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Greifswald Beispielhaft für Natur- und Klimaschutz
Vorpommern Greifswald Beispielhaft für Natur- und Klimaschutz
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06:24 11.04.2016
Die Karrendorfer Wiesen wurden durch die Ausdeichung zu einem gern besuchten Naturparadies. Quelle: Rainer Bendt

Die Karrendorfer Wiesen unweit von Greifswald sind nationales Naturerbe. Sie gelten als Paradebeispiel für angepassten Küstenschutz und viel gerühmtes Vorzeigeprojekt für erfolgreichen Naturschutz. Dank der zahlreichen Vögel und der interessanten Vegetation sind sie auch touristisch interessant.

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Im Krupp-Kolleg werden 20 Jahre Ausdeichung der Karrendorfer Wiesen mit einem Kolloquium gefeiert

Am vergangenenWochenende wurde dieses größte Ausdeichungsprojekt an der Ostseeküste mit einem bestens besuchten Festkolloquium im voll besetzten Vortragssaal des Krupp-Kollegs gefeiert. Vor 40 Jahren sah es auf den Flächen vor der Insel Koos ganz anders aus als heute. Die zuvor regelmäßig überfluteten Salzweiden waren eingedeicht und entwässert worden. Moor „verschwand“, Kohlendioxid wurde freigesetzt. Die für Salzgrasland typischen Tier- und Pflanzenarten verdrängt. Der Rückbau der Boddendeiche bis 1995 brachte die Wende. Besonders bei anhaltendem Nord- und Ostwind kommt es wieder zu großflächigen Überflutungen.

Ein Projekt mit Beispielcharakter, meint der Direktor des Landesamtes für Umwelt, Naturschutz und Geologie, Harald Stegemann. Er warb für weitere Renaturierungen meliorierter Moorflächen. „Wir betreiben trockene Landwirtschaft auf nassen Standorten“, zitierte er den Greifswalder Moorpapst Hans Joosten. In entwässerten Mooren würde der Boden sacken. Die Folge sei, dass immer mehr Wasser abgepumpt werden müsse, damit es trocken bleibt. Das Land sei in der Vergangenheit bei der Renaturierung erfolgreich gewesen, schätzte Stegemann ein. Er nannte Projekte wie Kamp, Anklam West und Peenelandschaft. „Um 2000 bestand bei den Landwirten eine große Bereitschaft zur Wiedervernässung“, sagte er. Heute sei es trotz 100-prozentiger Finanzierung solcher Projekte insbesondere wegen der Erhöhung der Grünlandförderung schwieriger. Ein zweiter großer Vorzug der Wiedervernässung oder, wie im Fall der Karrendorfer Wiesen, der Möglichkeit der Überflutung: Das Moor wächst — das vielleicht beste Rezept gegen den wegen des Klimawandels erwarteten Anstieg des Meeresspiegels. Natürliche Prozesse der Dünenbildung und zeitweise Vernässung von Flächen zuzulassen, statt immer höhere Deiche zu bauen, ist auch aus der Sicht des Groninger Experten Albert Grootjans das beste Rezept, gerade für seine Heimat, die Niederlande.

Die Karrendorfer Wiesen dürften kein Einzelfall bleiben, meinte Matthias Wolters, der Leiter des Stralsunder Amtes für Umwelt und Landwirtschaft. Darum wolle man trotz der Munitionsbelastung der Flächen auch den Osten der Halbinsel Zingst wieder in Salzgrasland verwandeln, informierte Wolters.

„Das Meer nimmt nicht nur, es bildet auch Land“, griff der Greifswalder Wissenschaftler Stefan Seiberling die Feststellung Stegemanns auf. Sein „Plädoyer für einen zukunftsfähigen Küsten- und Hochwasserschutz in unbebauten Gebieten“ bekamen alle Tagungsteilnehmer schriftlich. „Überschwemmungsgebiete haben sich in der Geschichte in ihrer Höhe dem Meeresspiegel durch Bildung von Salzwiesentorfen angepasst“, argumentiert Seiberling. Pflanzen und Sediment aus dem Meer sorgten dafür. Salzwiesentorfe könnten bis zu einem Dreiviertelmeter über den mittleren Wasserstand wachsen. „Das Höhenwachstum des Torfes kompensiert den Meeresanstieg.“ So könnte man z. B. ohne große Kosten den Norden der Insel Usedom durch Deichrückbau schützen, statt teure neue Hochwassersysteme zu bauen.

Die Wiesen als Anziehungspunkt

Die Karrendorfer Wiesen können mit dem Auto oder dem Rad von Greifswald über Mesekenhagen und Groß Karrendorf erreicht werden. Es gibt einen Parkplatz nahe dem Dorf, von wo ein Wanderweg an einem Aussichtspunkt vorbei zur Insel Koos führt. Die unter Naturschutz stehende größte Insel im Greifswalder Bodden ist allerdings für die Öffentlichkeit gesperrt.

Von Eckhard Oberdörfer

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