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Greifswald Brockhaus-Bücher rufen sieben Polizisten auf den Plan
Vorpommern Greifswald Brockhaus-Bücher rufen sieben Polizisten auf den Plan
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00:00 02.12.2017
Trassenheide

Über die Geschichten um ihre Brockhaus-Sammlung kann Berit Lehmann aus Trassenheide nun selbst spannende Bücher schreiben. Ein Kapitel könnte der Besuch von sieben Polizisten in und vor ihrer Wohnung in dieser Woche sein.

Was ist passiert? Vor etwa einem Jahr hatte die 59-jährige Altenpflegerin ein Vertreter-Ehepaar im Haus, das ihr eine Belüftungs- und Klimaanlage für ihre Büchersammlung verkaufen wollte. Damit die Bücher länger haltbar seien, wie es erklärte. Kostenpunkt: 8000 Euro.

Berit Lehmann war misstrauisch. Sie kontaktierte sowohl die Polizei als auch die Firmenzentrale von Bertelsmann in Gütersloh in Nordrhein-Westfalen. Mitarbeiter dort versicherten ihr, dass in ihrem Auftrag niemand solche Lüftungsanlagen verkaufe. Es stellte sich heraus, dass die Vertreter ehemalige Mitarbeiter von Bertelsmann sind, die noch über die Adressen von Kunden verfügen.

In dieser Woche, etwa ein Jahr später, kündigte sich nun der nächste Vertreter an, der sich für die hochwertige Bücher-Sammlung von Berit Lehmann interessierte. Er wollte Teile ihrer Bücher abkaufen.

Sie wurde hellhörig und wollte nicht nochmal jemanden in ihre Wohnung lassen, der vielleicht nur auf Betrug aus ist. Deshalb informierte sie die Polizei.

„In solchen Fällen arbeiten wir mit unseren zivilen Kräften zusammen“, erklärt Mandy Collet vom Polizeirevier Heringsdorf. Der Plan ging auf: Zwei Beamte postierten sich unauffällig nebenan im Schlafzimmer bei geöffneter Tür, andere Kollegen warteten vor der Haustür, für den Fall einer Flucht. Der 37 Jahre alte Mann interessierte sich für die Brockhaus-Sammlung und wollte ein Kaufangebot unterbreiten. Dazu kam es allerdings nie. „Nach ein paar Minuten war er wieder verschwunden, da ich ihn abwimmelte“, erklärt die Trassenheiderin. Vor der Tür empfing ihn bereits die Polizei. Auf die Frage, woher er weiß, dass die Frau eine Brockhaus-Sammlung besitzt, kam er ins Schlingern und rückte nicht mit der Info raus. Den Beamten erklärte er, dass er Bücher verkaufen und nicht abkaufen wollte.

Auf Hinweis der Staatsanwaltschaft wurde das Handy des Berliners sichergestellt. „Das Mobiltelefon mussten wir ihm aber zurückgeben, da wir ihm noch nicht nachweisen konnten, dass es sich um einen Betrug handelt“, erklärt Collet.

Nach OZ-Recherchen haben sich ehemalige Mitarbeiter der Bertelsmann-Tochter, die die Enzyklopädie vertrieben hat, selbstständig gemacht.Von Vertretern dieser Art hat Berit Lehmann nun erstmal genug.

Sie bedankt sich aber bei der Polizei für die diskrete und vor allem gute Zusammenarbeit. „Das war ein eingespieltes Team. Ich fühlte mich jederzeit sicher“, sagt sie.

Hannes Ewert

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