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Greifswald Arndt-Denkmal in Greifswald entzweit Kommunalpolitik
Vorpommern Greifswald Arndt-Denkmal in Greifswald entzweit Kommunalpolitik
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12:22 22.03.2019
Arndt-Straße Greifswald: Hier könnte sich die CDU-Fraktion der Bürgerschaft gut ein Arndt-Denkmal vorstellen. Quelle: Carla Blecke
Greifswald

Braucht Greifswald ein Denkmal für Ernst Moritz Arndt (1769 bis 1860)? In dieser Frage sind die OZ-Leser geteilter Meinung: In einer nicht repräsentativen Umfrage sprachen sich 41,2 Prozent der 626 Teilnehmer für ein Denkmal aus, 52,1 Prozent sind dagegen. Für 6,7 Prozent spielt das Denkmal keine Rolle, sie entschieden sich für die Antwort „Das ist mir egal“.

Doch nicht nur in der Bevölkerung ist das Thema umstritten. Für die von der CDU und der Kompetenz für Vorpommern ins Spiel gebrachte Idee gibt es bei den Kommunalpolitikern der Bürgerschaft bislang keine eindeutige Mehrheit. Der Beschlussvorschlag der beiden Fraktionen, der von der Bürgerliste sowie Teilen der SPD und Linken unterstützt wird, fand bislang nur im Finanzausschuss eine knappe Empfehlung. Die Vorlage sieht vor, den Oberbürgermeister mit der Prüfung zu beauftragen, „ob und an welchem Ort im Stadtgebiet anlässlich des 250. Geburtstages ein Denkmal zu Ehren von Ernst Moritz Arndt errichtet werden kann“. CDU-Stadtverbandschef Gerd-Martin Rappen präferiert persönlich wie mach anderer in seiner Fraktion das Dreieck zwischen Goethe- und Arndtstraße. Der Wirtschaftsausschuss lehnte den Prüfauftrag an die Verwaltung ab (sechs Ja-, sieben Nein-Stimmen), im Bildungs- und im Bauausschuss gab es ein Kopf-an-Kopf-Rennen von Gegnern und Befürwortern bei wenigen Stimmenenthaltungen.

Bei Jan Evers von der Alternativen Liste sorgt allein die Idee für Bestürzung: „Alle wissen, dass Arndt ein Antisemit gewesen ist. Selbst die Befürworter des Namens im Streit um den Uninamen haben dies nicht bestritten. Sie haben lediglich argumentiert, warum ein Antisemit in seiner Zeit vielleicht ein Antisemit sein durfte. Aber dass man so einem in unserer heutigen Zeit ein Denkmal setzen will, macht mich fassungslos. Das geht gegen alles“, wettert das Finanzausschussmitglied.

Walter Noack von der CDU räumt ein: „Natürlich war es ein Antisemit, das kann man nicht wegdiskutieren. Wir wollen ja auch nicht Arndt als Antisemit ehren“, sagt er und fügt hinzu: „Das haben wir aber alles schon besprochen, als wir uns wie die Kesselflicker über den Uninamen auseinandergesetzt haben“, sagt er. Heute gehe es einzig und allein um ein neues Denkmal zu Ehren des Philosophen. In der Beschlussvorlage betonen die Denkmal-Befürworter Arndts politisches Wirken für die Abschaffung der Leibeigenschaft und gegen die Fremdherrschaft in Deutschland.

Ulrich Rose (Alternative Liste) indes bezweifelt ebenfalls, dass Greifswald ein zweites Denkmal für Arndt benötige. Im Gegenteil: „Wir haben ein vollplastisches Arndt-Denkmal an prädestinierter Stelle, ein zweites ist völlig unnötig“, sagt er. Der umstrittene Historiker gibt sich auf dem Rubenowdenkmal neben dem Gründer der Universität sowie weiteren Gelehrten der Alma Mater recht nachdenklich. Rose betrachtet die Idee so kurz vor den Kommunalwahlen daher nur als „Fischerei von Wählerstimmen“. Zudem seien vollfigürliche Denkmäler Sache des 19. Jahrhunderts. „Wer so etwas heute fordert, steckt gedanklich und ästhetisch auch noch im 19. Jahrhundert“, kritisiert er. Persönlich könne er sich weitaus bessere Denkmäler vorstellen – und zwar nichtfigürlicher Art. Etwa für die Schriftsteller Hans Fallada oder Wolfgang Koeppen, die Dichterin Sibylla Schwarz „oder Käthe Kluth, erste deutsche Professorin – und zwar an der Greifswalder Universität“, betont Rose.

Die Entscheidung, ob die Verwaltung mit dem Prüfauftrag betraut wird, fällt das Stadtparlament am 29. April. Dessen Präsidentin Birgit Socher (Linke) enthielt sich bislang der Stimme. Ihr sei ein Denkmal egal. „Wenn es sich aber so viele Menschen wünschen, versperre ich mich der Sache nicht.“ Anders ihr Parteifreund Peter Multhauf. Als Verfechter Arndts kündigte er schon einmal an, 250 Euro für das Denkmal spenden zu wollen.

OZ-Umfrage:
Sollte in Greifswald für Ernst Moritz Arndt ein Denkmal errichtet werden?

Petra Hase und Anne Ziebarth

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