Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Greifswald Ambiente top – Einkauf und Erreichbarkeit flop
Vorpommern Greifswald Ambiente top – Einkauf und Erreichbarkeit flop
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:00 09.02.2017
Vor allem die Atmosphäre in der Greifswalder Innenstadt schätzen viele Besucher und Einheimische. Quelle: Foto: Peter Binder

Greifswalds Innenstadt ist eine der attraktivsten in Deutschland. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie „Vitale Innenstädte“ des Instituts für Handelsforschung Köln, an der 121 Städte teilnahmen. In der Kategorie „ Ambiente und Flair“ erzielte Greifswald das beste Ergebnis unter 31 Städten ähnlicher Größe. Damit liegt die Stadt unter anderem vor Schwerin, Neubrandenburg, Konstanz und Bayreuth. Gleichzeitig offenbart die Studie aber auch gravierende Mängel.

Greifswald bei Studie zur Attraktivität deutscher Innenstädte weit vorn

300 Passanten wurden befragt

Ende 2016 waren in den Einkaufsstraßen von Greifswald etwa 300 Passanten aufgefordert worden, Schulnoten für die Innenstadt zu vergeben. Knapp ein Drittel der Befragten kam von außerhalb. Greifswald habe sich erstmals darauf eingelassen, sich mit anderen Städten zu messen, erklärt Michael Heinz vom Städtebauamt, zuständig für die Studie vor Ort. Und es habe sich gezeigt: „Die Hansestadt braucht sich nicht zu verstecken.“

Überdurchschnittlich viele Punkte holte Greifswald im Bereich „Ambiente und Flair“ mit seinen Plätzen, Grünflächen und der Gastronomie, der Lebendigkeit, den Sehenswürdigkeiten und der Sauberkeit.

Besonders herausragend: Note 2 bei Sicherheit und dem Zustand der Gebäude – hier ist Greifswald Klassenbester unter den Städten mit 50 000 bis 100000 Einwohnern.

Schöne Häuser, wenig Auswahl

„Unsere Anstrengungen bei der Sanierung der Altstadt haben sich gelohnt“, freut sich Oberbürgermeister Stefan Fassbinder (Grüne). Es gebe keine Baulücken, viele Menschen hätten Freude an den historischen Fassaden. Das gute Ergebnis bei der Sauberkeit können allerdings nicht alle nachvollziehen. „Die Papierkörbe sind vielerorts zu klein, darum landet vieles auf dem Boden“, kritisiert etwa Rentnerin Gisela Patzelt. Fassbinder meint, auch deswegen lohne sich ein Blick von außen. „Unsere Stadt ist sauberer als viele andere.“

Bei der zentralen Frage nach der Attraktivität der Innenstadt bekam Greifswald die Note 2,2, während vergleichbare Städte im Schnitt bei 2,6 landeten. Offenbar halten viele Bürger Ambiente und Flair einer Innenstadt für wichtiger als die Erreichbarkeit, Parkplätze oder Einkaufsmöglichkeiten. In diesem Bereich schnitt Greifswald nämlich teilweise deutlich schlechter ab als die Konkurrenz. Die Altstadt sei nur schwer mit Bus und Auto zu erreichen, heißt es in der Studie, es fehle an Parkplätzen. Nach Ansicht von Torsten Haasch, Hauptgeschäftsführer der Handelskammer Neubrandenburg, ist die Greifswalder Innenstadt deshalb für Menschen aus dem Umland weniger attraktiv. Das größte Problem sind der Studie zufolge aber fehlende Geschäfte. Beim Angebot an Lebensmitteln und Elektronikartikeln kassierte die Innenstadt eine glatte 4. Auch bei Kleidung, Schuhen und Lederwaren vermissen viele Kunden eine große Auswahl. Dagegen ist das Angebot an Büchern, Büro- und Schreibwaren, Drogeriewaren und Optikern überdurchschnittlich.

Kleine Läden als Chance

„In der Innenstadt haben wir einfach nicht die Fläche für einen Media Markt“, sagt Haasch. Viel wichtiger für Greifswald seien aber ohnehin die kleinen Läden. Petra Struck vom Innenstadtverein, Mitinhaberin eines Lederwarengeschäftes, stimmt zu. Die Zahl der Kunden in der Innenstadt gehe aber seit Jahren zurück, Schuld sei vor allem der Onlinehandel. Noch gebe es keinen Leerstand in der Innenstadt. „Aber wenn der erste Laden zumacht, kann es auch für die anderen tödlich sein“, sagt sie.

Fassbinder meint, die Kleinteiligkeit gelte es zu bewahren, gerade sie trage zum Flair bei. „Allerdings müssen wir auch den großen Handelsketten die Möglichkeit geben, sich anzusiedeln.“ Die Belebung der KAW-Hallen sei ein wichtiger Schritt, um die Innenstadt für Besucher noch attraktiver zu gestalten. Gleichzeitig führe die Stadt Gespräche, um das Angebot in der Dompassage zu erweitern. Die Ergebnisse der Studie will die Stadt nutzen, um ihr Einzelhandelsentwicklungskonzept zu optimieren.

Oft ins Internet

Wie wirkt sich der Online-Handel auf die deutschen Innenstädte aus? Auch das wurde in der Studie untersucht. Ein Ergebnis: Das Einkaufsverhalten der Greifswalder hat sich stärker verändert als in vergleichbaren Städten. So kaufen 23 Prozent der Befragten verstärkt online ein und besuchen die Innenstadt zum Einkaufen seltener. In Orten vergleichbarer Größe trifft dies nur auf 17 Prozent zu.

Dafür ist in Greifswald der Anteil derjenigen höher, die sowohl online einkaufen als auch durch die Innenstadt bummeln.

Alexander Salenko

Mehr zum Thema

Ronald Schmidt und seine Mutter kamen nicht auf die Gustloff – es war ihr Glück, denn am 30. Januar 1945 wurde das Schiff versenkt

04.02.2017

Neuanfang als Rentnerin: Regina Apitz lebt auf einem Hinterhof ihre Kreativität aus

07.02.2017

Mit Marie-Luise Marlow übernimmt eine junge Pastorin die Kirchengemeinden von Putbus

08.02.2017

Gottesdienst am Sonntag soll Neugierde wecken

09.02.2017

Kurverwaltung ausgezeichnet

09.02.2017

Arbeitsagentur plant, per „Vermittlungsdreieck“ über 100 Stellen zu besetzen

09.02.2017
Anzeige