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Greifswald Auch Teddybären müssen zum Arzt
Vorpommern Greifswald Auch Teddybären müssen zum Arzt
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00:05 10.05.2017
Greifswald

Wo Ärzte Stofftiere behandeln, haben auch Drachen gebrochene Flügel: Willkommen im Teddybärkrankenhaus. Im Lehr- und Lernzentrum der Universitätsmedizin Greifswald sind in dieser Woche Stofftiere die Patienten. Dort versorgen Medizinstudenten als „Ärzte für Stofftierheilkunde“ bereits zum 13. Mal die Kuscheltiere von drei- bis sechsjährigen Kindern. Ein jedes bringt seinen Stofffreund mit und durchläuft mit ihm alle Stationen eines Krankenhauses.

Der sechsjährige John sagt, dass sein Kuscheltier zwei Tabletten braucht. In der Teddybärklinik kümmern sich 20 Medizinstudenten ehrenamtlich um Stofftiere, damit Kinder ihre Angst vor Krankenhäusern ablegen. Quelle: Fotos: Peter Binder
„Die Teddys haben einen Herzschlag und ihnen kann Blut abgenommen werden. Durch dieses Rollenspiel sollen die Kinder Ängste abbauen. Maximilian Splittstöhser, Direktor

„Die Kinder sind nicht selbst betroffen, werden aber komplett einbezogen“, sagt Maximilian Splittstöhser, Direktor der Klinik, die von 20 Medizinstudenten aus der Pharmazie, der Zahn- und Humanmedizin ehrenamtlich für eine Woche betrieben wird. „Die Kinder sollen ihre Schwellenängste vor Krankenhäusern, Ärzten und Apothekern durch das Rollenspiel verlieren.“

Gestern waren Kinder aus der Tagesstätte „Samuil Marschak“ in der Teddyklinik, von der Anmeldung bis zur Medikamentenausgabe. In der Chirurgie wurden Risse genäht, beim Zahnarzt Gebisse untersucht, auf der Röntgenstation lernten die Kinder, wie ein Bruch auf einem Röntgenbild aussieht. Mit einem Stethoskop hörten sie den Herzschlag der Stofftiere ab. „Manche Kinder haben Angst vor Stethoskopen.

Indem sie selbst eines benutzen und ihre Tiere untersuchen, soll ihnen die Krankenhausumgebung vertrauter werden“, erklärt Direktor Splittstöhser. Bei allen Schritten werden die Kinder von einem „Teddydoc“ betreut. In diesem Jahr werden 900 Mädchen und Jungen in der Klinik erwartet.

Eine von ihnen ist Melina Barna. „Drachi hat sich den rechten Flügel gebrochen, als er aus meinem Hochbett gefallen ist“, erklärt sie dem Medizinstudenten Malte Backhaus. Die Fünfjährige nimmt ihrem roten Drachen Blut ab und legt ihm ein Pflaster an. In einer Plastikspritze ist eine braune Flüssigkeit, die Melina als problemlos für Drachi einstuft. „Aber er muss zum Röntgen“, sagt sie. Im Röntgenzimmer verschwindet der Teddydoc für eine Minute hinter einem Sichtschutz, ehe er Melina ein (echtes) Röntgenbild zeigt. Dann entscheiden die beiden zusammen, wie Drachi behandelt werden soll.

Die Teddybärenklinik solle die Kleinen auch „für Notfälle sensibilisieren“, sagt Maximilian Splittstöhser. Dazu stehen Krankenwagen aus Papier mit der 112 auf den Tischen und hängen Poster an den Wänden. Auf einem greift sich ein Mann an die Brust, er beugt sich nach vorne: Ein Herzinfarkt. Daneben wieder die 112. „Die Kinder sollen erkennen können, was ein Notfall ist und wissen, wen sie anrufen können“, sagt Splittstöhser.

Die kindgerechte Sensibilisierung klappe, weil die Medizinstudenten „auf die Kinder eingehen“, sagt Sascha Steude. „Sie sind offen und lassen sich ihr Bewusstsein schärfen.“ So bekommt am Ende jedes Kuscheltier ein Rezept und Tabletten aus der Apotheke. Die schmecken unangenehm, sodass klar ist, dass Tabletten nur für die Behandlung sind. Die Äufklärung wirkt offenbar: Mehr als die Hälfte der Kinder hat weniger Angst vor echten Arztbesuchen, nachdem sie die Teddybärklinik besucht haben. Das fand eine Medizinerin in ihrer Doktorarbeit 2016 heraus, für die 500 Kinder befragt und untersucht wurden. In Anklam, Wolgast und Tutow gab es bereits Außeneinsätze der Greifswalder Teddyklinik. Die wiederum hat ihr Vorbild in Schweden. Dort eröffnete 1999 die weltweit erste Teddyklinik.

Alle Teddys willkommen

Die Teddybärenklinik veranstaltet am Sonnabend, dem 13. Mai, einen Tag der offenen Tür. Eine Anmeldung ist nicht nötig.

Die Kinder können einen Rettungswagen besichtigen und ihre Stofftiere behandeln lassen.

In kurzen Workshops können Eltern sich über den Umgang mit Notsituationen bei Kindern informieren und ihre Kenntnisse in der Wiederbelebung auffrischen.

Von 9 bis 14 Uhr in der Fleischmannstraße 42-44 (Alte Urologie).

Christopher Gottschalk

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