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Greifswald Auf der Suche nach dem besten Wind
Vorpommern Greifswald Auf der Suche nach dem besten Wind
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06:24 12.03.2014
Karl Dehler hat die Dehler 38 mitentwickelt. Sein Boot soll ihn zum Weltmeister im Seesegeln machen. Quelle: Peter Binder
Greifswald

Karl Dehler segelt in diesem Jahr wieder um den Weltmeistertitel. Aber nicht mit irgendeinem Boot. Der Greifswalder hat eines, das seinen Namen trägt: Die Dehler 38 — er hat selbst an der Entwicklung mitgearbeitet. Das Schiff ist sogar so gut, dass es bei der Greifswalder Firma Hanseyachts, bei der Dehler als Ingenieur tätig ist, in Serienproduktion ging.

Ob der 57-Jährige mit der Dehler 38 seinen größten Erfolg aus dem Jahr 1984 wiederholen kann? Damals wurde der ehrgeizige Wassersportler mit seiner Crew zum ersten und bisher einzigen Mal Weltmeister im Seesegeln. „Mein Team zählt aktuell zum erweiterten Favoritenkreis“, sagt Dehler und begründet das damit, dass die Mannschaft im vergangenen Jahr schon den deutschen Meistertitel ersegelte. „Auf Anhieb“, betont der Bootsführer.

Damit die kommende Saison noch erfolgreicher wird, bereitet sich das zwölfköpfige Team schon jetzt vor, obwohl das Boot noch gar nicht im Wasser ist. Rumpf schleifen und polieren, technische Ausstattung optimieren, Vorbereitungsrennen planen. Das erste Training auf dem Greifswalder Bodden ist für Ende April angesetzt. Dann üben Dehler und sein Team vor allem Wendemanöver. „Die Abläufe müssen automatisch funktionieren, damit man sich im Wettkampf auf Wind, Wasser und Gegner konzentrieren kann“, erklärt der erfahrene Segler. Bei ihm steht nicht der reine Spaß im Vordergrund: „Bei der Weltmeisterschaft geht es um die Ehre.“

Wenn im August in Kiel der Startschuss fällt, geht es darum, den besten Wind zu erwischen und somit die schnellste Route zu finden. Am Start, bei den Wendemarken und am Ziel ist der Platz knapp, denn bislang haben sich schon 155 Segelteams angemeldet. In Massenstarts geht es über die Ostsee — in vielen kurzen und zwei langen Regatten. Während der längsten Ausfahrt müssen Karl Dehler und seine Crew 20 Stunden lang hochkonzentriert sein. „Das ist machbar, weil ich mich mit meinem Sohn am Ruder abwechseln werde.“ Denn zum Team gehören nicht nur Freunde und Segelexperten, sondern auch Familienmitglieder.

Mit Sohn Thomas und einem Wetterexperten bestimmt Karl Dehler an Bord zum Beispiel die Route. Dabei sind Schnelligkeit und Taktik gefragt. Die Abstimmung muss stimmen. An den Verwirbelungen im Wasser können sie sehen, von wo der Wind weht. Aber wie wird er sich entwickeln? „Wenn ich eine dunkle Wolke sehe, muss ich spontan entscheiden, ob ich den Kurs einschlage oder nicht“, sagt Karl Dehler. Die Geschwindigkeit liegt dann zwischen sieben und 14 Knoten — bis zu 26 km/h. „Am Ende entscheidet die Zahl unserer Fehler über die Platzierung.“

Ende Juni findet während der Kieler Woche die Deutsche Meisterschaft im Seesegeln statt. Bei all dem Ehrgeiz von Dehler, seinen Titel zu verteidigen, sieht er den Wettkampf eher als Teil der Vorbereitung auf den Saisonhöhepunkt sechs Wochen später.Wie viel Wert gerade dann auf die technische Ausstattung gelegt wird, verdeutlicht die Tatsache, dass Taucher den Rumpf des Schiffes zwischen den Rennen polieren. „Das hat zwar kaum physikalischen Nutzen, ist aber psychologisch wichtig“, meint der Greifswalder. „Man möchte sich im Nachhinein nicht vorwerfen müssen, etwas unversucht gelassen zu haben.“

Wer nimmt teil?
155 Segler haben sich bisher für die Seesegelweltmeisterschaft angemeldet. Das ist ein Rekord.Die meisten Boote kommen aus Deutschland. Die weiteste Anfahrt haben zwei Segelteams aus Hongkong.
Die langen Regatten im Seesegeln führen über das offene Meer und sind vom Ufer kaum zu sehen. Einige Schaulustige begleiten die Segelschiffe auf ihren Booten. Außerdem können Interessierte per Handy-App die Positionen der Boote beobachten.



Lovis Krüger

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