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Greifswald Atommüll aus Biblis kommt nach Lubmin
Vorpommern Greifswald Atommüll aus Biblis kommt nach Lubmin
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14:26 09.10.2018
Acht schwach- bis mittelradioaktiv belastete Dampferzeuger – wie dieser hier, der 2008 aus Obrigheim nach Lubmin kam – sollen vermutlich schon im kommenden Jahr aus dem hessischen AKWBiblis nach Vorpommern transportiert und hier zerlegt werden. Quelle: Stefan Sauer
Greifswald

Im bundeseigenen Entsorgungswerk für Nuklearanlagen (EWN) soll Atommüll aus dem stillgelegten AKW Biblis gelagert und zerlegt werden. Wie EWN-Sprecherin Marlies Philipp sagte, soll der Transport von Teilen aus acht schwach- bis mittelradioaktiv belasteten Dampferzeugern aus dem hessischen Atommeiler bereits im kommenden Jahr erfolgen. Der Energiekonzern RWE hatte 2017 mit dem auf 15 Jahre anvisierten Rückbau des Atommeilers Biblis begonnen. Die Großkomponenten sollen zunächst im Zwischenlager Nord über mehrere Jahre abklingen, bevor sie gereinigt und zerlegt werden. Das Auftragsvolumen beziffert EWN auf einen kleinen einstelligen Millionenbetrag.

Zerlegung auf zehn Jahre erweitert

Die Zerlegung der Dampferzeuger aus Biblis ist Teil des sogenannten und politisch umstrittenen Drittgeschäftes des EWN. Bislang durften schwach- und mittelradioaktive Fremdstoffe, die nicht von den beiden DDR-Atommeilern Lubmin und Rheinsberg stammen, bei der sogenannten Pufferlagerung maximal fünf Jahre vor und nach der Behandlung im atomaren Zwischenlager Lubmin deponiert werden. Nun wurde der Zeitraum vor der Zerlegung auf zehn Jahre ausgedehnt - und damit ein jahrelanger Rechtsstreit mit dem Schweriner Innenministerium beendet. Der Fünfjahreszeitraum nach der sogenannten Konditionierung bleibt bestehen. 

Beförderungsgenehmigung

Das EWN hatte sich im Konsortium mit der Firma NUKEM um Ausbau und Zerlegung der Dampferzeuger aus Biblis beworben. Das EWN übernimmt dabei die Dekontamination der Bauteile. Die verkehrsrechtliche Beförderungsgenehmigung muss vom Bundesamt für Entsorgung erteilt werden. Nach Angaben des EWN ist sie noch nicht beantragt. 

Limitierte Obergrenzen

Bereits 2008 wurden schwach- und mittelradioaktiv belastete Dampferzeuger aus dem stillgelegten KKW Obrigheim (Baden-Württemberg) nach Lubmin gebracht und dort zerlegt. Auch aus Mühlheim-Kärlich kamen schwachradioaktiv belastete Bauteile zur Zerlegung an die Küste. Die Lagerung dieser radioaktiven „Fremdstoffe“ in Lubmin ist durch Obergrenzen limitiert und hat sich durch die Ausweitung der Genehmigung nicht verändert. Die Masse der Fremdstoffe darf maximal 15 000 Tonnen betragen, die Aktivität darf den Wert von 1,4 x 1016 Becquerels nicht überschreiten. Von diesen Werten sei man weit weg, betonte Philipps. Von den Dampferzeugern aus Obrigheim befinde sich nur noch ein Rohrboden in Lubmin. Der Rest sei nach der Reinigung „freigemessen“ worden oder wieder zurückgegangen. Im Falle des AKW Biblis sollen nur Teile nach Vorpommern kommen, die physikalisch und chemisch bearbeitbar sind und danach voraussichtlich in den Schrott gehen können. 

„Zeitliche Auswertung sehr schwierig“

Die Greifswalder Grünen-Politikerin Ulrike Berger, die aktuell den Vorsitz in der Landespartei anstrebt, hält die vom Innenministerium erteilte zeitliche Ausweitung der Zwischenlagerung von schwach- und mittelradioaktiven Fremdstoffen in Lubmin für „sehr schwierig“. Das Endlager für schwach- und mittelradioaktiven Abfall „Schacht Konrad“ sei immer noch nicht geöffnet. Es dränge sich der Verdacht auf, dass dieser Atommüll bis zur Einlagerung in „Schacht Konrad“ in Lubmin zwischengelagert werden soll, so Berger. 

Kostenaspekt

Das EWN begründet die zeitlich erweiterte Lagerung von radioaktiven Fremdstoffen mit gesundheitlichen und Kostenaspekten. Die Ausdehnung des Zeitfensters erlaube, dass Großkomponenten vor der Zerlegung länger abklingen könnten, sagte Philipp. Mitarbeiter seien damit einem geringeren Strahlungsrisiko ausgesetzt. Zudem würden die Kosten gesenkt, weil auf einen Teil der Reinigungsstufen verzichtet werden könne. Der Verweis des EWN auf das geringere Strahlungsrisiko scheint Berger nicht schlüssig. Besser wäre es, die Dampferzeuger im Heimatzwischenlager am hessischen AKW Biblis abklingen zu lassen und - wenn überhaupt - dann weniger kontaminiert zu transportieren. 

Schutz vor Terrorangriffen

In Lubmin soll bis 2021 eine etwa 35 Millionen Euro teure Zerlegehalle für schwach- und mittelradioaktiven Abfall entstehen. Die ersten Gründungsarbeiten für die Halle könnten noch in diesem Jahr erfolgen. Möglich, dass in der Halle bereits die Dampferzeuger aus dem AKW Biblis zerlegt werden. Um weitere Aufträge aus den stillgelegten Anlagen Philippsburg und Neckarwestheim will sich das EWN eigenen Angaben zufolge bemühen. Darüber hinaus plant das EWN als Schutz vor Terrorangriffen den Bau eines neuen Atomlagers für die im Zwischenlager Nord (ZLN) deponierten 74 Castoren mit hochradioaktivem Abfall. Dies war Ergebnis einer Optionenprüfung nach der veränderten Sicherheitsbewertung der Terrorlage in Deutschland. Der Antrag soll voraussichtlich 2019 eingereicht werden.

Martina Rathke

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