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Greifswald Denkmalstraße in Greifswald aufgebohrt
Vorpommern Greifswald Denkmalstraße in Greifswald aufgebohrt
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17:52 29.11.2018
In der denkmalgeschützten Flugplatzsiedlung wurde eine Straße teilweise zerstört Quelle: Eckhard Oberdörfer
Greifswald

Katharina Weit ist empört. „Die Stadtwerke haben eine denkmalgeschützte Straße in der Flugplatzsiedlung zerstört“, sagt die Ladebowerin, die in der Clara-Zetkin-Straße wohnt. Hier wird gegenwärtig auf einer Länge von 80 Metern im Auftrag der Stadtwerke eine Erdgasleitung bis zur Hugo-Finke-Straße verlegt. Dafür werden Kopflöcher in die Betondecke gebohrt und dann die Leitungen durch den Boden gepresst.

Die Flugplatzsiedlung ist ein geschützter Denkmalbereich. Nicht nur für die Häuser aus den 1930er Jahren, sondern auch für alle Freiflächen gibt es Auflagen. Im Fall des Grundstücks von Katharina Weit handelt es sich um eine Straße aus Ortbeton, das heißt, der Beton wurde direkt auf der Baustelle verarbeitet. Dieser stammt laut der denkmalpflegerischen Zielstellung aus der Erbauungszeit. „Die Clara-Zetkin-Straße 8-12 wurde deshalb extra vom Straßenausbau in der Siedlung ausgenommen“, erinnert Weit. Sie hat sich intensiv in die Debatte um die Form des Straßenausbaus in Ladebow eingebracht (die OZ berichtete). Die Erhaltung des historischen Belags war dabei eines ihrer Anliegen.

In der denkmalgeschützten Flugplatzsiedlung Quelle: HGW

„Die Erhaltung der Straße ist in der denkmalpflegerischen Zielstellung für die Flugplatzsiedlung Ladebow festgeschrieben“, unterstützt der stellvertretende Ortsratsvorsitzende Heino Förste (Linke) „Dort heißt es wörtlich: „Die mit Ortbeton befestigten Verkehrsflächen der Siedlung sollen erhalten werden.“ Für Weit und Förste heißt das nichts anderes, als dass bei allen Baumaßnahmen die Denkmalbehörde angehört werden und deren Zustimmung eingeholt werden muss. Genau das sei seines Wissens nicht passiert. Die Denkmalbehörde der Hansestadt sei empört über das Vorgehen gewesen und habe nur deshalb von einem Baustopp abgesehen, weil der Ortbeton schon zerstört war, als sie von den Baumaßnahmen erfuhr, berichtet Förste, der gleich im Rathaus angerufen hat. „Wir haben zum Umgang mit den Straßen unsere schlechten Erfahrungen“, ergänzt der stellvertretende Ortsratsvorsitzende. Da sei schon mehrfach Historisches zerstört und aufgerissene Straßen nur geflickt worden. Um das in Zukunft zu verhindern, habe man für konkrete Festlegungen gekämpft.

Stadtwerke erhielten keine Denkmalauflagen

Stadtwerkesprecherin Steffi Borkmann verweist auf die vorliegende Aufgrabeerlaubnis des Tiefbau- und Grünflächenamtes der Hansestadt für die Verlegung der Leitungen. „Sie enthält keine Auflagen in Sachen Denkmalschutz“, stellt sie fest.

In der Clara-Zetkin-Straße Quelle: HGW

Andrea Reimann, die Sprecherin der Hansestadt, bestätigt, dass es keine Genehmigung der Greifswalder Denkmalbehörde zu den Tiefbauarbeiten gab. „Die nachträgliche Prüfung ergab jetzt, dass die Genehmigung erteilt worden wäre“, sagt Reimann. „Ein Baustopp wäre wenig sinnvoll, da dies nur die Ausführung der Arbeiten verzögert hätte.“ Außerdem hätte man die Leitungen alternativ nur auf privatem Grund verlegen können. Dafür benötige man die Einwilligung der Eigentümer, die Eintragung von Leitungsrechten, verursache höhere Kosten. Die gewählte Art der Leitungsverlegung sei mit dem geringstmöglichen Eingriff den Straßenkörper verbunden, betont Reimann.

Löcher sollen mit Beton geschlossen werden

Heino Förste überzeugen die Argumente der Stadt nicht. „Die Anwohner hätten wenigstens gefragt werden müssen, was sie wollen“, sagt er. „Es gibt doch schon Grundrechte der Stadtwerke für Leitungen auf unseren Grundstücken“, pflichtet Katharina Weit bei. Auch andere Anwohner seien nicht gefragt worden, ob eine Verlegung der Leitungen auf ihren Grundstücken erfolgen könne, hat sie in Erfahrung gebracht. Sie geht davon aus, dass dieser Eingriff in die Denkmalstraße mit Absicht erfolgte. „Wie kann man nur das letzte intakte Straßenstück aus der Erbauungszeit zerstören“, fragt sie sich.

Dass nach Beendigung der Arbeiten laut der Aufgrabegenehmigung für die Stadtwerke die Kopflöcher in der Straße mit Beton verschlossen werden, überzeugt Weit nicht. „Wenn einmal ein Loch im Zahn ist, hat das Folgen, auch für eine Straße“, sagt sie.

Eckhard Oberdörfer

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