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Auf Achse für den „Klingelbeutel der Seefahrt“

Zinnowitz Auf Achse für den „Klingelbeutel der Seefahrt“

Trassenheider Paar war Betreuer der Sammelschiffchen für Seenotretter

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Engagierten sich viele Jahre ehrenamtlich für die Seenotretter: Barbara und Rainer Berndt aus Trassenheide. FOTOS (2): HENRIK NITZSCHE

Zinnowitz. Sie sind 32 Zentimeter lang, tragen das rote Kreuz und die Aufschrift „Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger“ – die markanten Sammelschiffchen für die Seenotretter hat fast jeder schon einmal gesehen. Sie gehören zu den meistverbreiteten Spendendosen in Deutschland. Aber wie kommt das Geld zu den Seenotrettern? Durch ehrenamtliche Mitarbeiter wie Barbara (73) und Rainer Berndt (73) aus Trassenheide, die zehn Jahre lang die Sammelschiffchen in der Region von ihren „Ankerplätzen“ zwischen Kölpinsee, Rankwitz und Freest geholt haben. Dort steht die 32-Zentimeter-Klasse der Gesellschaft, die auch als „Klingelbeutel der Seefahrt“ bezeichnet wird, hauptsächlich auf Theken in Restaurants, Pensionen, Hotels, Apotheken, Bäckereien oder Fischläden. Nun ist für die Senioren Schluss – „aus gesundheitlichen Gründen“, wie Rainer Berndt, Pastor im Ruhestand, bei der Verabschiedung in Zinnowitz sagt. Eingeladen wurde das Paar von den Seenotrettern, deren Station in der Dünenstraße 1882 gegründet wurde.

OZ-Bild

Trassenheider Paar war Betreuer der Sammelschiffchen für Seenotretter

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„Eigentlich ist es heute ein trauriger Anlass, weil wir zwei engagierte Ehrenamtler verlieren“, sagte Jörg Westphal, Leiter des Infozentrums MV der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) in Warnemünde. Rund 60 Sammelschiffchen haben die Berndts in all den Jahren betreut. Und dabei einen guten Kleinwagen an Spenden zusammengetragen. „Es waren insgesamt 23 700 Euro. Das ist ein sehr gutes Ergebnis. Das Geld würde ausreichen, um alle Männer der Zinnowitzer Station mit Überlebensanzügen auszustatten“, so Westphal. Damit leistete die Familie Berndt einen wichtigen Beitrag zur Finanzierung des deutschen Seenotrettungswerkes, das seit 152 Jahren ausschließlich durch freiwillige Spenden, ohne Inanspruchnahme staatlicher Mittel, arbeitet.

Für die einstige Verwaltungsangestellte stand mit dem Ruhestand fest: „Ich will mich ehrenamtlich einbringen“, sagt Barbara Berndt. Sie stolperte über eine Zeitungsannonce. „Da wurden ehrenamtliche Betreuer für die Sammelschiffchen gesucht.“ Und gefunden. So machte sich das Paar aus dem Inselnorden zumeist nach der Sommersaison auf den Weg über die Insel und das Festland. „Es waren sehr viele Kilometer“, blickt der 73-Jährige zurück. Die Zeit will Rainer Berndt nicht missen. „Wir haben viele Menschen kennengelernt.“ Manche Standorte mussten die Berndts zwei- bis dreimal im Jahr anfahren, damit das volle Miniboot nicht „sinkt“. „Es gibt Orte, wo die Spendenbereitschaft sehr hoch ist“, ergänzt Westphal, der im Land 14 Betreuer hat. „Wir brauchen Menschen an Land, die uns den Rücken freihalten, während wir auf dem Wasser gefordert sind“, so der Landeschef.

Wie schnell die Seenotretter sein können, erlebten die Trassenheider vor vier Jahren. Vor Rügen zwischen Thiessow und Gager waren sie mit ihrer kleinen Yacht unterwegs, als sie ein Motorschaden stoppte. „Wind und Wellen trieben uns aufs Land zu. Der Anker hat uns gehalten, bis die Seenotretter kamen und uns abschleppten“, erzählt Rainer Berndt.

Das sind die häufigsten Einsätze für die Männer in Rot, wie Andreas Balkow, zweiter Vormann der Station in Zinnowitz, sagt. 19 Mitglieder sind es derzeit im Ostseebad – „13 gehören zum Stamm“, sagt Balkow, der mit seinen Männern im Jahr auf 15 bis 20 Einsätze kommt. Ihr Revier mit dem Boddenboot „Hecht“ sind das Achterwasser und die Gewässer zwischen Wolgaster und Zecheriner Brücke.

Millionen Euro aus Spenden

185 fest angestellte und rund 800 freiwillige Seenotretter sind gegenwärtig auf 54 Stationen für die Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger im Einsatz.

Über 500 Einsätze gab es im vergangenen Jahr in MV.

1400 Sammelschiffchen stehen im Land. 14 ehrenamtliche Kräfte betreuen die Spendenflotte. 22,2 Millionen Euro war der Sammlungserlös 2015. Die Gesamteinnahmen der DGzRS, bestehend aus diesen Erlösen sowie Nachlässen, Stiftungs- und Kapitalerträgen lagen 2015 bei 37,4 Mio Euro.

Henrik Nitzsche

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