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Bezaubernde Pflanzenpracht

Der Botanische Garten feiert Jubiläum: Vor 250 Jahren legte Samuel Gustav Wilcke dafür den Grundstein Bezaubernde Pflanzenpracht

In der Universitätseinrichtung wird geforscht und unterrichtet. Der Garten öffnet aber auch gern für Gäste.

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Gärtnerin Sonja Bath mit einer Orchidee. Es handelt sich dabei um die Blaue Adelflange.

Greifswald. Rübenhacke, alte Steintöpfe und eine Windfege zum Ausblasen von Schalenresten aus Saatgut: Die Sonderausstellung zum 250. Jubiläum des Botanischen Gartens in einem seiner Gewächshäuser hält reichlich Exponate bereit, die sonst nur in Museen zu finden sind. Den früheren Mitarbeitern sei Dank. „Sie haben nichts weggeschmissen. Auf den Dachböden haben wir so einiges gefunden“, erzählt Kustos Peter König, der „Wächter“ über den Garten.

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Kustos Peter König in der Sonderausstellung zum 250. Jubiläum des Botanischen Gartens, die noch bis September zu sehen ist.

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Die Gründung der etwa zwei Hektar großen Universitätsanlage an der Münterstraße geht auf das Jahr 1763 zurück. Magister Samuel Gustav Wilcke legte damals zwischen Stadtmauer und dem heutigen Universitätshauptgebäude einen „hortus medicus“ an — einen Garten für Arzneipflanzen: die Geburtsstunde des Botanischen Gartens. Doch gut einhundert Jahre später musste er dort aufgrund der zunehmenden Bautätigkeit weichen. Julius Münter, erster Ordinarius für Botanik, trieb die Pläne einer Verlagerung voran. 1886 war es dann soweit: Der neue Gewächshauskomplex an der Münterstraße mit Palmen-, Kalt- und Warmhaus wurde fertiggestellt.

Die drei existieren auch heute noch — und sind Peter Königs „Sorgenkind“. Denn während die übrigen 13, später errichteten Gewächshäuser in den vergangenen Jahren mit Bundes- und Landesmitteln peu à

peu saniert wurden, nagt an der denkmalgeschützten Gusseisenkonstruktion der Zahn der Zeit. „Eine Kostenschätzung für die Sanierung geht von gut zwei Millionen Euro aus“, berichtet der promovierte Biologe. Doch bis 2017 werde sich erstmal nichts bewegen, so letzte Aussagen des für Projekte dieser Art zuständigen Betriebs für Bau und Liegenschaften.

An dem regen Besucherinteresse ändert das nichts. Rund 20 000 Gäste zählt der Botanische Garten jedes Jahr, obwohl er sich als universitäre Einrichtung vorrangig der Lehre und Forschung verpflichtet fühlt. Dazu hält er internationale Kontakte mit 400 anderen Gärten und Institutionen. So kamen aus Sri Lanka unlängst 60 Kannenpflanzen eingeflogen, die einer Studie der Greifswalder Zoologen dienen.

Das Spannende an den Gewächsen: In ihren kannenähnlichen Fallgruben schlafen auf der Insel Borneo tagsüber Fledermäuse. Die hinterlassen, bevor sie nachts losfliegen, dort ihren Kot, der den Pflanzen als Nährstoff dient. Genau um diese Wechselwirkungen geht es bei der aktuellen Studie.

Die Greifswalder erfahren von solchen Forschungen eher wenig, schätzen ihren Garten aber wegen der professionellen Führungen oder der jährlichen Pilzausstellung. In der Besuchergunst ganz vorn stehen die tropischen Orchideen. Peter König spricht von etwa 500 Arten, die unter Glas gedeihen. Doch Attraktionen gebe es unter den etwa 6000 Arten viel mehr. Gerade fiebern er und seine zwölf Kollegen der Blüte einer Agave entgegen. Ihr seit Juni wachsender, jetzt etwa vier Meter hoher Blütenstand hat fast das Dach erreicht. „Was tun, wenn sie noch höher treibt“, fragt sich der Kustos und hat noch keine Lösung. Nur eines ist schon mal klar: Die Agave blüht in ihrem Leben nur einmal. „Danach stirbt sie ab“, erklärt König. Echte Hingucker seien auch der Rote Samtingwer, die Ruhmeskrone, der Koralleneibisch oder die kleine Mimose, sagt er bei einem Rundgang durch die feucht-warmen Häuser auf zeigt auf wundervolle, exotische Blüten. Ja, selbst die Riesenseerosen mit ihrem ungewöhnlichen Rand vergisst der Betrachter nicht so schnell. Wer mag, kann aber ebenso heimische Gemüsesorten und Kräuter anschauen: Der Freilandbereich, der aktuell auch die subtropischen Hartlaubgehölze beherbergt, bietet im Sommer viel Kurzweil für Gartenfreunde.

Der Botanische Garten der Universität

6000 Pflanzenarten zählt der Botanische Garten, davon allein rund 1600 im Arboretum an der Jahnstraße. Der Aufbau dieser etwa sieben Hektar großen Gehölzsammlung begann 1934.

16 Gewächshäuser gibt es an der Münterstraße mit etwa 1400 Quadratmetern Glasfläche.

500 Orchideen gedeihen unter Glas, sie gehören seit vielen Jahren zu den Besuchermagneten.
Morgen lädt der Garten zur Führung ein. Heilpraktiker Anwar Siddique stellt im Freiland bekannte und weniger bekannte Heil- und Gewürzpflanzen sowie ihre Wirkung vor. Die einstündige Führung beginnt um 14 Uhr, Eingang Münterstraße 2.


Geöffnet hat der Botanische Garten in der Münterstraße 2 montags bis freitags 9 bis 15.45 Uhr, sonnabends und sonntags 13-18 Uhr; das Arboretum (Jahnstraße) öffnet täglich 9-18 Uhr.

Infos unter: www.uni-greifswald.de

 

Petra Hase

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