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Greifswald Auto teilen? Nur, wenn die Busse bleiben
Vorpommern Greifswald Auto teilen? Nur, wenn die Busse bleiben
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03:52 26.08.2013
Franz Luschin (9) trat in die Pedale. Mit seiner Energie konnte schneller Wasser gepumpt werden als mit Sonnenenergie.
Greifswald

Kundin Nummer eins ist schon da: Die Greifswalderin Barbara Resch hat sich am schnellsten zum Carsharing in der Hansestadt entschlossen. „Mein eigenes Auto zu reparieren, würde viel Geld kosten. Wenn ich mir eins teilen könnte, wäre das viel günstiger“, erzählt die 67-Jährige. „Ich fahre ja nicht so oft.“ Allerdings ist bislang noch offen, ob das System des Autoteilens tatsächlich in Greifswald etabliert wird.

Die Entscheidung darüber ist an eine andere gekoppelt: Können sich die Bürgerschaft und der Kreistag des Landkreises Vorpommern-Greifswald darauf einigen, dass die Verantwortung für die Durchführung des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) in Greifswald bei der Stadt bleibt? Sollte der ÖPNV gänzlich an den Landkreis gehen, lassen die für die Busse verantwortlichen Stadtwerke ihr Mobilitätskonzept fallen. In dieses soll eigentlich das Carsharing integriert werden.

„Wir wollen das aus einer Hand anbieten“, sagt Oliver Haarmann, Geschäftsführer der Greifswalder Verkehrsbetrieb GmbH, die zu den Stadtwerken gehören. Das Carsharing, das ein Neubrandenburger Partner hier aufbauen will, „braucht unsere Marketingmacht“. Haarmann schwebt ein Ticket vor, mit dem Kunden je nach Bedarf sowohl den Bus als auch ein Auto nehmen können.

Eine Lösung in dem Konflikt um die Busse, der nun schon seit eineinhalb Jahren läuft, scheint in greifbarer Nähe. Sie sieht so aus: Der Landkreis, seit der Kreisgebietsreform vor zwei Jahren Träger des ÖPNVs in Greifswald, zahlt der Stadt für die Durchführung des Busverkehrs einen Zuschuss von 400 000 Euro. Das sieht ein Vertrag vor, den Kreis- und Stadtverwaltung ausgehandelt haben. „Jetzt muss die Politik entscheiden“, sagt Greifswalds Sozialsenator Ulf Dembski (SPD). Details zum Kontrakt nennt er nicht.

Der Zuschuss würde allerdings nur zu einem geringen Teil das Minus, das der Busverkehr einbringt, ausgleichen. Pro Jahr liegt es bei rund 1,5 Millionen Euro. Laut Dembski wäre die Stadt aber bereit, das restliche Defizit zu schultern. Denn sollte der hochverschuldete Landkreis den Busverkehr übernehmen, droht eine Ausdünnung des Liniennetzes, um Kosten zu sparen. 400 000 Euro Zuschuss — Verkehrsbetriebs-Chef Haarmann könnte damit leben. Auch wenn er deswegen nicht unbedingt eine Flasche Champanger öffnen würde: „Vielleicht aber eine Brause.“

Auch das Carsharing könnte dann starten. Die Vorstellung des Projektes war Teil des 5. Klimaaktionstages der Stadt. Dieser war wiederum in das Stadtteilfest der Fleischervorstadt eingebunden. Auf dem Hof der Arndtschule haben sich laut Anette Riesinger vom Quartiersbüro über den Sonnabend verteilt rund 500 Leute eingefunden. Neben Familienuniversität, Live-Musik und Spielen konnten sich die Besucher über Klima- und Umweltschutz informieren.

So auch Franz Luschin. Auf einem Fahrrad probierte er aus, ob seine Energie ausreicht, um mit dem Strampeln eine Wasserpumpe zu betreiben. Als Konkurrenten standen Solarkollektoren daneben. Auch die Sonnenwärme trieb eine Pumpe an. Der Neunjährige war schneller und sagte danach stolz: „Ich habe die Sonne überholt.“

Kai Lachmann

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