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Arbeitslosenquote sinkt in Greifswald erstmals unter 10 %

Erwerbslosigkeit weiter auf Talfahrt: Unternehmen beschäftigen immer mehr Mitarbeiter Arbeitslosenquote sinkt in Greifswald erstmals unter 10 %

Hansestadt holt damit deutlich auf und ist fast so gut wie Rostock und Schwerin / Keine andere Stadt im Land weist in den letzten Jahren eine so starke Reduzierung auf

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Hanseyachts beschäftigt nach eigenen Angaben 900 Mitarbeiter in Greifswald, in Krisenzeiten waren es unter 500.

Quelle: Dpa/stefan Sauer

Greifswald. Die Zehn-Prozent-Marke ist geknackt: Erstmals seit der Wende liegt die Arbeitslosigkeit in Greifswald im einstelligen Bereich. Im September betrug die Erwerbslosenquote in der Hansestadt 9,8 Prozent. 2859 Personen waren ohne Job. Zum Vergleich: Den Höchststand gab es im September 2004. „Damals suchten 6035, also mehr als doppelt so viele Menschen, einen Job. Die Quote betrug 22 Prozent“, sagt Heiko Miraß, Chef der Arbeitsagentur Greifswald.

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Hansestadt holt damit deutlich auf und ist fast so gut wie Rostock und Schwerin / Keine andere Stadt im Land weist in den letzten Jahren eine so starke Reduzierung auf

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Für Oberbürgermeister Stefan Fassbinder (Grüne) ein Tag zum Feiern: „Die Zahlen verdeutlichen: Wir sind eine aufstrebende Stadt mit hoher Dynamik. Es ist Zeit, aus dem Jammermodus herauszukommen.“

Zwar haben andere große Städte im Land auch einstellige Zahlen (Schwerin 9,6 %, Rostock 9,3%) – abgeschlagen liegt Stralsund mit 13,4 Prozent. „Doch im Vergleich mit diesen Städten haben wir in Greifswald die mit Abstand stärkste Reduzierung der Arbeitslosenquote in den vergangenen zehn Jahren“, verdeutlicht Heiko Miraß. Und das, obwohl Greifswald den höchsten Zuwachs an Einwohnern hat.

„Seit 2005 ist hier auch die Zahl der Arbeitsplätze deutlich gestiegen“, sagt der Agenturchef. Gab es damals noch 22035 Stellen, waren es 2015 bereits 27 424.

Jobmotor sei in der Hansestadt vor allem das Gesundheits- und Sozialwesen, zu dem die Unimedizin und Pflegedienste zählen. Laut Statistik gibt es in dem Bereich 7667 Stellen. Im Vergleich zum Jahr 2007 sind es 2327 mehr. Ein Beispiel für die Entwicklung: Der Pflegedienst Ora Cura, der vor etwa dreieinhalb Jahren mit 25 Mitarbeitern startete. „Heute zählt unser Unternehmen rund 150 Beschäftigte“, sagt Geschäftsführer Nils Mendle.

Einen großen Zuwachs gab es auch bei den wirtschaftlichen Dienstleistungen, zu denen unter anderem Callcenter gehören. 5877 Stellen gibt es in diesem Bereich, 810 mehr als 2007. Das Callcenter KDW etwa, das im Ostseeviertel ansässig ist, erhöhte die Mitarbeiterzahl in den vergangenen drei Jahren von knapp 200 auf derzeit fast 400, bestätigt Marion Rust von KDW.

Den dritten Platz bei den Zuwächsen belegt das verarbeitende Gewerbe mit regionalen Größen wie Hanseyachts und der Elektronikdienstleister ml&s. Seit 2007 wurden 368 Stellen geschaffen, sodass es nun 2314 sozialversicherungspflichtige Jobs in diesem Bereich gibt.

„In Greifswald haben wir eine sehr gesunde Arbeitsmarktstruktur“, sagt Miraß. „Die Universität, das Klinikum mit dem INP und dem Max-Planck-Institut im Umfeld, dazu ein starker öffentlicher Sektor – für so eine kleine Stadt sind das schon große Nummern.“ Die dort gezahlten Löhne sorgten zudem für eine stabile Kaufkraft der Verbraucher. Dass sich diese positive Entwicklung fortsetze, dafür tue Greifswald sehr viel, versichert Stefan Fassbinder. „Verwaltung und Politik sorgen für gute Rahmenbedingungen, damit die Lebensqualität weiter steigt“, sagt der Oberbürgermeister. Dazu gehörten nicht nur ausreichend Wohnungen, sondern auch Bildungs-, Sport- und Kulturangebote in hoher Qualität.

Heiko Miraß geht davon aus, dass einstellige Arbeitslosenquoten für Greifswald auch künftig Normalität sein werden. Zwar würden saisonbedingt im Winter die Werte wieder steigen – Bau, Landwirtschaft und Tourismus benötigen weniger Personal – und im Januar und Februar am höchsten liegen. Doch das Niveau sinke stetig ab. Das liegt nicht zuletzt am demographischen Faktor: Im Landkreis gehen zurzeit mehr als 4500 Personen pro Jahr in Rente, während nur etwa 2000 die Schule verlassen. „Diese Nachwuchslücke nimmt viel Druck vom Arbeitsmarkt“, so der Chef der Arbeitsagentur Greifswald.

Die Kehrseite dieser Entwicklung ist hinlänglich bekannt: Unternehmer haben es immer schwerer, geeignetes Personal zu finden. Von 1500 Ausbildungsstellen konnten in diesem Jahr nur 1000 besetzt werden.

Greifswald hat die Nase vorn

Die Universitäts- und Hansestadt erzielt nicht nur gute Werte auf dem Arbeitsmarkt. Auch bei der Bevölkerungsentwicklung hat Greifswald im Vergleich zu anderen die Nase vorn. In Neubrandenburg ist die Bevölkerung in den vergangenen zehn Jahren um 7,8 Prozent geschrumpft, die Arbeitslosenquote ging im selben Zeitraum um 5,9 Prozent zurück (aktuell 12,8 %).

In Greifswald ist die Einwohnerzahl um 7,3 Prozent gestiegen, die Arbeitslosenqoute ging aber sogar um neun Prozent zurück.

Arbeitsmarkt in Zahlen

11911 Personen waren im Kreis Vorpommern- Greifswald im September auf der Suche nach einer Beschäftigung. Das waren 1607 weniger als vor einem Jahr.

9,8 Prozent beträgt die Erwerbslosenquote in Greifswald, im gesamten Kreis liegt sie bei 10,1 – vor einem Jahr waren es 11,4. Die einzelnen Geschäftsstellen weisen sehr unterschiedliche Zahlen auf. Am höchsten ist die Arbeitslosigkeit in Anklam (14 Prozent), am niedrigsten im Bereich Wolgast mit 7,4 Prozent.

12,5 Prozent beträgt die Jugendarbeitslosigkeit, sie stieg im Vergleich zum Vorjahr leicht an. Ein Grund ist, dass unter den aus Kriegs- und Krisenländern geflüchteten Menschen viele Jugendliche sind.

43,5 Prozent aller Erwerbslosen in Vorpommern- Greifswald sind Langzeitarbeitslose.

1605 Stellen waren im September im Landkreis noch zu besetzen. Die größte Nachfrage kam von Zeitarbeitsunternehmen mit 275 Offerten. Große Bedarfe signalisieren jedoch auch das Gastgewerbe (212), das Gesundheits- und Sozialwesen (205) und der Handel (156).

5581 Menschen im Kreis erhielten im Mai Hartz- IV-Leistungen, obwohl sie erwerbstätig waren. Ihr Lohn reicht praktisch nicht zum Leben aus. Im Mai 2015 waren es 6148 sogenannte Aufstocker.

Kai Lachmann und Petra Hase

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