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Greifswald Angehende Anwälte beraten Bedürftige – gratis
Vorpommern Greifswald Angehende Anwälte beraten Bedürftige – gratis
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00:23 04.05.2018
Die ParaGreif-Mitglieder Charlotte Völksen (25) und Hoang Do Minh (21) bearbeiten einen Fall in den Vereinsräumen in der Alten Augenklinik, Wollweberstraße 1. Quelle: Foto: Christopher Gottschalk
Greifswald

Manche Menschen können sich keinen Anwalt leisten. In den USA schaffen in diesen Fällen Jurastudierende mit kostenloser Rechtsberatung Abhilfe. Die „Law Clinics“ haben dort eine lange Tradition. Nun ist das Prinzip auch in Greifswald angekommen. Der studentische Verein ParaGreif bietet seit Kurzem eine eigene kostenlose Rechtsberatung an. 25 Jurastudierende beraten andere Studierende, arme Menschen und Asylbewerber.

„Wir wollen den Zugang zum Recht erleichtern“, sagt ParaGreifmitglied Niels Guleke, der das Projekt mit anderen ins Leben gerufen hat. Es läuft erst langsam an, hauptsächlich hätten sich bisher Studierende gemeldet. „Sie haben gewöhnlich Probleme mit Kauf-, Handy- oder Mietverträgen.“ Der Verein hofft, dass das Angebot auch außerhalb der Uni bekannter wird, merkt Guleke an. Die Kontaktaufnahme ist einfach: Anfragen stellen Klienten online, bevor sie ihre Berater treffen (siehe Infokasten).

Jedes Beratungsteam besteht aus zwei bis drei Studierenden. Alle haben mindestens vier Semester Jura hinter sich und einen von zwei Vorbereitungskursen besucht. Zwei Greifswalder Anwälte lehrten sie die Grundsätze des Asyl- oder des Zivilrechts.

„Es ist gar nicht so einfach, dass Rechtsproblem zu erkennen, wenn der Mandant vor einem sitzt und seine Lebenslage schildert“, erinnert sich die 24-jährige Deike Voß an Probegespräche in ihrem Kurs im Zivilrecht. Sie schätzt ParaGreif, weil es für sie die perfekte Gelegenheit für soziales Engagement sei. „Dafür findet man normalerweise nur schwer Zeit.“ Gleichzeitig ist es eine nützliche Praxiserfahrung, die das Studium sonst nicht biete. „Ich habe vier Praktika gemacht, aber größtenteils guckt man sich nur Verhandlungen an.“

Nun treffen die Nachwuchsjuristen auch auf schwere Schicksale, erklärt ParaGreif-Mitglied Philine Santana. „Vor allem Flüchtlinge haben oftmals bewegende und teilweise unvorstellbare Dinge erlebt, die uns nahegehen“, sagt sie. In Zukunft will der Verein die Beratung auch direkt in den Flüchtlingsunterkünften anbieten und mit anderen Sozialeinrichtungen der Caritas, Diakonie oder Tafeln zusammenarbeiten.

Die Studierenden ersetzen keine Volljuristen. Sie erarbeiten zwar alleine Lösungen, doch vor Gericht ziehen dürfen sie nicht. „Unser Ziel ist es, dass sich die Klientinnen und Klienten bei einfachen Rechtsproblemen selbst weiterhelfen können“, sagt Philine Santana. „Vielleicht stellt sich bei der Beratung aber heraus, dass der Gang zum Rechtsanwalt oder zur Rechtsanwältin sinnvoll ist.“

Empfehlungen sprechen die Berater jedoch erst aus, wenn ein Anwalt die Lösung absegnet. Die ausgebildeten Juristen helfen ehrenamtlich. Einzig die Durchführung der hochschuloffenen Seminare wird aus Mitteln der Studierendenschaft vergütet, die zur Verbesserung von Studium und Lehre bereitstehen. Der Verein erhielt zudem Fördermittel von der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration für sein Engagement in der Asylberatung. Das Rektorat der Universität bewilligte weitere 2700 Euro, teilt Uni-Pressesprecher Jan Meßerschmidt mit. „Die Arbeit an den praktischen Fällen soll durch passende hochschuloffene Seminare ergänzt werden“, sagt Meßerschmidt. Die Uni stellt zudem die Vereinsräume in der Alten Augenklinik.

Kontakt zu ParaGreif

Die studentische Rechtsberatung erfolgt auf Grundlage eines 2008 verabschiedeten Bundesgesetzes, das außergerichtliche Rechtsdienstleistungen regelt.

Seitdem hat sich auch ein Bundesverband Studentischer Rechtsberater mit Sitz in Celle (Niedersachsen) gegründet. Auf seiner Website listet er aktuell insgesamt 52 studentische Rechtsberatungsstellen bundesweit.

Die Greifswalder Rechtsberatung erreichen Interessierte über dessen Website. Dort soll das Problem kurz geschildert werden, die Berater vereinbaren anschließend einen Termin. Der Status als Asylbewerber, Studierender oder Bedürftiger muss mit einem Nachweis belegt werden.

Klicktipp: paragreif.de

Christopher Gottschalk

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