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Greifswald Arndt-Streit bewegt Unisenat
Vorpommern Greifswald Arndt-Streit bewegt Unisenat
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00:00 16.02.2017
Greifswald

Am 18. Januar hat der Senat der Universität mit Zweidrittelmehrheit die Trennung von Patron Ernst Moritz Arndt (1769 bis 1860) beschlossen. Der Publizist und Gelehrte ist wegen antisemitischer und fremdenfeindlicher Äußerungen umstritten.

Nach dem Senatsentscheid formierte sich eine Protestbewegung in der Stadt. Höhepunkt war die Bildung einer Menschenkette für Arndt am vergangenen Sonnabend. Beim Bildungsministerium liegen über zehn Einsprüche wegen rechtlicher Mängel im Verfahren vor. Die Spanne reicht von „normalen“ Bürgern bis zu vier ehemaligen Amtsträgern der Uni um den früheren Rektor und Juraprofessor Jürgen Kohler. Sie listen in einer Pressemitteilung insgesamt zwölf Gründe für ein ihrer Ansicht nach unrechtmäßiges Verfahren auf.

Rektorin Johanna Weber rechnet mit einer baldigen Entscheidung des Ministeriums, sagte sie auf der gestrigen Senatssitzung. Obwohl Arndt nicht auf der Senatssitzung stand, sorgte er für eine Debatte.

Theologieprofessor Michael Herbst zeigte sich irritiert von der öffentlichen Diskussion um die Trennung von Arndt. Es könne nicht sein, dass die Rechte universitärer Gremien infrage gestellt würden.

Herbst forderte, als Universität zusammenstehen. Die unsäglichen Angriffe auf die Rektorin und die Senatsvorsitzende Maria-Theresia Schafmeister seien „nicht in Ordnung“.

BWL-Professor und Arndtbefürworter Walter Ried betonte, das Verfahren sei in Ordnung gewesen. Bei einer Abstimmung zu unterliegen, sei für ihn kein Problem. Die Erregung über die Senatsentscheidung in der Öffentlichkeit habe ihn aber überrascht. Er hätte stärker für seinen Standpunkt eintreten sollen, meint er. „Die Verärgerung in der Stadt macht mir Sorge“, sagte Ried. Er wies auf mögliche negative Folgen für das Verhältnis zur Region hin. Die Uni sei wichtig für die Region und die Region wichtig für die Uni. Dass die Stadtbevölkerung wieder mit gleicher Einigkeit wie 2004/5 gegen Kürzungen an der Uni auftrete, sei wenig wahrscheinlich. Die Kosten der Umbenennung seien erheblich (das Rektorat nennt 80000 Euro, andere schätzen wegen möglicher indirekter Kosten deutlich mehr), erinnerte Ried. Dabei argumentiere die Uni immer, sie sei unterfinanziert. Aus dem Förderverein der Uni traten Mitglieder aus, der Verein zur Förderung der Wirtschaftswissenschaften habe 20 Prozent seiner Beitragseinnahmen verloren, zählte er auf. „Wir werden erheblich weniger Deutschlandstipendien vergeben können“, schätzte Ried ein. „Das ist höchst bedauerlich.“ All diese Punkte seien nicht ausreichend berücksichtigt worden.

Die Rektorin hielt entgegen, dass die Uni der Freiheit von Wissenschaft und Lehre verpflichtet sei und nicht ökonomisiert werden dürfe. Sie müsse ihre Entscheidungen nach sachlichen Überlegungen treffen. Senatspräsidentin Schafmeister erinnerte an die umfangreichen Materialien der Debatte von 2009/10 auf der Uni-Internetseite.

eob

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