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Asbestdach: Rentner will bis zum Bundesgerichtshof gehen

Reinberg Asbestdach: Rentner will bis zum Bundesgerichtshof gehen

Berliner fühlt sich beim Kauf einer Gartenlaube hinters Licht geführt

Reinberg. Der Berliner Detlef Behrendt will nicht klein beigeben. Nachdem er den Streit um den Kauf einer Gartenlaube in der Reinberger Gartensparte „Am Bodden“ vor dem Greifswalder Amtsgericht verloren hat, kündigte er nun an, notfalls bis zum Bundesgerichtshof ziehen zu wollen, um Recht zu bekommen.

Worum geht es? Der 69-Jährige hatte eine junge Frau aus dem Landkreis Vorpommern-Greifswald verklagt, die ihm im Frühjahr 2015 ihre Laube in einem Pachtgarten verkauft hatte. Der Rentner wirft ihr vor, ihm beim Verkauf verschwiegen zu haben, dass diese Laube ein Asbestdach besitzt. Das war ihm erst nach dem Kauf bewusst geworden. Für ihn sei Asbest eine große Gefahr, sagt Behrendt. Er habe nur noch eine Herzleistung von 25 Prozent, außerdem ein Lungenleiden und ein kaum noch funktionierendes Immunsystem. „Ich will mich nicht von anderen umbringen lassen“, sagt der Mann aus der Hauptstadt.

Er fühlt sich von den Verkäufern gelinkt. Umso mehr, als jetzt auch noch bekannt wurde, dass die Laube am 16. März 2015 für über 7000 Euro geschätzt worden war. Gekauft hat Behrendt sie für nur 980 Euro. Wer verkauft eine Laube so unter Wert? fragt der Rentner. Das Schätzprotokoll sei ihm damals vorenthalten worden, sagt er. Dort steht eindeutig, dass die Laube ein Wellasbestdach besitzt. „Mir ist eine Asbestlaube angedreht worden“, schimpft Behrendt.

Am 8. Dezember 2016 war die Sache nun vor dem Greifswalder Amtsgericht verhandelt worden, nachdem mehrere Versuche der Gegenseite, mit Behrendt eine Rückabwicklung des Kaufes oder eine gütliche Einigung zu erreichen gescheitert waren (die OZ berichtete). Detlef Behrendt fordert eine Grundsanierung des Daches sowie die Erstattung aller ihm mit dem Kauf der Laube entstandenen Kosten. Dies hatte Richter Kai-Ole Haubold in seinem Urteilsspruch vor dem Amtsgericht abgelehnt. Noch läuft ein Berufungsverfahren. Aber das hat wohl wenig Erfolgsaussichten, schätzt auch Behrendt ein. Der Rentner bereitet sich deshalb schon darauf vor, vor die nächste Instanz zu ziehen. „Ich will die Sache durchziehen“, sagt er. „Ich habe viele gute Freunde, die auf meiner Seite sind und mir notfalls auch finanziell helfen.“

Der Laubenkäufer beruft sich auf ein Urteil des Bundesgerichtshofes (BGH). Der hat in einem Verfahren formuliert, dass Baustoffe, die einst gebräuchlich waren und später als gesundheitsschädlich eingestuft wurden, ungefragt zu offenbaren seien. „Asbest gehört dazu“, sagt er. Es sei Giftmüll. Auch das habe der BGH eindeutig bestätigt.

Gerd Waack, Vorsitzender des Regionalverbandes der Gartenfreunde Nordvorpommern, zu dem auch Reinberg gehört, erklärt, dass ihm keine gesetzliche Regelung bekannt sei, Asbestdächer entfernen zu müssen. Wer dies allerdings tue, müsse für eine fachgerechte Entsorgung aufkommen, sagt er. Von dem Streit in Reinberg habe er gehört, Details seien ihm aber nicht bekannt, so der Regionalvorsitzende. Er sei noch relativ kurz im Amt, sagt er. Büroleiterin Gesine Hor hatte allerdings schon 2015 klare Kante gezeigt: Die Laube sei zu DDR-Zeiten errichtet worden und habe laut Einigungvertrag deshalb Bestandsschutz. Jeder einstige DDR-Bürger wisse, dass 97 Prozent aller Gartenlauben damals Wellasbestdächer hatten, so Hor. Behrendt entgegnete daraufhin, dass ihm dies nicht bewusst gewesen sei. Er habe nicht in der DDR gewohnt, sondern stamme aus Westberlin.

Aktuell erbost den Rentner aber noch etwas: Es gibt in der Reinberger Anlage Gartenbesitzer, die Teile von Asbestdächern dazu verwenden, Komposthaufen einzufrieden. Dies sei in keinster Weise zu rechtfertigen, erklärt er, da von kaputten Wellasbestdächern erst recht gesundheitliche Gefahren ausgehen.

Waack vom Regionalverband der Gartenfreunde sagt, dass derartige Regelungen normalerweise in Satzungen verankert sein müssten. Dafür seien die Spartenvorstände zuständig. Vom Reinberger Vorstand war gestern niemand zu erreichen. Die Sache beschäftigt inzwischen aber auch das Umweltamt des Landkreises, von dem es auch noch keine Stellungnahme dazu gibt.

Reinhard Amler

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