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Als die Polen nach Pommern kamen

Die Historische Seite: Geschichte und Geschichten aus Greifswald und Umgebung Als die Polen nach Pommern kamen

Eine Zeitschrift publiziert Aspekte der Nachkriegsgeschichte des Landes am Meer / Die meisten Neusiedler kamen aus Zentralpolen, Großpolen und Pomerellen / Das Land verwahrloste in den ersten Jahren

Greifswald. „Die Wiedererlangung der in der Vergangenheit verlorenen uralten piastischen Territorien“ war noch 1996 in einer Befragung für mehr als Dreiviertel der Polen der wichtigste Grund für die Übernahme der früheren deutschen Ostgebiete nach 1945. Dabei lag die Oberhoheit dieses Herrschergeschlechts über Pommern schon mehr als 800 Jahre zurück. Wie die Stettinerin Alina Hutniekiewicz in ihrem Beitrag „Der Prozess der Besiedlung Pommerns nach 1945“ schreibt, war das Wissen der 1996 Befragten gering. Sie hatten auch Zweifel an solchen historischen Rechten, „wobei sie zugleich die Übernahme der Westgebiete durch Polen als Entschädigung für den Verlust der polnischen Ostgebiete betrachteten“. Diese gehörten nun zur Sowjetunion, heute zu Litauen und der Ukraine.

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Eine Zeitschrift publiziert Aspekte der Nachkriegsgeschichte des Landes am Meer / Die meisten Neusiedler kamen aus Zentralpolen, Großpolen und Pomerellen / Das Land verwahrloste in den ersten Jahren

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Heft wird im Landesmuseum präsentiert

Am 16. April wird das Heft „Westpommern/Pomorze Zachodnie — Aspekte der polnischen Nachkriegsgeschichte Pommerns“ um 15 Uhr im Pommerschen Landesmuseum von Irmfried Garbe (Zeitgeschichte regional) und Gero Lietz (Bearbeiter) präsentiert. Janusz Mieczkowski von der Universität Stettin hält vor der Diskusssion einen Vortrag.

Der Piastenmythos sei von der kommunistischen Staatsmacht genutzt worden, um vom „Verlust der polnischen Ostgebiete und der Verkleinerung des polnischen Staatsterritoriums abzulenken“. Die eingangs erwähnte Befragung sei ein Beleg für die Effektivität des Mythos. Die Behauptung der Warschauer Regierung, dass die Mehrheit der neuen Pommern aus den nun zur UdSSR gehörenden Gebieten stammten, weist Hutniekiewicz zurück. 1950 sei das nur ein Viertel gewesen.

Der Beitrag von Hutniekiewicz ist einer von neun ins Deutsche übersetzten Aufsätzen des Sonderheftes „Westpommern/Pomorze Zachodnie — Aspekte der polnischen Nachkriegsgeschichte Pommerns“ der Zeitschrift „Zeitgeschichte regional“. Dabei geht es beispielsweise um die Geschichte der Juden nach 1945 und die Ansiedlung von Polen aus dem zur UdSSR gekommenen Gebiet um Wilna (Vilnius) und den Streit um den Konflikt Polens und der DDR um den Grenzverlauf in der Pommerschen Bucht (in der DDR Oderbucht genannt) 1985 bis 1989.

Manche von den Autoren vertretene Ansicht wird sicher auf Widerspruch stoßen. So meint Tomasz Slepowronski, dass die DDR im genannten Grenzkonflikt Ende der 1980er Jahre die außergewöhnliche politische Naivität der polnischen Regierung ausgenutzt habe und spricht von aggressiven Maßnahmen der DDR-Volksmarine. Der Grenzstreit war eine Folge der Ausdehnung der Hoheitsgebiete von drei auf zwölf Seemeilen 1977 durch Polen und dann 1984 durch die DDR. 1989 einigte man sich. Wie Hutniekiewicz in ihrem Beitrag schreibt, verfügte „die polnische Verwaltung, als sie im Frühjahr 1945 den größten Teil der Provinz Pommern übernahm, weder über besondere Landeskenntnis noch hatte sie konsistente und realistische Besiedlungspläne und das dafür notwendige Personal“. Eines sei aber klar gewesen: Anstelle der vertriebenen Deutschen mussten möglich rasch Polen kommen. Dabei sei das Leben der Neusiedler „vor der Kulisse schwarzer, verkohlter Ruinen“ sehr schwierig gewesen. Nachts gab es Vergewaltigungen und bewaffnete Überfälle. Hutniekiewicz zitiert den Chef der polnischen Verwaltung, der im Januar 1946 schrieb: „Bezeichnend ist, dass die Lage am schlimmsten dort ist, wo eigentlich durch die Rote Armee die Sicherheit gewährleistet sein sollte.“ Viele Neusiedler zogen wieder fort. Weil die Polen nicht sicher gewesen seien, dass sie für immer bleiben könnten, kümmerten sie sich wenig um das Umfeld. Die Region verwahrloste, schreibt Hutniekiewicz. Am Anfang hätten die Siedler noch versucht, sich das Land durch Zerstörung deutscher Spuren (Denkmäler, Aufschriften und so weiter) zu eigen zu machen.

Von Eckhard Oberdörfer

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