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Greifswald Als die Vereine im Schwedenreich entstanden
Vorpommern Greifswald Als die Vereine im Schwedenreich entstanden
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00:00 14.06.2016
Andreas Önnerfors vor dem Unihauptgebäude. Greifswald liege aus schwedischer Sicht zentral, meint er. Quelle: Eckhard Oberdörfer

Gesangvereine, Tanzvereine, Turnvereine, Literaturvereine, Theatervereine und so weiter gehören heute wie selbstverständlich zu unserem Leben. Dabei ist das moderne Vereinswesen noch gar nicht so alt.

„Es entstand an der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert“, erzählt der deutsch-schwedische Historiker Andreas Önnerfors. Der an der Uni Göteborg lehrende Wissenschaftler ist Fellow am Krupp-Kolleg.

Die Wohltätigkeit habe vor 200 Jahren bei den Zielen der Vereine eine große Rolle gespielt, es war ja lange vor der staatlichen Sozialgesetzgebung. Suppenküchen, Waisen- und Armenhäuser entstanden dank dieser neuen Gruppen. „Auch das moderne Versicherungswesen beginnt in der Zeit“, ergänzt der Historiker.

Önnerfors ist auch ein Experte für Freimauererei. In Greifswald hat er sich vor allem mit der 1763 gegründeten Loge „Carl zu den drei Greifen“ befasst, die im 19. Jahrhundert das Logenhaus (heute Gaststätte „Humboldt“) in der Straße Am Mühlentor bauen ließ. Das wohl bekannteste Mitglied der Loge war Johann Carl Dähnert (1719 bis 1785), der große Verdienste um die Universitätsbibliothek erwarb. Er war auch der Rektor der 300-Jahr-Feier der Universität, was damals als große Ehre galt.

„Die Freimaurer waren eher privilegiert und mussten hohe Beiträge bezahlen“, erzählt Önnerfors. Ihn interessieren derzeit mehr die kleinen Vereinigungen, die bisher nicht im Fokus der Forschung standen. Für Önnerfors sind sie die Keimzelle dessen, was man heute Zivilgesellschaft nennt. „Wer organisierte sich hier außerhalb von Staat, Kirche, Gemeinde und Familie freiwillig und wofür“, nennt er Fragen, die er beantworten will.

Ein wichtige Quelle stammt von 1803. Damals erließ der schwedische König Gustav IV. Adolf eine Verordnung, um das Vereinswesen in seinem Reich zu regulieren. Daher weiß man einiges über knapp 40 solcher skandinavischen Vereinigungen dieser Zeit. Über Schwedisch-Pommern erfährt man in der Quelle nichts, erst 1806 wurde in unserer Region das schwedische Recht eingeführt. Önnerfors hofft, nun in Greifswald mehr über die kleineren Vereine in Vorpommern zu erfahren.

Heute um 18 Uhr spricht Andreas Önnerfors über „Zwischen Erfolg und Unterdrückung: Der Aufstieg der Zivilgesellschaft im Ostseeraum 1760-1810“ im Krupp-Kolleg.

eob

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