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Arndt-Streit: OZ startet große Umfrage

Greifswald Arndt-Streit: OZ startet große Umfrage

Entscheidung des Ministeriums zu Namensablegung zieht sich hin / Proteste gehen weiter

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Greifswald. Kein anderes Thema hat die Greifswalder seit Jahren derart emotionalisiert wie die Ablegung des Universitätsnamens Ernst Moritz Arndt (1769-1860). Längst geht es nicht mehr darum, ob der Schriftsteller eher Rassist und Antisemit oder Freiheitskämpfer und demokratischer Vordenker war. Viel mehr scheint Arndt einen Teil Identität der Greifswalder auszumachen. Ein Stück Geschichte, das fest zu ihrem Leben gehört.

OZ-Bild

Entscheidung des Ministeriums zu Namensablegung zieht sich hin / Proteste gehen weiter

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Um ein umfassendes Meinungsbild zu erhalten, startet die OSTSEE-ZEITUNG ab sofort eine große Telefon- und Online-Umfrage unter den Einwohnern (mehr dazu im Kasten). Weit mehr als 100 Leserbriefe zum Thema hat die Redaktion veröffentlicht, ein Großteil dieser Leser wünscht sich den Erhalt des Namenspatrons.

Die Welle des Protests und der Emotionen entbrannte nach dem Votum des Senats der Universität, den Namen abzulegen. 24 Mitglieder des höchsten Entscheidungsgremiums stimmten dafür, elf dagegen, eine Person enthielt sich. Seit diesem 18. Januar um 14.28 Uhr gingen zahlreiche Schreiben an die Rektorin der Uni, an Professoren, den Oberbürgermeister und die Stadtvertreter. Zwei Bürgerinitiativen kämpfen für den Erhalt des Namens, es gibt eine Onlinepetition, eine Unterschriftensammlung und mehrere Demos. Die nächste soll am 4. März auf dem Markt stattfinden. Die Teilnehmer sollen die Buchstaben EMAU formen, Luftballons sollen in die Luft steigen. Beim Bildungsministerium liegen 15 Beschwerden gegen den Beschluss vor. Zudem haben sich Greifswalder an den Petitionsausschuss des Landtages gewandt.

Noch ist die Ablegung des Namens nicht rechtsgültig. Die Genehmigung des Schweriner Bildungsministeriums als Rechtsaufsicht der Hochschulen steht noch aus. Ministerin Birgit Hesse (SPD) hatte eine zeitnahe Prüfung versprochen. Nun zieht sich die Entscheidung offenbar hin, weil beim Ministerium immer mehr Beschwerden eingehen. Die Kritiker haben eine Liste mit 14 rechtlichen Bedenken zusammengetragen. Prominentester Unterstützer ist der Ex-Rektor Jürgen Kohler, der das Zustandekommen des Beschlusses wegen mehrerer Fehler als „Riesenskandal“ ansieht. Seiner Rechtsauffassung als Jurist nach hätte es vor dem Beschluss eine Aussprache geben müssen. Außerdem hätte vor dem 36-köpfigen Senat zunächst der engere Senat mit 22 Mitgliedern über Arndt abstimmen müssen.

Kohler stört besonders, dass der studentische Senator Björn Wieland nur zum Schein als Student eingeschrieben war, um an der Abstimmung gegen Arndt teilnehmen zu können. Das hat Wieland, Mitglied der Satire- und Spaßpartei Die Partei, im sozialen Netzwerk Facebook selbst erklärt (liegt der OZ vor) und sein Senatsmandat unmittelbar nach der Abstimmung abgelegt. Auch Hannes Nehls, ebenfalls Die Partei, ist unmittelbar nach der Abwahl Arndts zurückgetreten. Kohler ist optimistisch, dass das Bildungsministerium den Beschluss nicht genehmigt. Sollte es doch ein Ja vom Land geben, behält er sich rechtliche Schritte vor. „Das wird davon abhängen, ob mich die Begründung überzeugt“, sagt Kohler. Professor Helmut Klüter als überzeugter Arndt-Gegner dagegen ist entsetzt, dass die „Institution der repräsentativen Demokratie in Frage gestellt wird“. Auch der studentische Senator Milos Rodatos teilt die Rechtsbedenken nicht: „Das Verfahren wurde etliche Male so praktiziert.“

Ob die Abstimmung des Senats wegen des massiven Protests überdacht werden sollte? Die Senatsvorsitzende sieht sich in ihrer Rolle zu absoluter Neutralität verpflichtet. „Unsere Aufgabe als Senat ist es, Anträge zu bearbeiten“, sagt Maria-Theresia Schafmeister. Zu Arndt gebe es keine neuen Anträge.

LESERBRIEFE

Wer hat die Blumen abgeräumt?

Warum wurde die Asta-Demo am Sonntag (12. Februar) zeitgleich genehmigt mit dem Ziel, mit den Arndtbefürwortern am Markt zusammenzutreffen? Die studentischen Arndtgegner können doch jederzeit ihre Veranstaltungen durchführen, sie haben immer Zeit und das Denkmal vor ihrer Haustür. Der Asta hat sich offen als Arndtgegner positioniert, er hat auf den Bürgerdemonstrationen der Arndtbefürworter nichts zu suchen. Das Abräumen der von Arndtbefürwortern am Rubenow-/Arndtdenkmal niedergelegten Rosen ist immer noch nicht geklärt. Vom Rektor- und Astasitz hat man doch einen guten Blick auf das Denkmal. Ist dort mal ermittelt worden?

Kurt Mau

Online-Umfrage hätte vorher sein müssen Warum schaltet die OZ eine Online-Umfrage erst, nachdem die Entscheidung gefallen ist?

Wollte bzw. sollte man eine Beeinflussung der Entscheidung im Senat tunlichst vermeiden, aber warum?

Die Einwohner dieser Stadt lieben nicht nur die Uni, sie haben diese Verbundenheit oftmals unter Beweis gestellt. Das zeigt die Reaktion der Greifswalder, als das Kultusmnisterium die Medizinische Fakultät streichen wollte. Da standen Uni-Angehörige zusammen mit den Einwohnern dieser Stadt auf der Straße. Hat die Stadt nicht auch immer das Wohl ihrer Uni im Auge gehabt? Wäre es daher nicht nur angemessen und auch integer gewesen, wenn die OZ die Meinung der Bevölkerung zur Abwahl des Unipatrons vor der Entscheidung erfragt hätte?

Eine Meinungsumfrage kann bei einer wichtigen Entscheidung nicht schaden, sondern sehr nützlich sein, wo sich langsam die Erkenntnis durchzusetzen beginnt, dass man dem Volk wohl besser als bisher aufs Maul schauen sollte .

Die Veröffentlichung des vorhersehbar eindeutigen Ergebnisses pro Arndt kann jetzt nur noch dazu beitragen, dass die Reaktionen großer Teile der Bevölkerung auf die Entscheidung des Senats, wie Trauer, Entsetzen und – ja auch Wut - kanalisiert werden können.

Klaus Hartmann

Ernst Moritz Arndt steht für Wandel

Ernst Moritz Arndt steht für die Suche nach dem Neuen, mit dem die Rektorin die Namensänderung legitimieren will. Der Sohn eines ehemaligen Leibeigenen wird Professor. Ein Mann, der von Gutsbesitzern wegen einer Schrift gegen die Leibeigenschaft verklagt wurde, ein Mann, der gegen die Besetzung seiner Heimat kämpfte, ein Mann, dem wir die Sammlung von Märchen und Geschichten unserer Region verdanken, ein Mann, dem im Gefolge der Karlsbader Beschlüsse seine Lehrbefähigung entzogen wurde. Ein Mann freilich auch, der irrte, der Grenzen hatte, der vom Zeitgeist beeinflusst war und Meinungen vertrat, die wir heute nicht mehr teilen. Nichts weniger als ein Mensch eben. Universitäten stehen nicht nur für Wandel und Neues, sie sind auch Orte der Tradition. Tradition und Innovation schließen sich nicht aus. Wenn kulturelle Identität und traditionelle Werte verloren gehen, führt das zu Beliebigkeit und Werteverlust in einer Gesellschaft.

Dr. Sabine Koburger, Stralsund

Ihre Meinung ist uns wichtig: Befragung am Telefon und Online

Ihre Meinung ist gefragt: Möchten Sie, dass die Universität weiter Ernst-Moritz-Arndt-Universität heißt? Glauben Sie, dass die Universität durch die Trennung von Arndt Weltoffenheit zeigt?

Wünschen Sie sich eine breite öffentliche Debatte über den Namen der Uni? Sollte auch die Regionale Schule Ernst Moritz Arndt ihren Namen ablegen?

Auf unserer Umfrage-Seite im Internet können Sie an der Onlineabstimmung teilnehmen. Parallel starten wir eine große Telefonumfrage: Meinungsforscher werden in den kommenden zwei Wochen im Auftrag der OZ Hunderte Menschen befragen. Die Auswertung lesen Sie selbstverständlich in Ihrer OZ.

Abstimmen:

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Katharina Degrass

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