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Buch beleuchtet Kampf gegen Kinderkrankheiten

Greifswald Buch beleuchtet Kampf gegen Kinderkrankheiten

Die Sterblichkeitsrate bei Säuglingen in Vorpommern war noch vor 170 Jahren enorm hoch. Damals starb jedes fünfte Kind, das ehelich geboren wurde, im ersten Lebensjahr. Kürzlich erschien ein faktenreiches Buch über die Geschichte der Greifswalder Kinderklinik.

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Therapie nach Bernhard de Rudder an der frischen Luft vor der Liegehalle. Der Professor wirkte 1932 bis 1935 in Greifswald.

Quelle: Foto: Sammlung Reddemann

Greifswald. Das ist heute in Deutschland nicht vorstellbar: Mitte der 1850er Jahre starb in Stettin mehr als jedes fünfte Kind im ersten Lebensjahr, wenn es in einer Ehe geboren worden war. Bei unehelichen waren es sogar 45 Prozent. Erst 1901 wurde das Fach Kinderheilkunde Teil des Medizinstudiums und ab 1918 Prüfungsfach im Staatsexamen.

OZ-Bild

Die Sterblichkeitsrate bei Säuglingen in Vorpommern war noch vor 170 Jahren enorm hoch. Damals starb jedes fünfte Kind, das ehelich geboren wurde, im ersten Lebensjahr. Kürzlich erschien ein faktenreiches Buch über die Geschichte der Greifswalder Kinderklinik.

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Im Jahre 1850 war die eigenständige Kinderheilkunde in Deutschland ohnehin erst zwei Jahrzehnte alt, schreibt Prof. Hans Reddemann in seinem fast 400 Seiten starken und reich bebilderten Buch zur Geschichte der Greifswalder Kinderklinik von den Anfängen bis zur Gegenwart. Dort hat er selbst jahrzehntelang gewirkt. Der Detailreichtum des Buchs ist beeindruckend. In Greifswald hielt der Privatdozent für Kinderheilkunde Paul Krabler (1841 bis 1907) 1865 die ersten Vorlesungen, elf Jahre später gründete er ein privates Ambulatorium für kranke Kinder im Haus Markt 21.

Minutiös zeichnet Reddemann die weiteren Stationen Krablers bis zur ersten Universitäts-Kinderklinik in der Hunnenstraße 2/3 im Jahre 1896 nach. Krablers Nachfolger Erich Peiper (1856 bis 1938) ist 1913 die Eröffnung der Kinderklinik in der neuen Soldmannstraße zu verdanken. Er bemühte sich „intensiv um die Verhütung von Säuglings- und Kinderkrankheiten in der städtischen und ländlichen Bevölkerung Vorpommerns.“ Die von ihm eingeführte Säuglingsfürsorge, Peiper plädierte fürs Stillen und gute Hygiene, sei nur zögernd angenommen worden. 1915 wurde das Haus für „gefährdete Mütter und ihre unehelichen Kinder“ des Zweckverbandes der Landkreise Greifswald, Franzburg, Grimmen und der Stadtkreise Greifswald und Stralsund ebenfalls in der Soldmannstraße eingeweiht. In den Jahrzehnten danach folgten weitere Gebäude auf dem heute von Biologen genutzten Areal. Reddemanns Darstellung reicht bis in das 21. Jahrhundert. Ausführlich geht er auf das 15-jährige Direktorat von Klaus Jährig (1935 bis 2011) von 1976 bis 1991 ein. Dieser war 1983 bis 1990 Vorsitzender der Gesellschaft für Pädiatrie der DDR, Mitglied diverser internationaler Gesellschaften und 1988 bis 1994 Gastprofessor in den USA. Er hatte „einen entscheidenden Anteil an Profilierung der Kinderheilkunde in der DDR.“ Auf Jährig, seit 1984 Prorektor für Medizin und Mitglied der SED-Kreisleitung, gehe der Forschungsschwerpunkt „Medizinische Grundbetreuung“ (Community Medicine) zurück, schreibt Reddemann. 1991 trat er als Direktor zurück 1992 wurde ihm „mangels Bedarf“ gekündigt. Etwa 20 informelle Mitarbeiter der Stasi hätten Jährig als Chef der Kinderklinik beobachtet. Reddemanns kritische Sicht auf „die Phase der Entlassungen der Hochschullehrer an der Greifswalder Universität“, steht sich in einem eigenen Kapitel.

Info: Hans Reddemann: „Die Kinderklinik der Pommerschen Universität Greifswald. Von der Hunnenstraße über die Soldmannstraße“, Vertrieb über Hans Reddemann (reddemann@uni-greifswald.de)

Eckhard Oberdörfer

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