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Greifswald Bei Roberto essen die Kids selbst Brokkoli
Vorpommern Greifswald Bei Roberto essen die Kids selbst Brokkoli
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18:50 11.02.2019
Roberto Kröher kocht in der Kita Rudolf-Petershagen leckeres Essen. Quelle: Stefanie Ploch
Greifswald

Frische Salate und einen Apfel statt Schokoladenpudding zum Nachtisch: In der Kita Rudolf-Petershagen in Greifswald gibt es seit Anfang des Jahres einen hauseigenen Koch, der die Speisen vor Ort frisch für die Kinder zubereitet. Zuvor wurde das fertige Essen für die Kinder vom Caterer Menüpartner GmbH geliefert.

Der kommunale Eigenbetrieb Hanse-Kinder startete bereits 2015 mit dem Projekt, seitdem wird in der Kita Kleine Entdecker täglich frisch gekocht. „Das Konzept kam bei den Kindern und den Eltern gut an, weshalb wir versuchen wollen, alle Einrichtungen mit einem Hauskoch auszustatten“, erklärt Achim Lerm, der Leiter der Hanse-Kinder zuversichtlich. Das Projekt des Hauskochs in der Kita Rudolf-Petershagen sollte eigentlich schon Ende 2017 starten, jedoch musste mehr umgebaut werden als geplant. 270 000 Euro seien dafür investiert worden. Viel Geld, räumt Lerm ein. Doch beim Umbau habe sich gezeigt, dass vorhandene Leitungen defekt waren und die Bodenplatte in der Küche komplett erneuert werden musste (OZ berichtete). Die Umbauarbeiten an der Küche zogen sich ein Jahr hin, bevor der Koch seinen neuen Arbeitsplatz beziehen konnte. Preisliche Unterschiede zum gelieferten Essen mache die Frischküche nicht, so Achim Lerm. „Ziel unserer Bemühungen ist neben qualitativen Aspekten die Kostenneutralität der Küchen, so wie es jetzt auch gegeben ist. Ich bin sehr zuversichtlich, dieses Ziel zu erreichen.“

Die bei Kindern beliebten Klassiker, wie Milchreis oder Nudeln mit Tomatensoße werde es immer noch geben, sagt der Koch Roberto Kröher, aber das Speisenangebot habe sich sehr erweitert. Bei der Ernährung werde vor allem auf ausgewogene und gesunde Kost geachtet, erklärt er. „Weniger Fett, Zucker und Fleisch, dafür kommen auch mal Vollkornnudeln oder veganes Essen auf den Tisch“, sagt er. „Wir wollen alle Kriterien für das Fit-Kid-Zertifikat erfüllen, um dieses zu erwerben.“ Das Zertifikat bescheinigt Einrichtungen unter anderem einen abwechslungsreichen und kindgerecht gestalteten Speiseplan sowie ansprechende Räumlichkeiten, in denen die Kinder das Essen einnehmen.

Bulgur mit einem Hähnchencurry oder die Brokkolisuppe komme bei den Kleinsten inzwischen sehr gut an. „Wir testen auch noch, was wir häufiger kochen können und was den Kindern nicht so gut schmeckt“, erklärt der 36-jährige Koch. Auch die Resonanz der Eltern ist positiv: bei einer Verkostung durften die Eltern der Kinder probieren, welche Gerichte der Koch den Kleinen serviert.

Bei dem Mittagessen der Kinder werde sowohl auf regionale und saisonale Produkte geachtet, verwendet werden Lebensmittel in Bio-Qualität. „Letzteres können wir noch ausbauen, dafür versuchen wir gerade Netzwerke aufzubauen“, erklärt der Leiter der Hanse-Kinder. Die Essenspläne werden mit dem Koch der „Kleinen Entdecker“ abgestimmt und bis zu acht Wochen im voraus geplant –auch die Wünsche der Kinder werden mit einbezogen. Es sei ein Vorteil, sagt Achim Lerm, dass der Kitakoch viel besser auf die Bedürfnisse der Kinder eingehen könne. Allergien und religiöse Ernährungsgewohnheiten stellen nun kein Problem mehr dar. „Früher wurden wir mit fertig gekochtem Essen beliefert, da hatten wir keinen Einfluss darauf, welche Produkte im Essen sind. Nun kann man auch Dinge, auf die einige Kinder allergisch reagieren, einfach weglassen oder austauschen“, erklärt der Koch.

Die 120 Kinder der Kita essen nicht nur gesünder, sie erfahren auch selbst viel über Ernährung. „Die Kinder können mit zum Markt kommen, wenn ich frisches Gemüse kaufe“, sagt der Koch. „Dann gebe ich den Kleinen etwas Geld in die Hand um den Bund Möhren zu bezahlen.“ Die Kinder werden in der Küche auch selbst aktiv – im Winter wurden bereits Plätzchen gebacken und Smoothies aus frischem Obst gemixt. Alle Kinder durften probieren und fanden die Säfte sehr lecker. Im Sommer wird ein kleiner Garten auf dem Kitahof angelegt, in dem Kartoffeln und Kräuter angebaut werden. „Dann wird es frisches Minzwasser zu trinken geben“, sagt Kröher. „Ein Bewusstsein zu schaffen für das, was man isst und zu wissen, wo die Lebensmittel herkommen, ist wichtiger den je und das sollte auch im Kindesalter schon vermittelt werden“, ist sich der Koch und Vater sicher. Aber das Wichtigste sei, dass es den Kindern auch schmecke.

Hausköche in Kitas

„Hanse-Kinder“ ist nicht der erste Kita-Träger, der auf einen Hauskoch setzt. Abgesehen davon, dass die Selbstversorgung in Kindergärten zu DDR-Zeiten gang und gäbe war, fährt auch die Aktion Sonnenschein dieses Konzept seit Bestehen ihrer Montessori-Kita. Andere freie Träger, wie das Institut für Lernen und Leben (ILL), nutzen ebenfalls das Angebot von Großküchen. Die Volkssolidarität Ostvorpommern unterhält selbst zwei Küchen: eine in Anklam und eine im Boddenhus Greifswald.

Stefanie Ploch

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