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Greifswald Begräbnisse bedeutender Greifswalder

190 Jahre alte Grüfte zweier Familien auf dem Alten Friedhof werden saniert

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Diese beiden Gruftkapellen an der Südwand des Alten Friedhofs werden in den kommenden zwei Monaten saniert.

Quelle: Eckhard Oberdörfer

Greifswald. Etwa 25 Gruftbauten gab es einst an der Mauer des 1818 eingeweihten, heutigen Alten Friedhofs an der Wolgaster Straße. Wie die Kunsthistorikerin Anja Kretschmer in einem Gutachten berichtet, waren sie eine Entschädigung für die Aufgabe der traditionellen Grabstätten der bedeutenden Bürgerfamilien in den Kirchen. Die Beisetzung in den Gotteshäusern war 1810 aus hygienischen und räumlichen Gründen verboten worden. Das Angebot für die Totenhäuser auf dem Friedhof wurde rege genutzt, denn die Grundstücke wurden kostenlos vergeben.

Die Grüfte legen Zeugnis vom Repräsentations-

bedürfnis des privilegierten Bürgertums ab.“Anja Kretschmer, Kunsthistorikerin

Sieben der nach einheitlichen Vorgaben errichteten Putzbauten blieben erhalten und stehen unter Denkmalschutz. Ihre Schauwand wird von Halbsäulen und einem Portal in der Mitte geprägt. Die bereits stark verfallenen, nebeneinander liegenden Grabgrüfte der Familien Meyer/Anderssen und Mende/Beumer lässt die Stadt als aktueller Eigentümer für 45000 Euro gegenwärtig sanieren.

Laut den Ergebnissen der Recherche von Anja Kretschmer folgen die beiden Grabstätten den städtischen Vorgaben. Höchstwahrscheinlich wurden sie 1823/24 gebaut.

Zu beiden Familien gehören bedeutende Persönlichkeiten, berichtet Kretschmer. Ein Bauherr war der Jurist Siegfried Joachim Meyer (1751 bis 1833), der 1798 bis 1832 Greifswalder Bürgermeister war.

König Gustav IV. Adolf verlieh ihm 1799 den Titel eines Königlichen Landrates für Schwedisch-Pommern. 1817 wurde Meyer Ehrendoktor der Juristischen Fakultät, und die seit 1815 herrschenden Preußen verliehen ihm den Roten Adlerorden 3. Klasse. Der Jurist Emanuel Friedrich Anderssen war der Schwiegersohn von Meyer.

Bauherr der zweiten Gruft war der Medizinprofessor Julius Ludwig Kaspar Mende (1779 bis 1832). Das Mitglied der Naturforscherakademie Leopoldina folgte 1823 einem Ruf nach Göttingen, wo er auch starb. Möglicherweise wurde eine Tochter Mendes als Erste hier beerdigt. 1899 wurde die Grabgruft an den aus Münster stammenden Medizinprofessor Ludwig Wilhelm Otto Beumer (1849 bis 1918) übertragen.

Der wurde hier erst 1937 beigesetzt. Beumer war ein erfolgreicher Gerichtsmediziner und entwickelte neue Untersuchungsverfahren. Gemeinsam mit den Professoren Friedrich Loeffler (Hygiene) und Erich Peiper (Kinderheilkunde) setzte er sich für den Bau einer Wasserleitung und der Kanalisation in Greifswald ein.

Vor Beginn der Sanierung der Grüfte ließ die Stadt die vorhandenen Särge aus Holz und Zinnblech, Urnen und Grabbeigaben untersuchen und dokumentieren. Dazu gehören auch Totengewänder. Für diese Arbeiten stellte der Förderverein des Alten Friedhofs Särge zur Verfügung. Später sollen die Funde wieder in die Grüfte zurückgebracht werden.

Laut dem Sterberegister wurden im Meyer/Anderssen Totenhaus bis 1866 fünf Personen beigesetzt, allerdings nicht der Bauherr. Für den Mende/Beumer-Bau sind dort drei Personen verzeichnet, als letzter 1939 ein August Bliedung. Anja Kretschmer weist darauf hin, dass das nicht die exakten Angaben zum Inhalt der Totenhäuser sein können. So fehlten Angaben zu zwei Särgen dieser Gruft. Nicht verzeichnet als hier beigesetzt ist auch die Urne des 1923 bestatteten Carl Bliedung. Er wird vielen Besuchern des Greifswalder Karzers im Anbau des Audimax bekannt sein. Als „Buby“ Bliedung hat er dort zahlreiche künstlerische Zeugnisse seiner Haftstrafen als Greifswalder Student hinterlassen.

Eckhard Oberdörfer

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