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Bis zu 530 Euro mehr im Monat für Tagesmütter

Greifswald Bis zu 530 Euro mehr im Monat für Tagesmütter

Kreis will viel mehr Geld für Betreuung von Kindern in Tagespflege zahlen

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Tagesmutti Doris Uecker aus Potthagen betreut insgesamt fünf Kinder. Mit Dreien kochte sie gestern Vormittag in der Puppenküche. Greta (1, links), Mattis (2) und Esrah (1, rechts) waren mit Feuereifer dabei.

Quelle: Foto: Katharina Degrassi

Greifswald. Die 223 Tagesmütter und Tagesväter im Landkreis Vorpommern-Greifswald sollen demnächst deutlich mehr Geld für ihre Arbeit erhalten. Bis zu 2974 Euro im Monat – und damit etwa 530 Euro mehr als aktuell – sieht die überarbeitete Richtlinie zur Kindertagespflege vor, die der Jugendhilfeausschuss im Auftrag des Kreistages erarbeitet hat. Das Parlament muss dem Papier noch zustimmen. Die Höhe der Einkünfte wird sich auch künftig nach der Anzahl der betreuten Kinder richten.

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Kreis will viel mehr Geld für Betreuung von Kindern in Tagespflege zahlen

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„Derzeit verdienen die Tagespflegepersonen weniger als Mindestlohn“, sagt Ludwig Spring (Bürgerliste), Mitglied des Kreisjugendhilfeausschusses. Diese arbeiten 45 bis 50 Stunden pro Woche, müssen als Selbständige die Kosten für Betreuungsräume, Inventar, Strom, Wasser und vieles mehr selbst bezahlen. „Leider macht das Land keinerlei Vorgaben zum Verdienst von Tagesmüttern und Tagesvätern. Jeder Kreis hat hierzu eigene Regeln“, beklagt Lars Bergemann (Linke), Vorsitzender des Jugendhilfeausschusses.

Deswegen hat der Unterausschuss für Jugendhilfeplanung im Auftrag des Kreistages drei Jahre an der neuen Richtlinie gearbeitet und nach fairen Bewertungsstandards für die Arbeit der Tagesmütter und Tagesväter gesucht. „Sie betreuen vorrangig Krippenkinder im Alter von ein bis drei Jahren, bis zu fünf Kinder gleichzeitig. Das ist ein sehr anspruchsvoller Job“, sagt Bergemann. Die große Verantwortung müsse sich auch in der Entlohnung widerspiegeln, sind sich Bergemann und Spring einig. „Die Neuregelung bedeutet einen deutlichen Zuwachs des Einkommens für die Tagespflegepersonen“, sagt Spring.

Über die Pläne freut sich Doris Uecker, die in der Nähe von Greifswald als Tagesmutter tätig ist. Die ausgebildete Erzieherin betreut seit 15 Jahren Kinder zwischen einem und drei Jahren in extra dafür hergerichteten Räumen in ihrem Einfamilienhaus. „Es wäre sehr schön, wenn Tagesmutter als Berufsbild anerkannt wird. Wir machen dieselbe Arbeit wie Erzieher in den Kitas“, sagt Uecker. Jette Lams aus Greifswald hat sich ganz bewusst entschieden, ihre Tochter bei einer Tagesmutter betreuen zu lassen. „Es ist schön, dass die Gruppen so klein sind.“

Aktuell erhält eine Tagespflegeperson pro betreutem Kind eine Pauschale von 490 Euro pro Monat. Da sie bis zu fünf Kinder zeitgleich betreuen darf, sind bis zu 2450 Euro monatlich möglich. Davon müssen jedoch die Sachkosten abgezogen werden wie Miete für die Betreuungsräume, Kinderbetten, Geschirr und Spielzeug sowie die anteiligen Kosten für Kranken- und Rentenversicherung. „Die Höhe der Kosten variiert stark. Im ländlichen Raum bieten viele Tagesmütter die Betreuung in den eigenen vier Wänden an“, sagt Spring. In Greifswald gibt es auch Tagespflegepersonen, die Räume für die Betreuung anmieten.

Der Vorschlag des Kreisjugendhilfeausschusses sieht neben festen Pauschalen je Kind (515 Euro) zusätzlich Sachkosten in Höhe von monatlich 80 Euro je Kind vor (maximal 400 Euro). Die Einkünfte orientieren sich an dem Verdienst eines Erziehungsassistenten im öffentlichen Dienst (S 3). Diese Ausbildung dauert zwei Jahre und ist der zum staatlich anerkannten Erzieher (vier Jahre) vorgeschaltet. Zwar haben durchaus viele Tagesmütter eine Erzieherinnenausbildung. Pflicht ist das jedoch keineswegs. „Tagespflegeperson kann man mit einer 160-stündigen Schulung und jährlichen Fortbildungen werden“, sagt Spring. „Sie machen trotzdem den gleichen Job wie eine Erzieherin im Kindergarten.“ Eine Erzieherin in der Krippe betreut in der Regel ein Kind mehr als eine Tagesmutter.

Auslöser der aktuellen Gehaltsdebatte war ein Brandbrief von Tagespflegepersonen aus Anklam an die Kreisverwaltung Ende 2013. Darin beklagten sie die drastisch gestiegenen Betriebskosten, forderten höhere Sachkosten. Doch bis auf zwei kleine Gehaltserhöhungen um 1,5 Prozent blieb es lange ruhig. „Die Tagespflegepersonen haben keine Interessenvertretung. Wir haben diese Aufgabe für sie übernommen“, sagt Spring.

350000 Euro Mehrkosten pro Jahr

Die geplante Neuregelung über die Einkünfte der Tagesväter und Tagesmütter im Kreis würde Mehrkosten in Höhe von 350000 Euro jährlich bedeuten. Die höheren Kosten teilen sich Wohnsitzgemeinde und Eltern. Für nichtleistungsfähige Eltern übernimmt der Kreis die Mehrkosten. In vielen Gemeinden des Kreises ist ein Platz bei einer Tagesmutter bislang deutlich günstiger als in einer Krippe. „Das lag am schlechteren Verdienst der Tagespflegepersonen und am geringeren Anteil aus den Landesmitteln“, sagt Lars Bergemann (Linke), Vorsitzender des Kreisjugendhilfeausschusses. Durch die neue Richtlinie steigen die Platzkosten nach den aktuellen Planungen pro Monat um bis zu 21 Euro für einen Krippenplatz bei einer Tagespflegeperson. „Für die Eltern soll der Beitrag um maximal zehn Euro steigen“, sagt Lars Bergemann. Ob das klappt, steht jedoch noch nicht fest. Nach Angaben der Kreisverwaltung bestätigt die Vorgabe des Jugendhilfeausschusses. „Die Berechnung muss erst vorgenommen und dann abgestimmt werden, da in der Folge eine Erhöhung der Platzkosten für Kindertagesstätten nicht abwendbar sein wird“, sagt Anke Radlof, Pressesprecherin des Kreises. kat

Info: Der Kreistag entscheidet während seiner Sitzung am 29. Mai.

Nach drei Jahren Verhandlungen: Kreistag entscheidet Ende Mai über neue Richtlinie

Dass Tagesmütter und Tagesväter bislang nicht mal Mindestlohn verdienen, ist eine Schande für den Landkreis. 2450 Euro erhält eine Tagespflegeperson derzeit monatlich, wenn sie fünf Kinder betreut.

Das klingt erstmal viel, ist es bei genauerer Betrachtung jedoch nicht. Sobald ein Kind kurzfristig in die Kita wechselt, weil dort ein Platz frei geworden ist oder die Räumlichkeiten keine Betreuung von fünf Kindern zulassen, sinken die Einnahmen. Die monatlichen Kosten für die Betreuungsräume bleiben aber gleich, ebenso die Arbeitszeit. Von den Einnahmen müssen Kinderbetten, Wickeltisch, Töpfchen, Geschirr und Spielzeug gekauft werden. Die Hälfte der Beiträge zur Kranken- und Rentenversicherung stehen ebenfalls auf der Kostenseite. Die Summe, die übrigbleibt, steht einer einer Arbeitszeit gegenüber, die weit über dem Durchschnitt liegt. Wenn die Eltern Vollzeit arbeiten, dürfen sie ihr Kind bis zu 50 Stunden pro Woche betreuen lassen. Diese Zeit muss im Extremfall abgedeckt werden. Die Betreuung unserer Kinder ist eine verantwortungsvolle Aufgabe. Da wir für unseren Nachwuchs nur das Beste wollen, sollte eine gute Bezahlung selbstverständlich sein.

Platzkosten: Kreis verteilt Landesmittel

Die Elternbeiträge für den Betreuungsplatz bei einer Tagesmutter machen nur einen Teil der tatsächlichen Kosten aus. Der Gesamtbetrag setzt sich aus Mitteln des Landes, des Kreises, der Wohnsitzgemeinde und der Eltern zusammen.

Das Land zahlt an den Kreis einen festen Satz für alle in Vorpommern-Greifswald lebenden Kinder. Die Höhe richtet sich nach der Anzahl der Kinder, die im Kreis leben. Der Kreis entscheidet, wie er die Summe vom Land einsetzt. Da die Krippenplätze am teuersten sind, werden diese traditionell mit dem höchsten Anteil pro Platz subventioniert. Aus den Landesmitteln fließen bislang 190 Euro in einen Ganztagskrippenplatz. „Tagespflegepersonen bekommen einen deutlich geringen Anteil aus den Landesmitteln“, sagt Lars Bergemann (Linke), Vorsitzender des Kreisjugendhilfeausschusses. Aktuell sind es 70 Euro pro Monat für einen Ganztagskrippenplatz.

Tagesmütter im Kreis

760 Kinder werden derzeit im Landkreis Vorpommern-Greifswald bei einer Tagesmutter oder einem Tagesvater betreut. Von den aktuell 223 Tagespflegepersonen sind 27 bereits 60 Jahre oder älter, gehen also in Kürze in Rente. Die Initiative für eine bessere Einkommenssituation soll auch helfen, den Beruf attraktiver zu machen. „Derzeit haben wir akute Nachwuchsprobleme“, sagt Ludwig Spring.

Katharina Degrassi

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