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Arndt als Wegbereiter für den späteren Rassismus

Greifswald Arndt als Wegbereiter für den späteren Rassismus

Der Berliner Professor Frieder Otto Wolf, Philosoph und Politologe, sieht im Völkischen die zentrale Aussage des umstrittenen Schriftstellers Ernst Moritz Arndt. Der Senat der Universität hat gerade beschlossen, den Namen abzulegen - mit Ausnahmen.

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Frieder Otto Wolf, Professor an der Freien Universität Berlin, sieht in Ernst Moritz Arndt einen Antihumanisten.

Quelle: Degrassi, Katharina

Greifswald. Um es vorwegzunehmen: Das Interesse am wissenschaftlichen Vortrag über Ernst Moritz Arndt (1769-1860) war gering. Während zur letzten Januar-Demo für den Erhalt des Namenspatrons der Universität noch 600 Greifswalder auf den Marktplatz kamen, lockte die Diskussion am Mittwochabend gerade mal 30 Leute ins Audimax der Universität am neuen Campus Loefflerstraße.

Vielleicht war es aber auch der Titel „Ernst Moritz Antihumanist?“, der die Arndtfreunde von diesem Termin fernhielt. Denn klar war von Anfang an: Bei der wissenschaftlichen Auswertung von Frieder Otto Wolf, Professor für Philosophie und Politik an der Freien Universität Berlin, schneidet Arndt schlecht ab. Das rhetorische Fragezeichen ersetzt Wolf schnell durch ein Ausrufezeichen. Denn Arndt ist seiner Ansicht nach antijudaistisch, antisemitisch, völkisch, antihuman und kriegshetzerisch.

Otto tat das, was die Arndtbefürworter immer wieder fordern: den umstrittenen Schriftsteller in seiner Zeit sehen. Der ehemalige Abgeordnete des Europaparlamentes für die Grünen ging also zurück in die Zeit der gesellschaftlichen Umbrüche zu Beginn des 19. Jahrhundertes, als in Europa die Feudalgesellschaft überwunden wurde und die Menschen auf der Suche nach einer Identität in einer neuen Moderne waren. „Arndt war selber Sohn eines aufgestiegenen Leibeigenen. Er war keineswegs für die Rückkehr zu mittelalterlich feudalen Verhältnissen“, sagt Wolf.

Als Antwort auf das Problem schuf Arndt die Idee einer Art Urvolk, er „postulierte die ursprüngliche Einheit als Völkisches“, so Wolf. „Die Deutschen sind nicht durch fremde Völker verbastardet“, schrieb Arndt beispielsweise 1814. Diese biologische Reproduktion lädt er identitär auf, preist die Reinheit des deutschen Blutes, nutzt Begriffe wie „Halbling“, um andere Völker abzuwerten. Arndt spricht sich gegen die Vermischung verschiedener Rassen aus. Otto räumt ein, dass das Bedürfnis nach Abgrenzung angesichts der Besetzung Napoleons nachvollziehbar war und eine gewisse Übersteigerung Sinn mache, um etwas Neues zu formieren. „Nicht nachvollziehbar ist aber der mythologisierende biologische Zusammenhang“, sagt Otto weiter, mit dem er den Weg für späteren Rassismus bereitet hat und damit durchaus als Vordenker der Nationalsozialisten anzusehen ist.

Und was ist mit dem Argument, dass Antisemitismus und Rassismus in der Zeit verbreitet waren, fragt ein Zuhörer? Nach Ansicht von Otto war das Völkische die zentrale Aussage Arndts, während die Elemente beispielsweise beim deutschen Dichter Johann Gottfried von Herder nur am Rande eine Rolle spielten.

Katharina Degrassi

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