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Automatenärger landet vor Gericht

Greifswald Automatenärger landet vor Gericht

Was tun, wenn die Münzen durchfallen? / Verhandlung wegen 38,50 Euro gleicht einem Kammerspiel

Greifswald. „Das zahl’ ich niemals!“ Wer einen Verwarn- oder Bußgeldbescheid in der Hand hält, neigt schon mal zu Gedanken wie diesem. Doch durchzuziehen und es darauf ankommen lassen? Der Greifswalder Klaus Wrase tat es. Ein Automat in der Arndtstraße ließ seine Münzen durchrutschen, sagt er. Statt eines Parkscheins legte er aufs Armaturenbrett eine Parkscheibe und einen Zettel, auf dem stand, dass er zahlen wollte, aber nicht konnte. Als er vom Arzt wiederkam, hatte er ein Knöllchen am Scheibenwischer. „Das zahl’ ich niemals!“

 

OZ-Bild

Dieser Automat in der Arndtstraße verweigerte zwischenzeitlich den Dienst – so stellt es der Greifswalder Klaus Wrase dar, der nicht einsieht, warum er deshalb für ein Knöllchen zahlen soll. Daraus wurde ein Fall fürs Amtsgericht. FOTO: KAI LACHMANN

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Gestern wurde die Angelegenheit vorm Greifswalder Amtsgericht verhandelt. Der Prozess glich einem Kammerspiel, denn außer Klaus Wrase und Richterin Anja Hoffmann (und dem OZ-Reporter) befand sich niemand im Sitzungssaal zehn.

Erster Akt. Hoffmann macht Wrase noch vor Verhandlungsbeginn mehr oder weniger deutlich: Die Sache werde nicht zu seinen Gunsten ausgehen. „Wollen Sie ihren Einspruch gegen den Bescheid zurückziehen?

Das würde Kosten sparen.“ Wrase selbstsicher: „Nein!“ Er ist trotz Hoffmanns Ansage überzeugt, dass er im Recht ist – und es auch bekommt. Die Richterin atmet einmal tief durch. „Na gut.“

Zweiter Akt. Hoffmann klärt die Sachlage bis ins banalste Detail: „Ja“, sagt Wrase, „ich habe die richtigen Münzen benutzt.“ Sowohl 50-Cent- als auch Ein- und Zwei-Euro-Stücke fielen seinen Angaben nach durch. „Haben Sie es auch mit Scheinen versucht?“, will die Richterin wissen. „Welcher Parkscheinautomat nimmt denn hier Scheine?“, fragt er zurück. Unterm Strich bleibt stehen: Was die Bedienung des Automaten angeht, hat Wrase offenbar alles richtig gemacht. Einen Fehler kann ihm Hoffmann nicht nachweisen. Dem Automaten allerdings auch nicht. Sie liest das Ticketprotokoll vor: Um 13.14, 13.52 und um 14.24 Uhr wurden Parkscheine gezogen. Warum sollte es Wrase also um 14.05 Uhr nicht auch möglich gewesen sein? „Bevor Strafzettel verteilt werden, wird die Funktiontüchtigkeit eines Automaten mit einer Testmünze überprüft“, erklärt Hoffmann. Auch da habe alles geklappt. „Sie hätten die Störungsnummer anrufen müssen, die auf dem Gerät steht. Sie hätten auch umparken können.“

Dritter Akt. Jetzt wird klar, dass es um mehr geht als nur um einen läppischen Strafzettel. Klaus Wrase ist ein rechtschaffener Mensch. Er sagt:

Hoffmann glaubt ihm. „Es ist alles in Ordnung, was Sie sagen. Aber das entbindet sie nicht von der Pflicht, notfalls umzuparken. Der Vorwurf an Sie ist letztlich berechtigt.“ „Das entspricht nicht meiner Rechtsauffassung“, entgegnet der Autofahrer. Beim ADAC habe er sich vorher informiert. „Der Anwalt sagte, so ein Verfahren liege in der Luft. Wie es ausgeht, komme ganz darauf an, wie der Richter geschlafen hat.“ Hoffmann: „Ich habe gut geschlafen! Ich kann Sie aber nicht anders behandeln als andere Leute.“

Vierter Akt. „Sie können immer noch ihren Einspruch zurückziehen. Dann hätten sie 38,50 Euro für den Bescheid und 23 Euro für die Verhandlung zu zahlen. Wenn ich ein Urteil spreche, kostet das noch einmal 60 Euro“, präsentiert die Richterin die Rechnung. „Soll ich ein Urteil sprechen?“ Der Mann ihr gegenüber wirkt entmutigt. „Nein, dann ziehe ich eben zurück...“

Fünfter Akt. Vor der Tür des Gerichtsgebäudes zeigt sich Klaus Wrase enttäuscht. „Ich habe mich im Recht gefühlt.“ So wie er es sagt, ist es wohl auch immer noch so. „Immerhin habe ich es versucht.“

Kai Lachmann

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