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Greifswald Bäckermeister Marckwardt für soziales Wirken geehrt
Vorpommern Greifswald Bäckermeister Marckwardt für soziales Wirken geehrt
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00:00 14.08.2018
Greifswald

Kleine Brötchen backt er schon lange nicht mehr. Große Brote auch nicht. Mit 77 Jahren genießt der stadtbekannte Bäckermeister Ulrich Marckwardt schon ein paar Jahre seinen wohlverdienten Ruhestand. Langeweile indes kennt er trotzdem nicht. Als Altermann und somit Vorstandsmitglied der Peter-Warschow-Sammelstiftung bringt er noch immer sein Wissen und seine Erfahrungen zum Wohle der Stadt ein. Greifswald dankte es ihm gestern mit einer feierlichen Eintragung ins Ehrenbuch der Hansestadt.

Bäckermeister Ulrich Marckwardt trug sich gestern ins Ehrenbuch der Hansestadt Greifswald ein. Quelle: Foto: Peter Binder

Die Stiftung

Greifswalds Bürgermeister Peter Warschow gründete die Stiftung 1486. Er bestimmte, dass ein Teil seines Vermögens der Erfüllung sozialer Zwecke dienen sollte. So fördert sie auch jetzt noch in der Stadt eine Vielzahl von Projekten.

Vor 30 Jahren war Marckwardt als Obermeister der Greifswalder Bäckerinnung als Altermann in die städtische Stiftung berufen worden. „Dort nahm er die überaus vielseitigen Aufgaben, Herausforderungen und notwendigen Entscheidungen, die stets ehrenamtlich zu bewältigen waren, mit viel Herzblut in Angriff und führte sie zum Erfolg“, begründet Oberbürgermeister Stefan Fassbinder (Grüne) die öffentliche Wertschätzung für Ulrich Marckwardt. Und das in der Zeit des politischen Umbruchs, in der viele Menschen persönlich ganz andere Sorgen hatten.

1989, so Marckwardt, hatte die Stiftung Schulden in fünfstelliger Höhe. Das Altvermögen musste neu geordnet, Rückführungen von Ländereien beantragt, Bauvorhaben für Stiftungshäuser gestemmt werden.

„Eine spannende Zeit“, sinniert der gebürtige Greifswalder, der sich nie beirren ließ. Das schätzt auch Linda Mirasch an ihm, die als frühere Geschäftsführerin der Stiftung fast 20 Jahre mit ihm kooperierte: „Er hat immer ehrlich seinen Standpunkt vertreten, hat sich nie verbogen und den sozialen Aspekt der Stiftung nicht aus den Augen verloren“, erkennt sie an.

Längst ist die Stiftung auch dank der Unermüdlichkeit Marckwardts wieder leistungsfähig aufgestellt: Sie verfügt über 3000 Hektar Grundbesitz im gemeinsamen Eigentum mit der Stadt Greifswald, besitzt zudem Waldflächen und Alleineigentum, darüber hinaus mehrere Stiftungshäuser, die bezahlbares Wohnen ermöglichen. Die Pacht- und Mieteinnahmen fließen ins Vermögen, ermöglichen wiederum Instandhaltungen oder Investitionen, wie aktuell an der Baderstraße. Dort saniert die Stiftung die alte Feuerwache, um preiswerte Mietwohnungen zu schaffen.

„Dieses Projekt möchte ich gern noch zu Ende führen. Dann wird es Zeit, das Ehrenamt zu übergeben“, sagt der Altermann. Dabei denkt er an Jens Döbler, Inhaber der Bäckerei Käßler, Obermeister der hiesigen Bäckerinnung und damit einer der letzten seiner Zunft hier in der Stadt. „Zur Wendezeit hatten wir 16 Handwerksbetriebe. Jetzt sind es gerade mal noch drei Bäcker. In ganz Mecklenburg-Vorpommern um die 100“, sagt Marckwardt und bedauert, dass auch sein Sohn Ulrich – Bäckermeister in fünfter Generation – das traditionsreiche Geschäft 2012 aufgeben musste. „In den besten Zeiten hatte ich mehrere Läden mit insgesamt 59 Angestellten“, blickt der Senior zurück. Das Bäckerhandwerk sei ein Auslaufmodell. „Der Verbraucher geht lieber zum Discounter“, kommentiert Marckwardt, der mit 14 Jahren in die Fußstapfen seines Vaters Konrad trat. Ins Leben gerufen hatte die Familientradition 1887 übrigens ein waschechter Seemann – der Urgroßvater Wilhelm.

Ulrich Marckwardt kann das Aussterben des Handwerks nicht aufhalten, sorgte aber als Altermann immer mit dafür, dass der Nachwuchs Unterstützung erhielt. Denn die Stiftung hat sich auf die Fahnen geschrieben, junge Handwerker verschiedener Berufe bei der Meisterausbildung zu fördern. „Die ist mit rund 10000 Euro mittlerweile sehr teuer geworden“, urteilt der 77-Jährige. Pro Jahr würden deshalb vier, fünf oder sechs angehende Meister mit je 3000 Euro unterstützt. Darüber hinaus fördere die Stiftung begabte Studenten und honoriere seit 2017 auch gute beziehungsweise sehr gute Leistungen von Azubis.

Petra Hase

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