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An der Peene lagen Zentren Pommerns

Die Historische Seite: Geschichte und Geschichten aus Greifswald und Umgebung An der Peene lagen Zentren Pommerns

Altmeister Joachim Wächter gibt im Auftrag der Gesellschaft für pommersche Geschichte einen Überblick zur Geschichte des Landes am Meer heraus.

Greifswald. Pommerns Historie kompakt auf etwa 140 Seiten von Expertenhand: Das bietet die von Joachim Wächter herausgegebene „Geschichte Pommerns im Überblick.“ Er selbst hat den Abschnitt zu den Jahren 1520 bis 1715 und eine Zeittafel beigetragen. Das Buch sei wegen der ebenso ansprechenden wie fundierten Darstellung und der jedem empfohlen, der sich für die Geschichte des Landes am Meer interessiert.

Die Darstellung beginnt in der römischen Kaiserzeit, also der Zeit bis 375, dem Beginn der Völkerwanderung. Darüber schreibt Felix Biermann, der lange in Greifswald arbeitete und heute in Göttingen Professor ist. „Insgesamt war das Wirtschaftsniveau in Pommern in germanischer Zeit wohl nicht allzu hoch“, schreibt der Archäologe. „Trotzdem können wir einen gewissen Wohlstand in Pommern erkennen.

Grundlage dieser Prosperität dürften der Bernsteinhandel, der Vertrieb von Kleintierpelzen und vielleicht kleinregional eine Überschussproduktion von Eisen gewesen sein. Mit solchem Handel, aber auch mit Beute und Militärdiensten wird überdies die Masse der römischen Münzen in Pommern zusammenhängen.“ Biermann schreibt, dass zu feierlichen Anlässen feine Keramik und sogar römische Gefäße auf den Tisch kamen. Fisch war wichtig, wie beispielsweise die Fischzaunanlage aus dieser Zeit am Ryck im heutigen Museumshafen zeige. Die Germanen hatten Opferplätze im Moor, um göttlichen Beistand zu gewinnen. Unter den Beispielen für diese Feststellung nennt Biermann eine Axt, die bei Greifswald versenkt wurde.

Mitte des 6. Jahrhunderts hatten fast alle Germanen Pommern verlassen. Die Natur eroberte das Land am Meer bis zur Einwanderung der Slawen zurück. Biermann will aber nicht ausschließen, dass es an der Küste noch einige germanische Siedlungen gab.

Die Slawen hielten Schweine, Rinder, Schafe, Ziegen und Geflügel. Handel und Handwerk hätten keine große Rolle gespielt. An der Ostsee entwickelte sich die Wirtschaft rasch. Die Initiative zur Anlage von Seehandelsplätzen seit Mitte des 8. Jahrhunderts auf Rügen, Wollin und an den Flussmündungen sei wahrscheinlich von Skandinaviern ausgegangen, so Biermann. Hier wurde auch Handwerk auf hohem Niveau betrieben. Als Beispiele nennt Biermann Menzlin/Görke an der Peene, Ralswiek auf Rügen, Wollin (Wolin) an der Dievenow und Kolberg-Altstadt (Busziwsto) an der Persantemündung. Die Seehandelsplätze blühten im 9. Jahrhundert auf.

Aus den offenen Siedlungen seien Burg-Siedlungs-Komplexe geworden. „Diese sogenannten ,Burgstädte‘, deren Blütezeit das 11./12. Jahrhundert war, erscheinen im Fall Wollin — des legendär überhöhten Vinetas — bereits im 11./12. Jahrhundert in den schriftlichen Quellen.“ Bischof Otto von Bamberg hat diese Machtzentren bei seinen Missionsreisen 1124/25 und 1128 aufgesucht. So predigte und taufte der Kirchenmann beispielsweise in Wollin, Stettin, Kolberg, Gützkow, Belgard, Usedom und Wolgast.

Biermann geht davon aus, dass sich das Kerngebiet der Pomoranen an der Persante (Perseta) zwischen Belgard (Bialograd) und Kolberg (Kolobrzeg), also im westlichen Hinterpommern, befand. Dem Pomoranenherzog Wartislaw I. gelang es, zwischen 1125 und 1128 seine Herrschaft auf die Gebiete östlich der Oder und nördlich der Peene auszudehnen. Er schuf die Grundzüge Pommerns. Mit Wartislaw I. tritt das bis 1637 herrschende Greifengeschlecht in das Licht der schriftlichen Überlieferung, schreibt Prof. Roderich Schmidt (schon verstorben). Lehnsherr Wartislaws war der polnische König.

Allerdings beanspruchte der deutsche König die Gebiete westlich der Oder für sich.

Wartislaw I. war auch der erste christliche Herzog Pommerns. Laut einer Chronik traf er sich mit dem Missionar Otto von Bamberg 1128 in Demmin. Per Schiff reisten sie Pfingsten gemeinsam nach Usedom, wo auf dem Schlossberg seit 1928 ein Denkmal an die Christanisierung Pommerns erinnert. Die Großen des Herzogtums ließen sich 1128 taufen. Schmidt bescheinigt Wartislaw I. insgesamt eine „glänzende Politik“.

 



Eckhard Oberdörfer

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