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Bürgerschaft stimmt für Pommernprofessur

Greifswald Bürgerschaft stimmt für Pommernprofessur

Land soll dafür Geld geben – Bildungsministerium verweist auf die Zuständigkeit der Universität

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Unisprecher Jan Meßerschmidt zeigt eine Schrift aus der Sammlung Vitae Pomeranorum, eines noch großteils ungehobenen Schatzes für die Pommernforschung. Es sind 12000 Drucke mit Gelegenheitsdichtungen.

Quelle: Foto: Peter Binder

Greifswald. Der Lehrstuhl für pommersche Geschichte und Landeskunde soll wiederbelebt werden. Dafür spricht sich auf Initiative der Linken, der SPD und Grüne/Forum 17.4 die Bürgerschaft aus. Nur Ulrich Rose (Alternative Liste) stimmte dagegen, einige Abgeordnete enthielten sich.

Eine Pommernprofessur gibt es seit 2013 nicht mehr. Damals ging Stelleninhaber Werner Buchholz in den Ruhestand. „Ein Lehrstuhl in Greifswald würde die nötige gesellschaftliche und wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Landesgeschichte in MV fördern“, begründet Milos Rodatos (Forum 17.4) die Forderung. Die Ansiedlung ín Vorpommern sei schon wegen der Entscheidung für Rostock als Sitz des archäologischen Landesmuseums angezeigt.

Das Stadtparlament unterstützt ein Votum des Rats der Philosophischen Fakultät (die OZ berichtete). Für die Professur soll OB Stefan Fassbinder (Grüne) gemeinsam mit Unileitung und Fakultät bei Regierung und Landtag werben. Unterstützung erhofft sich die Bürgerschaft von den Kreistagen Vorpommern-Greifswald und Vorpommern-Rügen.

Zahlen soll laut Fakultätsratsbeschluss das Land. Und zwar auf Dauer zu 100 Prozent für Professor und Mitarbeiter. Die Idee entstand im Rahmen der Debatte um die Trennung von Unipatron Ernst Moritz Arndt (1769 bis 1860).

Matthias Lipski, Sprecher von Bildungsministerin Birgit Hesse (SPD) winkt ab. „Wenn die Universität eine Professur für pommersche Geschichte und Landeskunde einrichten möchte, müsste sie diese auch aus ihrem Budget finanzieren“, sagt er. Ein Blick zurück: Ab 1994 finanzierte das Bundesvertriebenenministerium eine Stiftungsprofessur. Wer so eine Schenkung annimmt, muss zusichern, sie fortführen.

Das übernahm nach fünf Jahren das Land. Laut Ex-Rektor Hans-Robert Metelmann war die Pommernprofessur ein Lieblingsthema des Greifswalder Mäzens Berthold Beitz (1913 bis 2013). „Er hat die Mittel aus dem Kultusministerium ganz erheblich aufgestockt, um die Arbeitsmöglichkeiten zu stärken.“

2004 kam mit dem Landespersonalkonzept die Zeit der Stellenstreichungen. Die Philosophische Fakultät büßte 30 Prozent ihrer Stellen ein, opferte Romanistik, Altertumswissenschaften und Sportwissenschaft ganz. Gestrichen wurden auch Hansegeschichte und Pommersche Geschichte. Da Professoren nicht entlassen werden, blieben Werner Buchholz (Pommern) und Horst Wernicke (Hanse) bis zum Ruhestand 2015 beziehungsweise 2017. Pommersche Geschichte sei durch die Einsparung der Professur nicht weggefallen. Sie solle im Rahmen der Professur „Mittelalterliche Geschichte“ weiter vertreten werden, so Lipski.

Dieser Lehrstuhl ist indes seit 2014 vakant. „Es laufen Berufungsverhandlungen“, informiert der Dekan der Philosophischen Fakultät, Thomas Stamm-Kuhlmann. In der Ausschreibung heißt es allerdings nur, dass die Bereitschaft zur Einarbeitung „in die Fachgebiete Hansegeschichte und/oder pommersche Landesgeschichte“ vorausgesetzt wird. Einfacher gesagt: Der neue Professor kann sich auch nur für Hansegeschichte und ganz gegen Pommern entscheiden.

Egbert Liskow, Landtags- und Bürgerschaftsabgeordneter der CDU, unterstützt eine eigene Pommernprofessur. Er findet es aber problematisch, wenn sich die Uni völlig aus der Verantwortung ziehe. „Ein Antrag der Philosophischen Fakultät wird zunächst geprüft werden müssen und kann dann den Weg durch die Gremien gehen“, so Hochschulsprecher Jan Meßerschmidt. „Die Uni hat ein Defizit und ist stark unterfinanziert“, so Milos Rodatos . Es gebe jetzt schon zu wenig Personal, pflichtet Erik von Malottki (SPD) bei.

Arndtfreund Peter Multhauf (Linke) meint, dass die Pommernprofessur besser als nichts sei. Aber er habe Bauchschmerzen, weil der Vorschlag im Zusammenhang mit der Namensdebatte auftauche. Rodatos habe zu den zwölf studentischen Senatoren gehört, die die Ablegung des Namens initiierten, erinnert er.

Eckhard Oberdörfer

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