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KOMMENTAR Arndt oder nicht Arndt – Antwort nächste Woche?

Senat wird erneut abstimmen / Bürgeriniative kündigt Aktionen an

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OZ-Schlagzeilen aus dem Frühjahr: Die Namensfrage sorgte für eine lange und heftige Diskussion. MONTAGE: ARNO ZILL

Greifswald. Neue Runde im Streit um den Namen der Universität Greifswald: Der Senat wird wieder über das Patronat des umstrittenen Publizisten und Historikers Ernst Moritz Arndt (1759 bis 1860) abstimmen. Das geht es aus einer Stellungnahme von sieben studentischen Senatoren hervor. Sie wollen damit zu Ende bringen, was bereits vor Monaten angestoßen worden ist.

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Senat wird erneut abstimmen / Bürgeriniative kündigt Aktionen an

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Im Januar dieses Jahres hatte der Senat, als zuständiges Gremium für den Namen der Uni, die Trennung von Arndt beschlossen. Das scheiterte jedoch an Formfehlern, die mittlerweile behoben wurden.

Die studentischen Senatoren wollen nun das Verfahren sachgemäß beenden, heißt es in der Stellungnahme. „Die Antragstellenden sind Mitglieder des Senats aus unterschiedlichen Statusgruppen.“ Der Erweiterte Senat besteht aus je zwölf Professoren, Mitarbeitern und Studenten. Der erneute Antrag gehe auf Professoren zurück, die sich in den vergangenen Monaten wissenschaftlich mit Arndt auseinandergesetzt hätten, so der studentische Senator Timo Neder. Ihm persönlich gehe es nicht um ein historisches Urteil über Arndt. Aber das 1933 verliehene Patronat sei ein Relikt und Symbol zweier Diktaturen, die die Wissenschaftsfreiheit ablehnten, schätzt Neder ein. „Für mich ist der Name Ernst-Moritz-Arndt-Universität Teil einer Zeit, in der Wissenschaft missbraucht wurde.“ Arndt wird wegen seines Eintretens für die Freiheit und die deutsche Einheit verehrt. Seine Gegner verweisen beispielsweise auf den Franzosenhass und Antisemitismus Arndts.

Denkbar wäre die erneute Abstimmung frühestens während der regulären Senatssitzung in der kommenden Woche. Die Tagesordnung steht noch nicht fest. Die Senatsvorsitzende Maria-Theresia Schafmeister befindet sich in dieser Woche im Ausland.

Ob es unabhängig von der Entscheidung des Senats eine Urabstimmung der Studierenden über den Namen gibt, ist unklar. Eine Gruppe um Fabian René Fischer (Ring Christlich Demokratischer Studenten) hatte bis zum Juli 1061 Unterschriften dafür gesammelt (die OZ berichtete). „Der Präsident des Studierendenparlaments, Adrian Schulz, hat mir per E-Mail mitgeteilt, dass er erst jetzt die Listen zur Prüfung an das Sekretariat weitergeleitet hat“, ärgert sich Fischer. „Wir fordern, dass spätestens zur Wahl des neuen Senats und des neuen Stupa im Januar 2018 die Urabstimmung erfolgt. Bis dahin sollte der Senat nicht abstimmen.“ Bindend wäre eine Urabstimmung für den Senat aber nicht, er entscheidet allein. Vergeblich gefordert wurde eine Urabstimmung bereits 2016 von den damaligen studentischen Senatoren. Auch die Mitarbeiter würden gern gefragt werden. Rund 800 unterschrieben in diesem Jahr auf Initiative des Personalrats der Uni Listen für eine Abstimmung über den Namen.

Die Arndt-Befürworter kündigen indes Widerstand an. „Wir haben damit gerechnet, dass im Herbst weiter um den Patron gestritten wird“, sagt Grit Wuschek, Sprecherin der Bürgerinitiative „Ernst Moritz Arndt bleibt“. Diese hatte nach der Entscheidung im Januar unter anderem eine Menschenkette für Arndt organisiert. „Wir haben schon gute Ideen für weiteren Protest“, so Wuschek.

Die CDU kritisiert die Bestrebungen. „Statt Brücken in die Bevölkerung hineinzubauen, wird immer wieder Öl ins Feuer gegossen“, sagt der CDU-Landtagsabgeordnete Egbert Liskow. Gerade eine Uni sollte mit einer „kritischen Zeitfigur“ umgehen können. Dass die erneute Debatte die Stadt weiter spalte, glaubt auch Timo Neder. Aber das müsse man hinnehmen.

Aus den Fehlern lernen

Egal wie häufig über Ernst Moritz Arndt als Namensgeber der Universität Greifswald abgestimmt wird, beide Antworten werden immer legitim bleiben. Wie jeder die Frage für sich löst, ist eine ganz persönliche Entscheidung. Niemand sollte hierfür angefeindet oder verurteilt werden. Leider ist das in der Vergangenheit geschehen. Beleidigungen gab es sowohl auf der Seite der Arndt-Befürworter als auch auf Seiten der Gegner. Dabei ist das Gut der Meinungsfreiheit eines, das nicht hoch genug geschätzt werden kann in unserer Gesellschaft. Für die neu beginnende Debatte um Ernst Moritz Arndt sollten wir aus den Fehlern lernen und einen respektvollen Umgang ganz oben auf die Prioritätenliste rücken.

Nach der Wende: Immer wieder Streit um Arndt

Der Name Ernst-Moritz- Arndt-Universität wurde der Hochschule 1933 auf Antrag der Stahlhelm-Hochschulgruppe durch Hermann Göring verliehen. Ab 1954 führte die Hochschule wieder offiziell diesen Namen. In der DDR war er unumstritten.

Im November 1998 löste der in der Wochenzeitung „Die Zeit“ veröffentlichte Beitrag „Fataler Patron. Noch immer tragen deutsche Schulen, Kasernen und eine Universität den Namen des völkischen Ideologen und Antisemiten Ernst Moritz Arndt“ die erste Runde der Auseinandersetzungen im Streit um den Namen „Ernst-Moritz-Arndt-Universität“ aus. 2001/2 wurde erneut diskutiert. 2009 begann die bisher umfangreichste Debatte um den Namen der Hochschule. Am Ende scheiterten die Arndtgegner sowohl bei einer Urabstimmung der Studenten im Januar 2010 als auch im Senat im März des gleichen Jahres.

Am 11. Januar 2017 wurde hochschulöffentlich über den Sinn eines Patronats diskutiert. Am 18. Januar votierten 24 der 36 Senatoren für die Streichung von Arndt aus dem Hochschulnamen. Der Beschluss wurde im März aus formalen Gründen kassiert.

Eckhard Oberdörfer

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