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Greifswald Amateurastronom prägte Generationen von Schülern
Vorpommern Greifswald Amateurastronom prägte Generationen von Schülern
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00:00 15.08.2016

Am 14. August 2016 wäre der Amateurastronom Erwin Strübing 100 Jahre alt geworden. Olaf Schmidt erinnert für den Sternwartenverein an den Greifswalder:

Erwin Strübing Quelle: privat

Anders, als das Wort „Amateur“ suggeriert, ging es ihm um ernsthafte Wissenschaft, und die wollte er auch anderen nahebringen. Seine erste Begegnung mit der Sternenkunde hatte Strübing, als er als Schüler einen Vortrag über das Weltall hielt. Gerne hätte er studiert und beruflich auf diesem Gebiet gearbeitet – die damaligen Verhältnisse und der Krieg ließen das nicht zu. Nach 1945 ergaben sich für den gelernten Buchhalter neue Möglichkeiten, sich mit der Wissenschaft zu beschäftigen.

Um den gestirnten Himmel zu beobachten, baute er selbst Teleskope und Geräte und nahm Kontakt zu anderen Interessierten weltweit auf. Im November 1955, die „offizielle“ Astronomie an der Greifswalder Uni war gerade eingestellt worden, gründete Erwin Strübing anlässlich einer totalen Mondfinsternis im Pionierhaus eine Schülerarbeitsgemeinschaft. Endlich konnte er auch andere, von dem, was ihm wichtig war, begeistern. Es wurden auf einem Balkon in der Schillstraße und in der Sternwarte regelmäßig alle mit der Technik erreichbaren Himmelskörper, speziell auch veränderliche Sterne, beobachtet. Es wurden Praktikumsaufgaben bearbeitet und regelmäßig, einmal im Jahr in den Sommerferien, gab es eine gemeinsame Reise zu Sternwarten in der DDR oder sogar im östlichen Ausland.

Daneben arbeitete Strübing mit der Gesellschaft zur Verbreitung wissenschaftlicher Kenntnisse (Urania) und der Fachgruppe Astronomie im Kulturbund zusammen und hielt öffentliche Vorträge. Durch die regelmäßigen Beobachtungen und manche kleine Reparatur machte es Erwin Strübing möglich, die Sternwarte über viele Jahrzehnte bis heute zu erhalten. Etliche Generationen von Schülern lernten durch ihn die Schönheit des gestirnten Himmels kennen und schätzen. Viele von ihnen studierten später, aber wohl alle behielten das Interesse am Weltall und den Möglichkeiten, es selbst zu erforschen.

Kurz vor der Wende erlaubte es seine angeschlagene Gesundheit nicht mehr, weiter die Schüler-AG zu leiten. Aber gerade zu dieser Zeit begannen junge Mitarbeiter und Studenten im Physikalischen Institut, sich für die Sternwarte oben auf dem Dach zu interessieren. Schließlich wurde im Jahre 1992 der „Verein der Freunde und Förderer der Sternwarte Greifswald“ gegründet. Hier wurde Strübing bald Ehrenmitglied und geachteter „Seniorastronom“. Als er am 31. März 2003 verstarb, hinterließ er nicht nur eine trauernde Familie, sondern auch viele dankbare Sternfreunde, die durch ihn erst einen Zugang zu dieser schönen Wissenschaft gefunden hatten.

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