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Greifswald Urlauber fahren durch Wolgast nur durch
Vorpommern Greifswald Urlauber fahren durch Wolgast nur durch
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17:41 10.01.2019
Wolgast soll künftig nicht mehr von der Bäderregelung betroffen sein. Dann muss auch der Netto Markendiscount sonntags geschlossen bleiben. Quelle: Tom Schröter
Wolgast

Und wieder eine Hiobsbotschaft für Wolgast: Ab diesem Jahr gilt die Bäderregelung nicht mehr für die Stadt. Heißt im Klartext: Die bislang sonntags während der Saison von April bis Ende Oktober geöffneten Läden wie der Netto Markendiscount oder Lidl bleiben geschlossen. Wolgasts Bürgermeister Stefan Weigler (parteilos) ist alles andere als begeistert: „Der Attraktivität von Wolgast ist das ganz sicher nicht zuträglich, auch wenn man bei einem Kompromiss immer Abstriche machen muss. Aber es ist niemanden die Entscheidung unserer Landesregierung zu vermitteln, wenn es in Schleswig-Holstein eine ganz andere Bäderregelung gibt, die den Kommunen nützt.“

Nach seinen Worten hätten gerade Touristen, die auf der B 111 am Sonntag Richtung Insel Usedom fuhren oder von dort die Heimreise antraten, sehr gern vor den Supermärkten Halt gemacht und noch eingekauft. Die Parkplätze seien immer belegt gewesen. Und der eine oder andere habe den Zwischenstopp auch gleich für einen Abstecher auf den historischen Marktplatz oder in die Petrikirche genutzt. „Das fällt nun alles weg, die Urlauber fahren dank der Entscheidung im Wirtschaftsministerium durch.“ Dabei sei beispielsweise der Netto Markendiscount an der B 111 auch wegen der bisherigen Sonntagsöffnung jener in MV gewesen, der den höchsten Umsatz pro Quadratmeter Fläche erzielt habe.

Antrag auf Anerkennung als Erholungsort seit drei Jahren unbearbeitet

Weiglers Zustimmung zur neuen Bäderregelung hält sich noch aus einem anderen Grund sehr in Grenzen: „Es ist jetzt genau drei! Jahre her, dass wir im Schweriner Wirtschaftsministerium einen Antrag gestellt haben, die Stadt Wolgast als Erholungsort anzuerkennen, damit wir bei der Bäderregelung auf der sicheren Seite sind. Aber drei Jahre lang ist trotz mehrfacher Nachfrage nichts passiert“, so Weigler. Jetzt, wo Wolgast draußen ist, gebe es plötzlich ein Schreiben, dass wegen des Antrags in Kürze eine Vor-Ort-Begehung in Wolgast stattfinden soll. Danach werde zeitnah über den Erholungsort-Antrag entschieden. „Vielleicht haben wir ja Glück und bis 15. April steht die Anerkennung als Erholungsort“, meint Weigler. Allerdings glaubt er bei der bisher an den Tag gelegten Langsamkeit nicht daran.

Laut Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) ist für die Einordnung einer Kommune zur Bäderregelung eine Systematik zu Grunde gelegt worden, wonach die Zahl der Touristen im Ort monatlich mindestens so hoch sein muss wie die Einwohnerzahl der Gemeinde. Das sei nach Glawes Aussage in den Orten, die nun nicht mehr von der Bäderregelung profitieren, nicht der Fall.

Freest und Kröslin haben Zehntausende Urlauber

Mit diesen Worten erzürnt er die Bürgermeister von Kröslin und der Stadt Usedom. „Es ist empörend und lächerlich zugleich, dass sich Leute, die nie in unseren Touristenhochburgen Kröslin und Freest waren, diese Entscheidung anmaßen“, sagt Kröslins Gemeindeoberhaupt Holger Dinse. Seine Gemeinde mit den Ortsteilen Kröslin, Fischerdorf Freest, Spandowerhagen, Hollendorf, Karrin und der Insel Ruden zähle 1900 Einwohner. „Wir haben hier angesichts der zahlreichen Pensionen, Ferienwohnungen, Campingplätze und der Marina jährlich mehrere Zehntausend Urlauber. Allein zum Fischerfest Anfang August kommen an einem Wochenende 30 000 Gäste hierher“, so Dinse. Diese Bäderregelung nutze nichts, sie schade nur.

„Dann ist hier gar nichts mehr los“

Jochen Storrer, Bürgermeister der Stadt Usedom, ist ähnlich wütend. Mit der Neuregelung würden Orte wie seine kleine Stadt, die sich sehr um Touristen bemühen, ins Aus bugsiert. „Dann ist hier gar nichts mehr los“, sagt er. Gerade die kleinen Läden und Cafés hätten die Urlauber, die auf der B 110 durchreisen, zu einem Stopp animiert. „Wir machen gerade unseren Hafen schön, damit wir einen weiteren Anziehungspunkt haben. Aber dieses Jahr gibt es dort noch keine Gastronomie. Wer hier schlendert, will auch mal noch nach anderen Dingen schauen.“ Warum könne hierzulande nicht jeder selbst entscheiden, ob er öffnet oder nicht, fragt er und verweist aufs nahe Polen. In Swinemünde werde man sich angesichts der Entscheidung aus Schwerin mal wieder die Hände reiben, „denn solches Theater gibt es dort nicht“, so Storrer.

Rückschlag fürs Hinterland

Nadine Riethdorf ist Koserows Kurdirektorin und zugleich Vorsitzende des Tourismusverbandes Insel Usedom (TVUI). Sie sagt, dass Koserow jetzt als neuer Nutzer von der Bäderregelung bezeichnet werde, sei irreführend. „Als Seebad und Erholungsort waren wir schon immer dabei. Die Neuregelung bezieht sich vielmehr auf Karls Erlebnishof in Koserow.“ Als TVIU-Vorsitzende sieht sie den Kompromiss sehr kritisch: „Es ist zwar gut, dass wir jetzt alle Planungs- und Rechtssicherheit haben, aber die festgelegten Zeiträume, in denen die Bäderregelung gelten soll, sind viel zu kurz.“ Erst am 15. April zu beginnen, könne niemanden vermittelt werden, wo doch ab 13. in diesem Jahr die Osterurlauber anreisen. Besonders schlimm findet sie den Wegfall von Wolgast, der Stadt Usedom und Kröslin. „Wir haben uns doch gerade das Ziel gestellt, das Hinterland zu stärken, denn die Gäste halten sich doch nicht nur in der ersten Reihe in den Seebädern auf“, erklärt sie.

Unternehmer soll selbst entscheiden

Gert Griehl, Inhaber mehrerer Modegeschäfte auf der Insel Usedom sowie in Kühlungsborn, kann den neuen Entwurf der Bäderregelung nicht verstehen. „Wir leben in einem liberalen Land, da sollte es möglich sein, dass der Unternehmer entscheiden kann, wann er für seinen Gast bzw. Kunden da ist. Im Nachbarland Polen schreibt der Staat nicht vor, wann und wie geöffnet werden darf“, sagt er. Griehl verweist auf Statistiken, dass die Menschen in Zeiten des Online-Handels gerade an Sonn- und Feiertagen mehr Zeit haben, um zu shoppen. Er hätte es in mehr als 20-jähriger Geschäftstätigkeit noch nicht erlebt, dass Mitarbeiter aufgrund des Gottesdienstes nicht zur Arbeit kommen kann. Im Gegenteil: „Viele Mitarbeiter wollen gerne an Sonn- und Feiertagen arbeiten, da es Zuschläge gibt“, sagt er. „Durch die neue Regelung verschaffen wir uns selbst Wettbewerbsnachteile im Vergleich zum Nachbarland Schleswig-Holstein. Dieser Entwurf ist ein Rückschritt“ , betont er.

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