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Greifswald Bau-Stopp für saudische Küstenwachboote
Vorpommern Greifswald Bau-Stopp für saudische Küstenwachboote
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15:52 08.11.2018
Auf der Peene-Werft gebautes Patrouillenboot für Saudi-Arabien. Angesichts der politischen Lage verhängte die Werft jetzt einen Bau-Stopp. Quelle: Tilo Wallrodt
Wolgast

Hiobsbotschaft für die Mitarbeiter der Peene-Werft: Vor dem Hintergrund der politischen Unsicherheit wegen der Ausfuhr weiterer Boote für die saudi-arabische Küstenwache stoppt die Peene-Werft die Serienproduktion mit sofortiger Wirkung. Die Mitarbeiter des Neubaus werden in die Kurzarbeit versetzt. Die Belegschaft erfuhr von der Entscheidung der Geschäftsführung auf einer außerordentlichen Mitarbeiterversammlung am Donnerstagvormittag.

Bisher sind 15 der 35 den Auftrag umfassenden Boote ausgeliefert. Zwei weitere Boote, Nr. 16 und Nr. 17., liegen fertiggestellt auf der Werft und sollten im November nach Saudi-Arabien überführt werden. Der Patrouillenboot-Auftrag der Wolgaster Peene-Werft geriet nach dem gewaltsamen Tod des saudischen Journalisten Jamal Khashoggi ins Wanken. Die Bundesregierung schließt bis zur Klärung des Falls Rüstungsexporte nach Saudi-Arabien aus.

Wiederaufnahme der Produktion nicht absehbar

Die unternehmerische Entscheidung ist Bestandteil eines Maßnahmenpaketes zur Schadensminimierung am Wolgaster Werft-Standort, teilt die Bremer Lürssen-Gruppe mit, zu der die Peene-Werft gehört. „Die Fertigung der Küstenwachboote zu stoppen und als dessen unmittelbare Folge Kurzarbeit anmelden zu müssen, ist ein schwerer Schlag für uns“, sagte Harald Jaekel, Technischer Geschäftsführer der Peene-Werft, den Mitarbeitern. Die Entscheidung sei angesichts der hohen und fortwährenden Unsicherheit hinsichtlich der Exportgenehmigung weiterer Boote und der damit nicht planbaren Auslastungssituation unausweichlich. Inwiefern der Baustopp der Boote wieder ausgesetzt und die Produktion fortgesetzt wird, sei derzeit nicht absehbar. „Selbstverständlich respektieren wir jede politische Entscheidung über die Ausfuhr der Patrouillenboote“, führte Jaekel aus. Die Produktion ohne Exportgenehmigung fortzuführen, führe allerdings zu einer enormen Planungsunsicherheit und damit zu einem sich ständig erhöhenden kaufmännischen Risiko für die Peene-Werft. Auch weitere geplante Neubauaufträge, darunter der Bau der Hinterschiffe der neuen Korvettenklasse K130, werden das zu erwartende Auslastungstief bei Weitem nicht kompensieren.

Gespräche mit jedem von Kurzarbeit betroffenen Mitarbeiter

Von der Kurzarbeit betroffen sind große Teile der Mitarbeiter aus den Neubauabteilungen. Nach OZ-Informationen soll es sich um rund 200 der 250 Beschäftigten des Neubaus handeln. „Wir befinden uns derzeit in Gesprächen mit der Agentur für Arbeit in Greifswald und in Abstimmung mit dem Betriebsrat und der Gewerkschaft“, sagte Ferdinand Mülhens, Kaufmännischer Geschäftsführer. Wie viele Peene-Werker genau von der Kurzarbeit betroffen sind, werde gerade ermittelt. „Wir werden mit jeder Mitarbeiterin und jedem Mitarbeiter persönliche Gespräche führen und versuchen, individuelle Lösungen zu finden.“ Von den Maßnahmen informiert wurden auch alle mit dem Projekt beschäftigten Unterauftragnehmer und Lieferanten. Viele davon haben ihren Sitz in und um Wolgast.

In Wolgast dürfen nicht die Lichter ausgehen

Wolgasts Bürgermeister Stefan Weigler (parteilos) sieht in der für ihn nachvollziehbaren Entscheidung der Geschäftsführung einen Tiefschlag für die Stadt und die Region. „Das ist alles großer Schiet. Es ist nicht zu verstehen, dass im politischen Berlin auch nach drei Wochen immer noch keine eindeutige Entscheidung zu Wolgast getroffen ist. Den Herrschaften muss doch klar sein, was in einer Kleinstadt wie unserer passiert, wenn ein Auftrag in der jetzigen Größenordnung auf der Werft wegbricht“, erklärt er wütend. Wenn der Auftrag nicht weitergeführt werde, könne der Haushalt Wolgasts für das kommende Jahr vergessen werden. „Dann gibt es nämlich keine Investitionen, weil viele Zulieferbetriebe keine Steuern mehr zahlen können. Berlin muss endlich Position beziehen, damit in Wolgast nicht die Lichter ausgehen“, fordert Weigler.

Fachleute werden überall gesucht

Der Chef der Greifswalder Arbeitsagentur, Heiko Miraß, bestätigt die Gespräche mit der Chefetage der Wolgaster Peene-Werft. Er betont, dass es gerade bei solchen unvorhersehbaren Ereignissen gut sei, dass Kurzarbeit beantragt werden könne. „Damit lässt sich vorübergehend helfen, denn Kurzarbeitergeld kann zwölf Monate lang gezahlt werden“, sagt Miraß. Allerdings hofft er, dass die Fertigstellung der Schiffe auf der Werft bald weitergeht, damit die Werftarbeiter nicht abwandern. „Der Arbeitsmarkt ist momentan im Schiffbau so, dass Fachleute überall gesucht werden. Deshalb muss es gelingen, die Fachkräfte in Wolgast zu halten“, sagt er.

Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) sagte zur Entscheidung der Werft-Geschäftsführung, den Bau der Patrouillenboote vorerst auf Eis zu legen: „Die Landesregierung ist aktuell in verschiedenen Gesprächen mit dem Eigentümer, dem Betriebsrat, den Gewerkschaften und der Bundesregierung über die zukünftige Ausrichtung der Peene-Werft. Die Werft in Wolgast ist einer der wichtigsten Arbeitgeber in einer der strukturschwächsten Regionen Deutschlands. Die Kurzarbeit zeigt, wie schwierig die Lage für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Werft ist. Wir stehen eng an der Seite der Belegschaft."

Der Auftrag zum Bau der Küstenwachboote wurde bereits vor über fünf Jahren durch das saudi-arabische Innenministerium an die Lürssen-Gruppe erteilt. Die Fertigung auf der Peene-Werft erfolgte ab 2016. Die Patrouillenboote übernehmen polizeiliche Aufgaben und sind nicht für Kriegseinsätze konzipiert. Die Boote werden laut Geschäftsführung zum Schutz sensibler Offshore-Anlagen, die Verhinderung von Schmuggel, die Eindämmung der Piraterie sowie die Seenotrettung eingesetzt.

Die Peene-Werft mit heute rund 300 Mitarbeitern ist spezialisiert auf den Neu- und Umbau von Marine- und Spezialschiffen und seit 2012 Mitglied der norddeutschen Unternehmensgruppe Lürssen.

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Cornelia Meerkatz

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