Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Greifswald Angehende Erzieher fühlen sich ausgebremst
Vorpommern Greifswald Angehende Erzieher fühlen sich ausgebremst
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
02:45 22.08.2014
Genervt: Quereinsteigerin Gisela Wenzlaff. Quelle: Sybille Marx

Als Gisela Wenzlaff die Umschulung zur Erzieherin anfing, war sie euphorisch: Zwei Jahre sollte der Kurs in Stralsund dauern, die Arbeitsagentur Greifswald würde ihn bezahlen. „Ich wollte immer mit Kindern arbeiten, war auch zwölf Jahre Tagesmutter“, erzählt die Frau aus Hinrichshagen.

Doch jetzt, drei Jahre später, hat Gisela Wenzlaff ihren Abschluss immer noch nicht in der Tasche — und ist wütend auf die Berufliche Schule Stralsund. Die nimmt im Auftrag des Landes die staatlichen Prüfungen für Quereinsteiger in den Erzieherberuf ab, lässt diese Kandidaten nach OZ-Informationen aber Monate auf Prüfungsergebnisse und -Termine warten.

Schulleiterin Ines Kahmann war für eine Stellungnahme in den vergangenen beiden Tagen nicht zu erreichen. Fakt ist: Gisela Wenzlaff hat im Dezember des vergangenen Jahres ihre drei schriftlichen Prüfungen geschrieben. „Erst im Sommer hab ich dann erfahren, dass ich auch durch die dritte Prüfung durchgefallen bin “, erzählt sie. Monatelang habe sie nicht planen können. Außerdem habe man ihr verwehrt, sich vor mündlichen Nachprüfungen die eigenen korrigierten Arbeiten anzusehen. Ein Unding, findet sie. „Ich muss doch aus meinen Fehlern lernen können!“

Gisela Wenzlaff ist nicht die einzige Quereinsteigerin, die sich von der Beruflichen Schule ausgebremst fühlt. Fast 100 „Nichtschüler“, wie die Externen offiziell heißen, hatten im Dezember die schriftlichen Prüfungen für Erzieher mitgeschrieben. Im Juli nun endete offiziell ihre Umschulung, die Finanzierung durch die Arbeitsagentur lief damit aus. „Aber dann hieß es, erst im Oktober oder sogar erst 2015 könnten sie die Praktische Prüfung machen“, erzählt Ingolf Schultz, Leiter des Berufsförderungszentrums (BFZ) in Ueckermünde, an dem ebenfalls einige der Betroffenen lernten. Ohne Praktische Prüfung kein Abschluss, ohne Abschluss keine Chance, als Erzieher zu arbeiten. „Einige hatten schon Verträge mit Kitas, wo sie nachher gleich anfangen wollten“, erzählt Ingolf Schultz.

„Die waren natürlich sehr ärgerlich.“

Der Grund für die langen Wartephasen ist nach OZ-Informationen seit Jahren der gleiche: Die Berufliche Schule Stralsund ist mit den vielen Prüfungskandidaten überlastet. Die eigenen Schüler gehen vor, den Externen kann sie deshalb keine frühen Termine anbieten.

Das bestätigt auch Catrin Täubert, Leiterin des „Seminarcenters“ in Stralsund, an dem sich ebenfalls Quereinsteiger auf die Erzieher-Prüfung vorbereiteten. Aus ihrer Sicht liegt das Problem beim Land. „Das Bildungsministerium weiß längst, dass die Berufliche Schule Stralsund nicht alle externen Kandidaten innerhalb der zweijährigen Umschulung prüfen kann“, sagt die Schulleiterin. Trotzdem habe es jahrelang keine zusätzlichen staatlichen Prüfungsstellen eingerichtet.

Auch die Arbeitsagentur verhalte sich wenig hilfreich. „Wenn sie nicht nur 24, sondern 36 Monate für die Maßnahme samt Prüfungen einplanen und bezahlen würde, hätte man das ganze Problem nicht“, meint Täubert. „Es ist ja sowieso ein Unding zu glauben, man könnte in zwei Jahren Umschulung das lernen, was andere Schüler in vier Jahren lernen.“

Für den aktuellen Umschulungs-Jahrgang ist laut dem Bildungsministerium nun aber eine Lösung gefunden, wenn auch keine schnelle: Die Berufliche Schule Neubrandenburg übernimmt einen Teil der Prüfungen. Anfang Oktober sollen alle „Nichtschüler“ sie hinter sich haben.

Gisela Wenzlaff nützt das nichts. Sie kann erst im Dezember zum zweiten Mal zu den schriftlichen Prüfungen antreten.

Umschulung geändert

2 Jahre dauert eine Umschulung zum staatlich anerkannten Erzieher. Die Arbeitsagenturen zahlen geeigneten Klienten diese Maßnahme, mitsamt der Prüfungsgebühren.
Die Quereinsteiger lernen an privaten Schulen wie der „ecolea“ in Stralsund oder dem Berufsförderungszentrum Ueckermünde, absolvieren auch Praktika und müssen am Schluss die staatliche Prüfung schaffen.
Das ganze System steht seit Jahren in der Kritik, nicht nur in MV. Denn ein hoher Prozentsatz dieser „Nichtschüler“ fällt durch die Prüfungen.
Künftig soll es nach Angaben des Bildungsministeriums MV weniger von der Arbeitsagentur geförderte „Nichtschüler“ geben. Nur noch Kandidaten mit einem Berufsabschluss als staatlich geprüfter Sozialassistent können sich bewerben.



Sybille Marx

Zwischen Kölpinsee und Stubbenfelde entsteht bis 2015 ein Ständerweg — mit Ausguck auf Ostsee und Kölpinsee.

22.08.2014

Ost-Rocker spielen am Sonntag in Zinnowitz.

22.08.2014

Rostock/Pralänk/WolsztynLeichtathletik. Die HSG Ausdauer-Mehrkämpfer waren bei drei verschiedenen Wettkämpfen am Start und erfolgreich.

22.08.2014
Anzeige