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Greifswald Bambi und Klopfer im Kindergarten
Vorpommern Greifswald Bambi und Klopfer im Kindergarten
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00:01 04.11.2016

„Bambi soll ganz lange hier bei uns bleiben und gesund werden“, sagt die sechsjährige Rebecca. Das Mädchen ist Vorschülerin und besucht den Naturkindergarten in Sievertshagen. Bambi ist ein Reh mit Hinterbeinprothesen. Es wurde beim Mähen verletzt und brachte deshalb trotz seiner Jugend schon eine Odyssee hinter sich, hat dabei jede Menge Hilfe bekommen und wird jetzt unter anderem in der Kita des Jugendfreizeit-Vereins Grimmen betreut.

Ursprünglich stammt Bambi aus Loissin. Dort in den Loissiner Wiesen war am 3. Juni ein Landwirt dabei, Heu zu ernten. Zuvor hatten mehrere Erzieher gemeinsam mit 20 Kindern der dortigen Kita Zwergenburg die Wiese abgesucht, um hilflose Jungtiere am Wiesenrand abzulegen und so Unfälle zu vermeiden. „Die Ricken nehmen dann in der Regel den Kontakt zu ihren Kindern wieder auf“, sagte Kai-Nora Vorjans, selbst eine der Muttis und Jägerin, die sich diese Vorsorge auch von anderen wünscht. Ein Böckchen hatten die Helfer aber übersehen und das Kitz geriet in die Maschine. „Erst verletzt haben wir es gefunden – alle Kinder waren dabei“, sagte Kai-Nora Vorjans. Zuerst entdeckten die Helfer lediglich eine Fleischwunde, versprachen deshalb den Mädchen und Jungen, das kleine Reh zum Arzt zu bringen und nahmen Kontakt zur Greifswalder Tierärztlichen Gemeinschaftspraxis Quandt & Bracke auf. „Damals wog das Kitz gerade mal 1,7 Kilogramm, war höchstens zwei Tage alt, erinnert sich Kai-Nora Vorjans.

Nach und nach wurden von den Tierärzten leider immer mehr Verletzungen festgestellt: Drei Beine waren gebrochen und an den Hinterbeinen sind die Schalen abgetrennt. Fünfmal musste Bambi, wie das kleine und inzwischen wieder sehr muntere und neugierige Tier heißt, operiert werden. Die Tierärzte übernahmen dabei fast alle Kosten und das OTB Sanitätshaus in Greifswald spendete die notwendigen Prothesen und verpflichtete sich außerdem, neue bereitzustellen, wenn Bambi aus den ersten Hilfsmitteln herausgewachsen ist. Gepflegt wurde es von Kai-Nora Vorjans und ihren Kinder, das Kitz gehörte praktisch zur Familie und kam überall hin mit. Durch Zufall lernte so Cindy Steinweller aus Altenhagen Familie Vorjans und das gesundende Kitz kennen. Und da ihre Mutti Anke Steinweller Erzieherin in der Naturkita in Sievertshagen ist, kam die junge Frau auf die Idee, dass das Reh tagsüber auch dort betreut werden könnte. Denn immerhin fühlen sich in Sievertshagen nicht nur Jungen und Mädchen wohl, sondern auch Ponys, Schafe und Schweine sind dort zu Hause. Außerdem noch der Hase Klopfer, in dessen Gehege das Reh als Gefährte einzog. Und so sind Bambi und Klopfer nicht nur bei Walt Disney, sondern auch in Sievertshagen jetzt ein Gespann.

Im Moment „wohnt“ Bambi noch in einem Hasenstall, der aber zu klein wird. Die Stoltenhagener Agrar- und Handels GmbH stellte deshalb eine Kälberbox zur Verfügung, die perfekt passt. „Wir konnten das junge Tier nicht tagsüber allein lassen, denn es bekommt noch regelmäßig Milch neben seinem anderen Futter“, sagt Anke Steinweller. „Ziegenmilch“, ergänzt Kita-Leiterin Franzi Nickel, die außerdem erzählt, dass sich Bambi so langsam an „richtiges“ Futter herantastet. „Er ist aber wählerisch, ein richtiger Feinschmecker.“ Himbeer- und Lindenzweige oder auch mal ein Ast vom Haselnussstrauch seinen willkommene Leckerbissen, die die Kinder für ihren neuen Kameraden sammeln.

„Bambi frisst aber auch Mais und Haferflocken“, weiß der vierjährige Luis. Denn seit Bambi wie die Kinder täglich in den Kindergarten geht, haben die Knirpse natürlich viel über Rehe gelernt. Auch, dass diese Tiere normalerweise frei in Wald und Feld leben und Jungtiere, die vorübergehend von Menschenhand aufgezogen werden, möglichst bald wieder ausgewildert werden müssen. „Unser Bambi bleibt aber hier“, sind sich Rebecca, Luis und der dreijährige Pelle einig. Denn so ganz gesund werde das Tier nicht, wissen sie. Zwar kann Bambi mittlerweile laufen und springen, auch schon mal mit Klopfer um die Wette, aber aufgrund des langen Liegens nach dem Eingipsen seien die Sehnen in den Vorderbeinen überdehnt. „Allein kann es nicht überleben, es ist viel zu langsam, und der Fuchs kann es ohne Probleme schnappen“, erklärt Anke Steinweller. „Aber wenn es sich hier bei uns gut eingewöhnt hat, wollen wir mit ihm spazierengehen, damit es Blüten und Gräser naschen kann“, planen Rebecca und Luis.

Almut Jaekel

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