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Greifswald Auf dem Weg zur Weltspitze
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00:05 21.03.2017
Ein starkes Team – Philipp Ziemer (27) und sein Trainer Fred Jahnke (59). Quelle: Foto: Max Hübner

Es braucht schon einiges an Vorstellungskraft, um zu verstehen, dass Philipp Ziemer in der Lage ist, mehr als das Doppelte seines Körpergewichts in die Höhe zu stemmen. In der Gewichtsklasse bis 66 Kilogramm bringt es der 27-jährige Kraftsportler beim Bankdrücken auf stolze 140 Kilogramm.

Mit derlei Leistungen hatte es der mehrfache Deutsche Meister im vergangenen Jahr sogar bis zur Weltmeisterschaft nach Südafrika geschafft, wo er den fünften Platz erreichte.

Zum Kraftsport kam der Krankenpfleger aus dem Uniklinikum mit 14 Jahren. „Ich habe 2013 einen Artikel über Bankdrücken gelesen und dachte mir, das kannst du auch. Zu dieser Zeit hatte ich eh eine Knieverletzung, und so kam ich von der Leichtathletik in den Kraftraum“, sagt er. In seinem ersten Jahr holte Ziemer auf Anhieb die Norddeutsche Meisterschaft. Landes- und Bundestitel folgten.

„Mich fasziniert die stetige Entwicklung beim Kraftsport. Du musst hart arbeiten, um immer wieder eine Schippe draufzulegen.“, sagt der Greifswalder. Entscheident für seine Karierre sei sein Verein Greifenpower. „Sie ermöglichen mir all die Reisen. Meist zahlt der Verein die komplette An- und Abreise sowie die Unterkunft bei Tunieren“, sagt er.

Seinen langjährigen Trainer Fred Jahnke nennt der Greifswalder einen Garant für seinen Erfolg: „Meinen Trainer habe ich vom ersten Tag an. Er und mein Wille tragen den größten Anteil an meiner Karriere.“ Jahnke (59) bezeichnet seinen Schützling als ehrgeizig, zielstrebig und talentiert. „Er trainiert fleißig, das muss er beibehalten. Er ist jung und hat noch sehr viel Potenzial. Auf lange Sicht wird er sich international etablieren und in Deutschland sehr schwer zu schlagen sein“, ist Jahnke überzeugt.

Es ist eine ansteckende Begeisterung, die von Philipp Ziemer ausgeht, wenn er von seinem Sport und dem Verein spricht. Er weiß allerdings auch um die Schattenseiten und musste sie bei der letzten WM selber schmerzlich erleben. „Als ich nach Hause fuhr, war ich Siebter. Zurück in Deutschland habe ich dann erfahren, dass die beiden Erstplatzierten des Dopings überführt wurden.“ Auch wenn er nachträglich zwei Plätze gut machen konnte, fühlt sich Ziemer betrogen: „Das Doping hat mir meinen Erfolgsmoment gestohlen.“ Das größte Problem sei aber, dass viele Leute durch solche Meldungen in ihrem Vorurteil bestätigt würden, dass beim Kraftsport doch alle dopten. Auch was die Verletzungsgefahr angeht, gibt es laut Ziemer viele Vorurteile: „Ich denke, die Verletzungsgefahr beim Bankdrücken ist geringer als beim Fußball oder Handball. Ich höre immer wieder, ich würde mir meine Gelenke kaputt machen. Wichtig ist, dass man einen Ausgleichsport hat. Leistungssport ist immer eine Belastung für den Körper. Ich traniere pro Woche drei bis viermal im Kraftraum und an einem Tag mache ich Leichtathletik bei der HSG.“

Für die Zukunft hat sich der von der Stadt Greifswald als „Sportler des Jahres 2016“ Ausgezeichnete viel vorgenommen. Vom 16. bis zum 23. April geht es für ihn wieder zur WM. Hierfür reist er in die USA nach Killeen (Texas). „Mein Ziel ist es, mich weiter unter den besten Sechs zu etablieren. Mit 142,5 Kilogramm möchte ich eine neue persönliche Bestleistung drücken“, sagt Ziemer, der im Anschluss an die WM an der Europameisterschaft in Finnland teilnimmt. Hier erhofft er sich durchaus eine Medaille. Ein absoluter Höhepunkt in diesem Jahr wird für ihn allerdings die Deutsche Meisterschaft in seiner Heimatstadt Greifswald sein. Am 4. und 5. November wird er vor heimischem Publikum in der Mehrzweckhalle versuchen, seinen Titel zu verteidigen.

Max Hübner

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