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Greifswald Bestimmen, wer über mich entscheidet
Vorpommern Greifswald Bestimmen, wer über mich entscheidet
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00:00 26.04.2017
Markus Juhls von der AOK Nordost referierte vor rund 80 Gästen im großen Hörsaal über Pflege und Vorsorgevollmacht. Quelle: Fotos: Peter Binder

Was passiert, wenn jemand durch einen Unfall, Demenz oder andere Krankheiten nicht mehr für sich selbst sorgen kann?

Eine Vorsorgevollmacht ist wichtig. Warum, erklären Fachleute beim OZ-Leserforum

Beim OZ-Leserforum wurden gestern Abend im großen Hörsaal auf dem Unicampus an der Friedrich-Loeffler-Straße rund 80 Gäste von Experten über diese Fragen informiert: Wer kümmert sich um die Miete, das Konto und die Post? Wer entscheidet über die medizinische Behandlung?

„Eine Verwandte hatte zwar eine Vollmacht, aber die war uneindeutig“, sagt Barbara Dittrich (75). „Sie wurde im Hospiz behandelt und am Leben erhalten, obwohl sie das eigentlich gar nicht wollte.“

Das lässt sich vermeiden, indem klar benannt wird, wer sich kümmern und wie behandelt werden soll. Wer glaubt, dass Ehepartner oder enge Verwandte verantwortlich sind, liege falsch, sagte Markus Juhls von der AOK Nordost. Ist nichts festgelegt, bestimmen die Gerichte, eine Betreuungsverfügung kann Empfehlungen aussprechen. Bis die Richter entscheiden, könne jedoch wertvolle Zeit verloren gehen.

„Eine Vorsorgevollmacht sollte haben, wer seine Angelegenheiten nicht mehr selbstständig regeln kann“, sagte Juhls. Das könne jeden treffen: „Auch 18-Jährige sollten sich damit beschäftigen“, sagte er. „Sehr wichtig ist auch, dass die Vollmacht griffbereit und auffindbar ist.“

Am besten sollte sie beurkundet werden, sagte der Greifswalder Notar Albert Block. „Der Notar berät und formt den Inhalt.“ Eine beglaubigte Vollmacht kann inhaltlich mangelhaft sein, weil der Notar nur beglaubigt, aber nicht berät. „Auf vorgefertige Formulare sollte verzichtet werden“, sagte Block. Sie können veraltet oder unvollständig sein. Nicht nur Notare, auch Betreuungsbehörden beglaubigen Dokumente.

Die Frage, wie medizinisch behandelt wird, beantwortet eine Patientenverfügung. „Sie ist die Einwilligung in das Sterben-lassen-dürfen“, sagte Block.

Solche Anweisungen gehen an Ärzte wie Dr. Andreas Jülich, Oberarzt am Universitätsklinikum. „Wie soll behandelt werden? Mit künstlicher Ernährung oder nicht? Will jemand ins Hospiz oder nicht?“ In Abstimmung mit den Verwandten und der Verfügung können diese Fragen beantwortet werden.

Alle paar Jahre sollten Vollmacht und Verfügung überprüft werden, weil Gesetze erneuert werden. Seit Januar gilt ein neues Pflegegesetz, das fünf Pflegestufen anstatt drei festlegt. Seit 2016 müssen Patientenverfügungen laut Urteil des Bundesgerichtshofs konkreter formuliert sein. Pflegestützpunkte, betrieben von Kommunen und den Pflegekassen, beraten kostenlos. „Eine Vorsorgevollmacht muss nur aktualisiert werden, wenn sich Wünsche der Betroffenen oder Gesetze ändern“, sagte Anne Eggebrecht, Sozialberaterin am Greifswalder Pflegestützpunkt.

Christopher Gottschalk

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