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Alles klar, Banause, Glück, Bonbon

Greifswald Alles klar, Banause, Glück, Bonbon

Flüchtlingskinder in Greifswald schreiben ihre deutschen Lieblingswörter auf und erklären, warum sie diese Begriffe mögen – so beeindruckend wie anrührend

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Rwan Suleiman, Asmaa Abou Khaled, Lama Sofan und Tibyan Darkazanly (v. l.) lernen am Jahngymnasium die deutsche Sprache.

Quelle: privat

Greifswald. Als sie in unser Land kamen, sprachen Hala, Moath, Abdalla, Asmaa, Tibiyan und ihre Freunde kein Wort Deutsch. Doch das hat sich binnen kurzer Zeit geändert. Am Greifswalder Jahn-Gymnasium wurden sie in den vergangenen Monaten so mit deutschen Ausdrücken vertraut gemacht, dass sie inzwischen bestens mit der Sprache umgehen können.

Banause zu sein, ist

zwar keine schöne Sache, aber das Wort hat eine

sehr schöne Melodie. Immer, wenn ich ein Wort lernen möchte, dann suche ich es mir. Aber dieses Wort habe ich durch Zufall gelernt.“Mohammed (15),

hat in Damaskus den Krieg erlebt

Das zeigt sich an einem ebenso beeindruckenden wie anrührenden Projekt: Die Stralsunder Lehrerin Heike Schuldt ließ ihre Schüler ihr jeweiliges Lieblingswort aufschreiben – Stoff für ein kleines Büchlein, das während eines Schulprojektes entstanden ist.

Für die zwölfjährige Hala, die seit knapp einem Jahr in Greifswald lebt, ist es der Marienkäfer. „Das Wort mag ich, weil es wie Marienkirche klingt“, schreibt sie und erzählt, dass sie anfangs die Begriffe gar nicht unterscheiden konnte.

„Tschüss“ ist das Lieblingswort von Moath (17), der eine abenteuerliche Flucht hinter sich hat. „Das Wort gefällt mir wirklich, weil es Musik hat, und in Deutschland benutzen es alle Menschen jeden Tag.“ Für Abdalla (15) – ein sehr guter Fußballer, der aber auch den „Erlkönig“ rezitieren kann – ist es der Ausspruch: „Alles klar!“ Er hat gemerkt, dass ihn die Leute überall verwenden. Vor allem die Ausländer würden das sagen, damit sie vorgeben könnten, alles zu verstehen. „Jetzt benutze ich diese Worte, damit ich den Menschen zeige, dass alles klar ist.“

Die 16-jährige Asmaa aus Damaskus, die ein Startstipendium bekommen hat, lernte auf ihrem Flug eine deutsche Frau kennen, die nach ihrem Ziel fragte. Von ihr hörte sie zum ersten Mal ihr Lieblingswort: „Toleranz“. Für Ahmad (18) ist es „Liebe“. „Ich habe nichts verstanden, aber trotzdem klang es gut.“ „Wenig“ findet Artem aus der Ukraine (14) cool. Gehört hat er es im Supermarkt, und es erinnert ihn an seine Heimatsprache.

Ein kleines Wort mit einer großen Bedeutung ist der Favorit von Rwan (17), die Klassensprecherin war: „Danke“. Zum ersten Mal gehört hat sie es in der Türkei. „Als ich nach Deutschland gekommen bin, hat ein Mann uns den Weg gezeigt, dann habe ich ihm Danke gesagt und mich gefreut. Es war das erste Mal, dass ich mit einer deutschen Person gesprochen habe.“

„Ach so“ ist nicht mehr wegzudenken aus dem Wortschatz von Tibyan, die großes Heimweh hat und mit ihrem Gesang ein Publikum von 200 Lehrern zu Tränen rührte. „Eine Frau hat mir gesagt, wenn jemand mit mir zu einem unwichtigen Thema spricht, und ich möchte, dass man schweigt, sage ich ,ach so’.“ Bei Imad (17), der wunderbar Klavier spielt und in einem Schlauchboot auf der Flucht um sein Leben fürchtete, steht so einiges oben auf der Liste – alles, was ein „ch“ oder „ö“ hat: Brötchen, Wörterbuch, Löcher, Eichhörnchen, Köche...

„Krankenhaus“ hat Alaa ausgewählt. „Weil es so gut klingt in meinen Ohren. Wenn etwas passiert, dann werden die Krankenschwestern und Krankenpfleger uns helfen“, ist die 13-Jährige überzeugt.

Georgios (16), der bereits wieder in Griechenland ist, mag das Wort „Bonbon“, „weil es einfach, komisch und lustig ist“. Mit Bonbons könne er besser lernen. „Schönes Wochenende“ gefällt der lebensfrohen Lama (18) am besten. Furchtbares liegt hinter ihr: Das Schiff ist bei der Flucht untergegangen. Sie wurde gerettet. Der Vater ist tot.

„Glück“ findet Fares schön, der mit seiner Mutter und drei Geschwistern aus Ägypten kam. Der Familie droht die Abschiebung. Über sein Lieblingwort sagt er: „Es ist so klein und kurz. Ich habe das als erstes Wort, als ich nach Deutschland kam, gehört. Und es ist gut. Als ich in die Schule kam, hat mein Freund mir gesagt: Zum Glück haben wir Ausfall.“ Der 15-jährige Mohammed aus Damaskus, der laut Heike Schuldt ebenso verrückt wie liebenswert ist, meint: „Banause zu sein, ist zwar keine schöne Sache, aber das Wort hat eine sehr schöne Melodie.“

Marlies Walther

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