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Greifswald Beim Abriss der „Brinke“ war das Gas an
Vorpommern Greifswald Beim Abriss der „Brinke“ war das Gas an
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03:35 22.11.2014
Der Hinterhof der Brinkstraße 16/17 liegt voller Schutt. Quelle: Fotos: Peter Binder, Kai Lachmann
Greifswald

Beim Teilabriss des besetzten Hauses in der Brinkstraße 16/17 am Donnerstag hat die Abrissfirma wichtige Sicherheitsvorkehrungen missachtet. Die Gasleitung im Keller des Gebäudes war nicht abgestellt. Zwar sei der untere Gebäudeteil nicht vom Abriss betroffen. Doch Trümmer würden auf die Leitung drücken, so Ronny Stieber, Sprecher der Stadtwerke Greifswald. Deren Mitarbeiter sahen deshalb am Tag danach Gefahr in Verzug und stellten gestern Vormittag das Gas ab. „Wir hätten aber vor dem Beginn der Baggerarbeiten vom Tiefbauunternehmen über den Abriss informiert werden müssen“, sagt Stieber. Wäre die Leitung beim Abriss vom Bagger beschädigt worden und Gas ausgetreten, hätte es leicht zu einem Unglück kommen können. Stieber:

„Auszuschließen war das nicht.“

Dass die Leitung noch offen war, habe daran gelegen, dass Hubert Ende, der einen Bioladen im noch bestehenden Teil des Hauses betreibt, gegen die Trennung der Versorgungsleitungen seines Geschäfts eine einstweilige Verfügung erwirkt hatte. Ende hatte gestern seinen „Sonnenmichel“ wieder normal geöffnet. Dass die Tage des Ladens in dem Haus trotz einer abschließenden Entscheidung des Landgerichts Stralsund gezählt sind, ist ihm klar. Laut seiner Aussage schaut er bereits nach neuen Räumlichkeiten.

Obwohl es nicht zum großen Knall kam, sah es gestern dennoch wie nach einer Explosion auf dem Grundstück aus. Das Hinterhaus ist nur noch ein riesiger Haufen Schutt. Heiko Pult von der Initiative „Brinke 16/17 erhalten“ und eine vermummte Frau, die sich Verena Krüger nennt und für die Besetzer von der „Brinke WG“ spricht, hielten eine Pressekonferenz ab. Dabei erhoben sie schwere Vorwürfe gegen das aus ihrer Sicht zu rabiate Vorgehen der Polizei. „Sie haben Menschenleben gefährdet“, sagte Verena Krüger. Als die Beamten den oberen Teil räumten und nicht durch die verbarrikadierten Türen kamen, hätten sie Wände mit Rammböcken zerstört, ohne zu wissen, ob diese tragendes Mauerwerk seien. Während der Räumung hielten sich auch Personen im darunter liegenden Bioladen auf. „Die haben gesehen, wie die Wände gewackelt haben.“ Die von der Polizei verbreitete Information, in dem Haus hätten die Besetzer Reizgas versprüht, sei falsch. „Wir hatten Zettel im Haus aufgehängt und die Polizisten gebeten, kein Reizgas einzusetzen. Wahrscheinlich haben die nur ,Reizgas‘ gelesen und das als Falschinfo weitergegeben“, erklärt Krüger.

Unklar ist bislang, ob der Teilabriss dazu geführt hat, dass der Laden einsturzgefährdet ist. Ein Statiker sei noch nicht vor Ort gewesen, so Heiko Pult. Klar ist aber, dass die Mitarbeiter der Abrissfirma das Dach über dem „Sonnenmichel“ an mehreren Stellen zerstört haben, was sie laut Pult nicht durften. Auch er ist tief enttäuscht über das Verhalten der Polizei. „Sie hat ankommende Demonstranten während der Räumung am Zugang zur Mahnwache vor dem Haus gehindert, was laut des Arbeitskreises kritischer Juristen ein Verstoß gegen das Versammlungsrecht ist.“ Hinweise und Anliegen der Initiative seien von der Polizei teilweise ignoriert und unzureichend geprüft worden.

Die Initiative prüft nun rechtliche Schritte gegen den Besitzer des Hauses und das Abrissunternehmen. „Der Eigentümer hat mit dem Abriss unter diesen Umständen Menschenleben aufs Spiel gesetzt, um seine wirtschaftlichen Einzelinteressen durchzusetzen“, heißt es in einer Mitteilung.

Auszuschließen
war das nicht.“Stadtwerke-Sprecher Ronny Stieber auf
die Frage, ob es durch die Abrissarbeiten
zu einem Unglück hätte kommen können



Kai Lachmann

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