Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Greifswald Arndt-Debatte leid geworden
Vorpommern Greifswald Arndt-Debatte leid geworden
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
01:20 06.05.2017

„Wie lange geht das jetzt schon mit Arndt? Ein Vierteljahr? Oder noch länger?“ CDU-Mann Lutz Jesse klang am Donnerstagabend im Bildungsausschuss der Stadt wie ein Zuschauer, der den Boxern im Ringkampf so langsam nicht mehr zusehen mag. „In allen Schichten und Strukturen wurde diskutiert“, sagte er, Alt und Jung hätten sich auseinandergesetzt. „Eine ungeheure Meinungsbildung haben wir erlebt.“ Sei es nun nicht genug?

Die Leitung der Ernst-Moritz-Arndt-Hochschule, das war wenige Tage vorher bekannt geworden, lehnt den Wunsch der Greifswalder Bürgerschaft ab, im Streit um den Namenspatron einen runden Tisch mit etwa 20 Vertretern der Stadt und der Hochschule zu bilden (die OZ berichtete). So ein Gremium sei nicht geeignet, zudem liege gar kein Antrag mehr auf Umbenennung der Hochschule vor, hieß es zur Begründung.

Enttäuschend findet das SPD-Mann Erik von Malottki, Vorsitzender des Bildungsausschusses. Denn die Fronten in der Stadt seien verhärtet, viele wünschten sich endlich eine Einigung. „Wir sollten mit Gruppen wie dem Personalrat der Uni und dem Verein der Freunde und Förderer sprechen, um auszuloten, ob die noch einen Bedarf sehen für einen runden Tisch.“ Wenn dem so sei, müsse man das Ziel weiter verfolgen, schlug er vor.

Doch die Mehrheit im Ausschuss will nicht darum kämpfen. Peter Multhauf (Linke) erklärte zwar: „Ich bin immer noch der Meinung, dass die Entscheidung über den Universitätsnamen nicht allein bei der Uni liegt.“ Doch ein runder Tisch sei nur eine Alibi-Aktion, solange Senatsmitglieder jederzeit wieder den Antrag stellen könnten, Ernst Moritz Arndt als Namenspatron abzuwählen. Ingo Ziola (CDU) erklärte, man solle lieber gleich einen Bürgerentscheid organisieren. Nur Cornelia Wolf-Körnert, Geschäftsführerin des Studierendenwerks, hielt so hartnäckig wie ihr Partei-Kollege von Malottki an einem runden Tisch fest. „Für mich war die bisherige Debatte eher das Zeichen, dass die vorhandenen Gesprächs-Strukturen eben nicht ausreichten“, sagte sie. Die Gegner hätten sich ja nur untereinander bestärkt, ebenso wie die Befürworter untereinander. „Ein regelmäßiger, echter Austausch zwischen den Gruppen wäre gut.“

Das Votum verpuffte. Sollte der Bildungsausschuss repräsentativ sein für die Greifswalder Bevölkerung, könnte man attestieren: Die Emotionen beginnen sich so langsam zu legen, die Streithähne werden sichtlich müde. „Ich bin dagegen, die Uni erneut zu brüskieren, indem wir jetzt sagen: Wir wollen aber einen runden Tisch“, erklärte etwa Marion Heinrich von den Linken. Thomas Treig (Kompetenz für Vorpommern) argumentierte, eine solche Veranstaltung würde das Thema auch nur weiter treiben, „ohne dass neue Argumente zur Sprache kämen“. Längst sei alles gesagt worden.

Selbst die Idee, auf einen runden Tisch zu verzichten, aber gezielt auf einen Kompromiss im Arndt-Streit hinzuarbeiten, löste im Ausschuss wenig Begeisterung aus. „Der Kompromiss wird doch längst praktiziert“, sagte etwa Peter Multhauf. „Es gibt einen Professor an der Uni, der im Briefkopf immer nur Universität Greifswald schreibt statt Ernst-Moritz-Arndt-Universität, und der auch noch stolz ist darauf!“ Und wenn die Uni nun sage, dass sie keinen runden Tisch wolle und außerdem nicht vorhabe, eine Ausstellung über Arndt mitzuorganisieren, müsse man das wohl akzeptieren. „Wenn es nicht umsetzbar ist, ist es nicht umsetzbar“, sagte Multhauf ungewöhnlich resignativ. Der Linken-Politiker hat aber schon ein neues Ziel: Das Pommersche Landesmuseum müsse eine Arndt-Ausstellung in Angriff nehmen, findet er. „Im Jahr 2019 wird Arndt 250 Jahre alt. Da nichts zu machen, wäre eine Schande!“

Sybille Marx

Mehr zum Thema

72 Achtklässler erhalten in Dorf Mecklenburg Jugendweihe

02.05.2017

Johannes Bugenhagen hat für die Reformation im Norden so viel bewirkt wie kein anderer

04.05.2017

Spitzennote 1,0 wird im Landkreis Vorpommern-Rügen nur selten vergeben. Wird die Prüfung immer schwerer?

04.05.2017

Redaktions-Telefon: 03 834 / 793 687, Fax: - 684 E-Mail: lokalredaktion.greifswald@ostsee-zeitung.de Sie erreichen unsere Redaktion: ...

06.05.2017

Familiäre Kindertagesstätte wird von einem Elternverein geführt / Der sucht jetzt ein neues Domizil

06.05.2017

Helfen statt hilflos sein: Zehn angehende Lehrer haben sich zu Suchtberatern ausbilden lassen

06.05.2017
Anzeige