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Greifswald Anwohnerprotest gegen Giftmüll-Lager
Vorpommern Greifswald Anwohnerprotest gegen Giftmüll-Lager
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00:00 18.04.2013
Blick auf das Gelände der Entsorgungsfirma in Ladebow, auf dem künftig Giftmüll zwischengelagert werden soll. Quelle: P.Binder
Greifswald

Die Ortsteilvertretung Wieck-Ladebow macht Front gegen die Lagerung gefährlicher Stoffe im Hafen Ladebow. Die Firma Alba Services GmbH und Co KG will dort 2500 Tonnen pro Jahr zeitweilig in Containern unterbringen. Drei Viertel sind laut Definition gefährliche Stoffe wie Säuren, Laugen, Pestizide und Lösungsmittel. Die Entsorgungsfirma hat für die Container bereits am 19. Dezember 2012 die Genehmigung des Staatlichen Amtes für Umwelt und Landwirtschaft (Stalu) Vorpommern in Stralsund erhalten. Zunächst zeitlich begrenzt bis Ende 2015. Darüber informierte der Vorsitzende des Ortsrates, Bernd Lieschefsky (Bürgerliste), auf der Sitzung am Dienstag.

Volksvertreter und anwesende Bürger reagierten empört. Sogar von einem „zweiten Schönberg“ war in der erregten Debatte die Rede. „Wir wollen kein Giftmüll-Lager“, bringt es Ortsratsmitglied Heino Förste (Linke) auf den Punkt. „Wir haben die Ölmühle im Hafen abgewehrt. Und jetzt kommt klammheimlich eine Mülldeponie.“ Die Stadtverwaltung hätte im Interesse der Entwicklung des Hafens zum Gewerbegebiet mehr Sensibilität zeigen müssen. Alle Ortsratsmitglieder lehnen das Vorhaben ab. Es widerspreche den Entwicklungszielen für den Hafen. Auch Wohnbauten liegen laut Gremium mit 200 Metern zu nahe an der geplanten Anlage. Ein Giftmüll-Lager neben einem geplanten Getreidelager, das gehe nicht. Für Ortsratsmitglied Christian Kruse (CDU) ist es unverständlich, warum gerade in Ladebow so ein Lager entstehen müsse.

Das Antragsschreiben der Firma Alba für Bau und Betrieb des Zwischenlagers nennt unter anderem nicht näher bezeichnete Lösungsmittel, Säuren, Laugen, gebrauchte Chemikalien, Batterien, Pestizide, Öle, Fette, Zytostatika, also Arzneimittel für die Chemotherapie, Transformatoren, Kondensatoren, Verpackungen und vieles andere mehr. Darunter befinden sich Stoffe, die als krebserregend gelten. Die Kapazität beträgt 50 Tonnen, davon dürfen 37,5 Tonnen gefährliche Stoffe sein. Täglich sollen höchstens zehn Tonnen umgeschlagen werden.

Vermieter der etwa 250 Quadratmeter großen Fläche im Stadthafen ist die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima). Dort weiß man von nichts. Der Mietvertrag stamme aus den 1990er Jahren. „Laut Vertrag ist für Genehmigungen der Mieter zuständig“, so Sprecher Thorsten Grützner.

Die Greifswalder Verwaltung hat bereits ihr Einverständnis für das Lager bekundet. Pikant: Noch nach der letzten Ortsratssitzung hieß es am 7. März 2013 aus dem Rathaus, der Bauaufsicht sei nichts bekannt. Der Antrag von Alba stammt aber vom 2. Juli 2012. Die Stadt erteilte das Einvernehmen mit Auflagen im September letzten Jahres, wie Bausenator Jörg Hochheim (CDU) bestätigt. Das Stalu habe alle gesetzlichen Bestimmungen eingehalten, betont er. Alle Prüfungen der städtischen Behörden, so der Feuerwehr, des Umweltamtes und des Naturschutzes hätten ergeben, dass das Vorhaben zulässig sei. Aus Sicht der Stadtplanung bestünden keine Bedenken gegen eine Genehmigung.

Hochheim erinnert an einen Bürgerschaftsbeschluss von 1999. Darin wird dem Bausenator die Zuständigkeit für das „gemeindliche Einvernehmen“ zu Vorhaben bis einer Million Euro übertragen.

„Wir wollen ab Juni Sonderabfälle aus Gewerbe und privaten Haushalten der Regionen Rostock, Anklam, Greifswald und Umgebung hier sammeln“, sagt Rolf Schöpfel, stellvertretender Betriebsleiter von Alba. „Auch die Erträge der Schadstoffsammlung kommen hierher. Es ist ein reiner Umschlagplatz. Ladebow haben wir gewählt, um Transportwege zu optimieren.“ Weder würden Abfälle längere Zeit gelagert noch behandelt werden. Der Transport mit dafür zugelassenen Lkw erfolge, sobald eine ausreichende Menge gesammelt sei. Außer dem Stalu habe noch ein unabhängiger Sachverständiger den Standort geprüft, versichert er.

Hafen Ladebow

2007wollte ein Investor ein Biodieselwerk bauen, das scheiterte am Widerstand gegen so eine „Frittenbude“ in der Bevölkerung . Das Werk sollte 250 000 Tonnen Umschlag im Jahr bringen. 2008 war das Vorhaben Geschichte.

Für den Stadthafen wird gegenwärtig nach fast 20 Jahren Pause ein Bebauungsplan (B-Plan 14) entwickelt. Um diese Entwicklung zu unterstützen, wird die Eisenbahnstrecke Greifswald-Ladebow saniert.

Der Ortsrat Wieck-Ladebow hat im Oktober 2012 dem B-Plan 14 zugestimmt und zugleich Forderungen, so nach der Herausnahme von Kleingärten aus den Planungen, gestellt.

Eckhard Oberdörfer

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