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Blindenfußball: Immer den Rufen nach

Greifswald Blindenfußball: Immer den Rufen nach

Greifswalder Nachwuchskicker testen eine Sportart, die dieses Jahr auch bei den Paralympics zu sehen war: Fußball für Blinde. Cool, aber verdammt schwer, ist ihr Fazit.

Greifswald. Joachim Plingen gibt das Startkommando: „Brillen runter...und los!“, ruft er. Doch eher zögernd setzen sich die Jungs des Greifswalder FC an diesem Mittwochnachmittag im Volksstadion in Bewegung. Ihre Oberkörper sind nach hinten gelehnt, ihre Füße strecken sich tastend nach vorn...

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Greifswalder Nachwuchskicker testen eine Sportart, die dieses Jahr auch bei den Paralympics zu sehen war: Fußball für Blinde. Cool, aber verdammt schwer, ist ihr Fazit.

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Der Grund: Auf den Nasen der Elf- und Zwölf-Jährigen sitzen Brillen, die ihnen jegliche Sicht auf Gegner, Mitspieler, Ball und Tor nehmen. Blindenfußball spielt diese D3-Mannschaft des FC probeweise in einer Trainingsstunde – mit einem Ball, der bei Berührung rasselt, und einem Kopfschutz, der Beulen verhindern soll.

Im Auftrag des Telekom-Projekts „Neue Sporterfahrung“ sind Joachim Plingen und der blinde Fußballer Hasan Koparan aus Köln angereist, um den Blindenfußball bekannter zu machen. Und, um Vorurteile abzubauen. „Ich möchte zeigen, dass eine Behinderung kein Grund ist, ein inaktives Leben zu führen“, sagt Koparan. Der 28-Jährige kann seit seinem 14. Lebensjahr nur noch Hell und Dunkel unterscheiden, arbeitet hauptberuflich in einer Behörde, spielt in der Freizeit Blindenfußball beim FC Schalke und sogar in der Nationalmannschaft. „Ich hab schon als Kind leidenschaftlich gekickt“, erzählt er. Vor neun Jahren dann lernte er den Sport noch einmal ganz neu: in der Blindenversion.

„Was glaubt ihr, ist auch der Torwart blind?“ „Wie dribbelt man?“ Und: „Woher wissen die Spieler, wo das Tor ist?“ Anhand solcher Fragen hatten sich Koparan und Plingen mit den Kindern zu Beginn des Trainings die Regeln erarbeitet. Ein paar Übungen zur Orientierung auf dem Spielfeld, zum Ballführen und Aufeinanderhören folgen. Schließlich ein kleines Spiel.

Der Ball rasselt, wenn er berührt wird, doch in der Luft bleibt er stumm. Will ein Spieler ihn kontrollieren, muss er ihn also dicht am Fuß behalten. Hinter den Toren steht jeweils ein sehender Guide, der die eigenen Spieler mit Rufen dirigiert. Auch der Trainer darf Anweisungen geben. Und der Torwart ist sehend.

„Nach links, Levi“, brüllt jetzt der junge Jonas als Guide. „Nein, nicht dahin...!“ Seine Rufe scheinen im Stimmengewirr der Spieler unterzugehen. „Voy“, „voy“, rufen die ständig, um zu signalisieren: „Hier bin ich.“

Joachim Plingen unterbricht schließlich das Chaos. „Versucht mal, nicht ganz so viel zu rufen“, sagt er. Das Wichtigste beim Blindenfußball sei, den Guide zu hören und sich zu konzentrieren.

Die zweite Halbzeit wirkt tatsächlich etwas geordneter. Nach einer knappen Stunde dürfen die Kinder dann die Brillen von der Nase reißen. Lachende Gesichter kommen zum Vorschein. „Das war cool“, meint etwa der elf-jährige Nils. „Ich kam mir beim Spielen erst so blöd vor, weil ich dauernd nicht wusste, wo ich bin.“ Spaß gemacht habe es trotzdem. Und Hasan dabei zuzusehen, wie er dribble, obwohl er den Ball nicht sehe, sei cool. „Ich glaub’, der spielt blind besser als wir sehend.“

Ein junger Sport

2004 wurde die Sportart in den Kanon der Olympischen Spiele aufgenommen. Seit 2006 wird sie auch in Deutschland gespielt, 2008 wurde die Bundesliga aufgebaut.

4 blinde Feldspieler sind je Mannschaft im Einsatz. Das Feld ist so klein wie ein Handballfeld und wird von Banden eingerahmt. Der Ball rasselt, der Torwart ist sehend, ein Guide gibt den Spielern Anweisungen.

In MV gibt es bisher keine Mannschaft. Die Telekom macht den Sport seit 2013 mit Trainingseinheiten bekannt.

• www.stollenhelden.de

Sybille Marx

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