstältesten Zugbegleitern, die von Stralsund aus im Fernverkehr der Deutschen Bahn eingesetzt sind. Für den Greifswalder ist seine Aufgabe auch eine Frage des Stils: „Ich achte sehr auf gut frisierte Haare und eine saubere Uniform. Das fordere ich auch von meinen Kollegen ein.“ Doch von Zugbegleitern wird weit mehr gefordert, als Fahrkarten stempeln.

Der Intercity zwischen Stralsund und Hannover an einem Donnerstag, Abfahrt um 13.27 Uhr. Roland Wutstrack hat die Position des Zugchefs inne und steht damit in der Hierarchie an der Spitze des Personals, auch über dem Lokführer. „Meine wichtigste Aufgabe ist die Sicherheit des Zuges“, sagt er. Noch bevor sich die Wagen im Stralsunder Hauptbahnhof schleppend in Bewegung setzen, muss Wutstrack einen sogenannten Bremszettel erstellen, aus dem Achsenzahl, Zugmasse und Bremsverhalten hervorgehen – alles wichtige Informationen für den Lokführer, die in einer Notsituation entscheidend sein können. Der Beruf des Zugchefs ist überhaupt sehr technisch geprägt. Das Personal muss stets einen Blick für die Leuchten im Schaltschrank haben, die Probleme mit verschiedenen Geräten anzeigen.

Fällt im Sommer beispielsweise die Klimaanlage aus, muss der ganze Wagen gesperrt werden.

Der IC hat mittlerweile Fahrt aufgenommen und die Hansestadt hinter sich gelassen. Zeit für Roland Wutstrack, kurz durchzuatmen. 1976 hat er seine Lehre in Wolgast begonnen. „Es war mein Berufswunsch. Ich habe gern Umgang mit Menschen.“ Danach wechselte der Schaffner nach Greifswald, seit 1986 startet er von Stralsund aus. „Früher ging es in der Bahn ruhiger zu. Die Menschen hatten mehr Zeit.“ Seine schwierigste Situation musste Roland Wutstrack 1990 bewältigen. An einem unbeschrankten Bahnübergang bei Binz war sein Zug mit einem Auto zusammengestoßen. Beide Insassen des Wagens starben. Wutstrack musste die 50 Passagiere sicher aus der Bahn bringen. „Erst am Abend wurde mir klar, was da passiert war.“

13.57 Uhr, der IC fährt in den Bahnhof von Ribnitz-Damgarten ein. Roland Wutstrack steht vor der Tür und schaut auf die Uhr. „Jede Minute Verspätung wurmt mich“, sagt er. Doch heute läuft alles glatt. Im Fahrplan ist für jeden Zug ein Puffer von etwa drei Minuten eingebaut. Zum Beispiel für den Fall, dass ein Rollstuhlfahrer beim Einsteigen etwas länger braucht. Doch bei größeren Problemen reicht das natürlich nicht mehr. „Bei Verspätung komme ich aus dem Abteil nicht mehr heraus“, sagt Wutstrack. Jeder Fahrgast will dann von ihm wissen, wie er an sein Ziel kommt. Insbesondere wenn das etwas länger dauert, kann die Situation schon mal ungemütlich werden. „Wenn mich einer anschreit, bleibe ich ruhig. Wenn er weiter schreit, bleibe ich weiter ruhig.“

Noch 20 Minuten bis zur Ankunft in Rostock. Der Zugchef geht durch sein Abteil, um zugestiegene Fahrgäste zu kontrollieren. Er scannt den Wagen mit seinem Schaffner-Blick und weiß genau, wer schon lange auf seinem Sessel sitzt und wer neu ist. „Ich merke mir das anhand von Kleidung und Frisur.“ Roland Wutstrack hat schon alles erlebt: Passagiere, die sich ohne Fahrschein von Toilette zu Toilette mogeln oder sich in der Deckenverkleidung der Waggons verstecken. Am Ende findet er sie doch. Für Roland Wutstrack ist das kein Grund ausfallend zu werden, stattdessen macht er eine „Fahrpreisnacherhebung“. Der Schaffner bewältigt auch den größten Ärger mit Stil.

Ausbildung zum Zugbegleiter bei der Deutschen Bahn

40 Zugbegleiter werden am Standort Stralsund von der Deutschen Bahn eingesetzt. Der Bahnhof der Hansestadt ist eine sogenannte Einsatzstelle für den Fernverkehr. Hier bekommt das Personal seine Dienstpläne und die nötigen Unterlagen für die einzelnen Fahrten. Weitere Einsatzstellen gibt es zum Beispiel in großen Städten wie Berlin und Leipzig.

Wer Schaffner werden will, muss bei der Bahn eine Ausbildung zum „Kaufmann/-frau für Verkehrsservice“ machen. Absolventen können allerdings sowohl am Bahnhof als auch im Zug eingesetzt werden. Die Ausbildung dauert in der Regel drei Jahre und bietet die Möglichkeit der Weiterqualifizierung. Vorausgesetzt wird mindestens ein Realschulabschluss, Kontaktfreudigkeit sowie gesundheitliche und psychsiche Eignung für den Beruf.

Alexander Müller

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