Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Greifswald Aufwühlende Familiengeschichte
Vorpommern Greifswald Aufwühlende Familiengeschichte
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:05 24.10.2017
Valerie Riedesel Freifrau zu Eisenbach mit den Originaltagebüchern ihrer Mutter, die als Vorlage für ihr vielbeachtetes Buch dienten. Quelle: Foto: C. Rödel

Der 20. Juli 1944 hat sich in die deutsche Geschichte eingebrannt: Damals zündet Claus Schenck Graf von Stauffenberg eine Bombe in Hitlers Führerhauptquartier. Sein Vetter, Caesar von Hofacker, zählt zu den Köpfen des Attentates, hat es mitgeplant. Er wird wie alle anderen Widerstandskämpfer als Verschwörer hingerichtet. Seine Frau Lotte und die fünf Kinder bleiben zurück, werden von der Gestapo verhaftet und voneinander getrennt. Für sie beginnt ein Alptraum in Gefängnissen, Konzentrationslagern, Kinderheim. Die Identität der drei Jüngsten wird geheim gehalten, sie sind wie „Geisterkinder“.

Valerie Riedesel, Enkeltochter von Cäsar von Hofacker, hat darüber nun ein Buch geschrieben: „Geisterkinder – Fünf Geschwister in Himmlers Sippenhaft“. Morgen Abend wird die 53-Jährige, die mit ihrer Familie auf der Insel Rügen lebt, in Greifswald daraus lesen. Nach ihrer jüngsten Veranstaltung im Theater Putbus gab es ein großes Schweigen, viele Besucher schienen überwältig. Rhetorisch brillant verstand es Valerie Riedesel, die Odyssee ihrer Familie detailliert zu schildern. Und das beschränkte sich nicht etwa nur auf Eckdaten, die maßgeblich auf Tagebuchaufzeichnungen ihrer Mutter Anna-Luise beruhen.

Emotional mit der Geschichte aufs Tiefste verbunden, machte sie ganz besonders jene Ängste und Hoffnungen, Trauer und Resignation lebendig, die ihre Großmutter und deren Kinder damals beherrschten.

Riedesel hatte nur wenige Tagebucheinträge gewählt, die sie zur Unterstützung des Erzählten vorlas. Meist waren diese kurz, aber immer von großer Wirkung. Hinzu kamen Auszüge aus einem Brief ihres Großvaters an die damals 15-jährige Anna-Luise, in dem er zum ersten und einzigen Mal andeutete, dass er mit dem Nazi-Regime gebrochen hatte.

Veranstalter der Lesung, die am Mittwoch um 18.30 Uhr im Gemeinderaum der Domgemeinde (Domstraße 13) beginnt, ist die Greifswalder Dombuchhandlung. jub/ph

OZ

Mehr zum Thema

Johanna Schall las im Strandläuferverlag aus den Werken ihres Großvaters

20.10.2017

Morgen beginnt die siebte Auflage der Ahrenshooper Kammermusiktage

20.10.2017

Mönchguterin Antonia Fritz (18) ist leidenschaftliche Feuerwehrfrau

20.10.2017

Japaner Miyazaki schießt erstes Pflichtspieltor / Klasse Comeback von Chougourou in der „Zweiten“

24.10.2017

Neues 120-Betten-Hotel wird wohl keine Auto-Stellplätze haben / Ausschuss diskutiert über Lösungen

24.10.2017

Weitere Themen: A-20-Abbruch: Ursache könnte Moorschutzprojekt sein | Wasserrohrbruch: Stau in Greifswald | Mit Flüssiggas: Kreuzfahrt wird umweltfreundlicher | Wonnemar-Hotel ist jetzt „First Class“ | Hommage-Konzert für Manfred Krug in Stadthalle

24.10.2017
Anzeige