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Greifswald Auf einmal erwachsen!
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20:55 14.04.2018
Ich freue mich auf die Jugendweihe wegen der Jugendstunden. Da kann man Orte besuchen, an die man sonst nicht kommt, so wie die OZ.Maximilian Samuel
Greifswald

Schultern gerade, nach hinten unten, Hände locker an der Seite, Kopf geradeaus in die Weite gerichtet – diese Tipps von Monika Brochhausen, Inhaberin des Festmodeladens „Feeling“, sollten sich alle Jugendweihelinge ins Gedächtnis rufen, bevor sie in wenigen Tagen und Wochen die Treppen hinauf auf die Bühne des Theaters in Greifswald schreiten. Viele stehen dann zum allerersten Mal in ihrem Leben so festlich herausgeputzt vor einem großen Publikum. „Manche wissen dann nicht, wohin mit ihren Armen“, weiß Monika Brochhausen, die jedes Jahr jungen Damen beim Auswählen des perfekten Kleides hilft. Am 14. April , 28. April und 5. Mai ist es soweit – dann feiern insgesamt 404 Mädchen und Jungen aus Greifswald, Behrenhoff, Gützkow, Loitz, Lubmin und Neuenkirchen ihre Jugendweihe.

Die Zahl der Jugendweihelinge nimmt wieder zu. „In den vergangenen sechs Jahren war die Zahl recht stabil bei 360. In diesem Jahr haben wir einen spürbaren Anstieg“, sagt Marian Kummerow, Geschäftsführer des Kinder- und Ferienvereins, der die Jugendweihe in der Hansestadt ausrichtet.

Doch warum feiern wir eigentlich Jugendweihe? „Man wird in den Kreis der Erwachsenen aufgenommen“, sagt Celine Schulz. Die 13-jährige Schülerin vom Humboldtgymnasium feiert auch, weil bereits ihre Schwester Jugendweihe gemacht hat und es in der Familie einfach dazugehört. „Man bekommt Geschenke und Geld“, freut sich Oliver (13) aus Lubmin. „Es ist ein Fest mit der ganzen Familie“, sagt Cora Sengbusch.

Cheforganisator Marian Kummerow ergänzt: „Die Jugendweihe ist das Ritual zum Übergang von der Kindheit in das Jugend- und junge Erwachsenenalter.“ Und weiter: „Das Spielerische der Kindheit schwindet zunehmend. Der Jugendliche ist gefordert, mehr Aussagen zu sich selbst zu treffen und sich in die Entscheidungen der Erwachsenenwelt hineinzuwagen.“ Deswegen sind die sogenannten Jugendstunden zur Berufsfrühorientierung ein wichtiger Bestandteil der Vorbereitung.

Die Jugendlichen können verschiedene Betriebe und Institutionen besuchen wie das Max-Planck-Institut, das INP, die Sparkasse, HanseYachts AG, die Universität Greifswald oder die OSTSEE-ZEITUNG.

„Außerdem gibt es einige Angebote zur Entwicklung einer eigenen Lebensanschauung“, sagt Marian Kummerow weiter. Besucht werden können eine Gerichtsverhandlung, die Sternwarte oder die Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück. „Die Jugendstunden sind keine Pflicht. Es gibt etwa 20 thematische Veranstaltungen“, so Kummerow. Während manch einer zehn und mehr Termine wahrnimmt, begnügen sich andere mit zwei oder drei. Pauline Awe (14) und Laura Endtmann (14) vom Schlossgymnasium Gützkow besuchen beispielsweise den Tanzkurs im Studio D & D. Die beiden feiern ihre Jugendweihe gemeinsam in einem großen Festraum in Gützkow, bis zu 70 Gäste werden erwartet. Selbstverständlich gibt es dann auch Musik, zu der die beiden auch tanzen wollen. Discofox, Rock ’n’ Roll und Walzer haben die gut 20 Teilnehmer bei den drei Terminen des Jugendweihetanzkurses gelernt. „Das Tanzen macht richtig viel Spaß“, sind sich die beiden einig.

Die jungen Männer lernen zum ersten Mal, wie man eine Frau zum Tanz auffordert, die Damen, dass man nicht einfach ablehnt, erklärt Tanzlehrerin Oana Riemer. Haltung, Bewegung, Umgang – für sie gehört alles zusammen. „Die Jugendlichen sind sich oft nicht bewusst, wie schnodderig sie rüberkommen, wenn sie den Raum betreten mit Händen in den Taschen und ohne zu grüßen.“ Oana Riemer ist auch Trainerin für Umgangsformen, bietet für die Jugendweihelinge Benimmkurse an. „Sie tun manchmal so, als ob sie einen nicht sehen, sind im Umgang mit Erwachsenen unsicher“, sagt Riemer. Wenn sie den Knigge-Kurs absolviert haben, ist das nicht mehr so. Und am großen Festtag selbst wachsen sie sowieso alle noch ein Stück über sich hinaus.

Geschichte der Jugendweihe

In Deutschland tauchte der Begriff der Jugendweihe erstmals 1852 auf. Damals etablierte sich das Fest gerade als Gegenstück zur Konfirmation bei den evangelischen Christen. Mit dem vollendeten 14. Lebensjahr darf jeder selbst entscheiden, ob und welcher Religion er angehören möchte.

Die Jugendweihe war im 19. Jahrhundert auch eine Schulentlassungsfeier. In der DDR war die Jugendweihe nahezu verpflichtend für alle. Nach der Wende nahm die Zahl der Teilnehmer ab, bleibt in der Tradition aber wichtig. Im Gegensatz dazu sind Jugendweihen in Westdeutschland kaum verbreitet.

Katharina Degrassi

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