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Greifswald Bundespräsident ehrt Greifswalderin
Vorpommern Greifswald Bundespräsident ehrt Greifswalderin
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18:18 22.05.2018
Frank-Walter Steinmeier und  Klara Fries bei der Ehrung engagierter Bürgerinnen und Bürger mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland auf Schloss Bellevue. Quelle: Christian Marquardt
Greifswald/Berlin

Eine Frau, die mutig für ihre Ideale einsteht, sich nicht einschüchtern lässt, eine Kämpferin – die Greifswalderin Klara Fries wurde am Dienstag für ihr herausragendes Engagement von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD) mit der Verdienstmedaille der Bundesrepublik ausgezeichnet. Die 24-jährige Lehramtsstudentin ist Mitbegründerin des Jugend- und Kulturzentrums Demokratiebahnhof in Anklam. Schon mehrmals sind das Projekt und Klara Fries von Rechtsextremisten bedroht worden. Doch die junge Frau lasse sich nicht einschüchtern und beweise damit großen Mut, für ihre demokratischen Überzeugungen einzustehen, heißt es in der Begründung aus dem Bundespräsidialamt. „Es war aufregend“, sagt Klara Fries unmittelbar nach der Ehrung. „Ich weiß nicht, wer mich vorgeschlagen hat. Mir wurde nur gesagt, dass es jemand aus dem Umfeld des Bundespräsidenten war“, erzählt sie.

Lehramtsstudentin Klara Fries engagiert sich im Jugend- und Kulturzentrum Demokratiebahnhof Anklam gegen Rechtsextremismus. Für ihre ehrenamtliche Tätigkeit wurde ihr die Bundesverdienstmedaille verliehen.

Mit viel Idealismus und Energie dabei

Die gebürtige Greifswalderin ist seit 2005 bei den Pfadfindern aktiv, übernahm zwei Jahre später ihre erste Jugendgruppe, baute 2014 den Demokratiebahnhof mit auf, ist dort bis heute ehrenamtlich im Koordinationsteam aktiv und ein- bis zweimal wöchentlich vor Ort. Greifswalds OB Stefan Fassbinder (Grüne) gratuliert zum Verdienstorden: „Ich verfolge und bewundere mit großem Interesse und tiefem Respekt ihr jahrelanges Engagement für den Demokratiebahnhof in Anklam. Mit diesem Projekt setzt sie ein Zeichen für Weltoffenheit, Demokratie, Solidarität und Integration in einer Region, in der diese Werte vielleicht in besonderer Weise vermittelt und gelebt werden müssen.“ Fries helfe besonders jungen Menschen, Selbstbewusstsein zu entwickeln und sich mit Vorpommern zu identifizieren.

Ein langjähriger Begleiter von Klara Fries ist Michael Steiger. „Ihre besondere Stärke ist es, sich um ihre Leute zu kümmern, den Kontakt im Team zu halten und zu den Ehrenamtlern, mit ihnen gemeinsam Ideen auszuhecken“, sagt Steiger, der hauptamtlich beim Pfadfinderbund MV tätig ist.

Ähnlich sieht es Tino Höfert, der beim Stadtjugendring Greifswald und beim Kreisjugendring arbeitet. Auch hier engagiert sich Fries ehrenamtlich.„Klara ist mit ganz viel Idealismus und Energie dabei. Sie nimmt sich für jeden Zeit, hat immer ein offenes Ohr“, sagt Tino Höfert. Sie stelle sich unbequemen Situationen. In Anklam gibt es seit Jahren eine sehr aktive rechtsextreme Szene. Wer hier für demokratische Kultur, Integration, Mitgestaltung der Gesellschaft und ein solidarisches Miteinander eintritt, muss mit Gegenwehr rechnen. „Wenn man sich für Tierschutz oder soziale Bedürfnisse engagiert, wird man nicht angegriffen“, so Höfert. Bei Klara Fries sei das anders.

Erschüttern über Anschlag auf den Demokratiebahnhof

Höhepunkt der Angriffe war ein Brand- und Farbanschlag auf das Jugendzentrum im Juni 2017. Ein Molotowcocktail wurde damals durch die Eingangstür geschleudert, mit Farbe gefüllte Gummihandschuhe gegen die Fassade geworfen. In dem Gebäude schliefen zur Tatzeit sieben junge Erwachsene. „Das war einschneidend und hat mich lange beschäftigt“, sagt Klara Fries. „Es ist erschütternd, wozu Menschen in der Lage sind, nur weil das Weltbild eines anderen nicht zum eigenen passt.“ Ans Aufgeben habe sie nie gedacht, denn die Menschen um sie herum geben ihr Kraft. „Klara hat total viele coole junge Leute in Anklam, die hinter dem Projekt stehen. Das macht einen stark“, sagt Steiger.

Preise für Klara Fries und den Demokratiebahnhof

Für ihr Engagement wurde Fries bereits 2016 mit dem Ehrenamtspreis des Kreises Vorpommern-Greifswald ausgezeichnet. „Zur neuerlichen Auszeichnung auf Bundesebene gratuliere ich herzlich und wünsche Frau Fries weiterhin die notwendige Energie und den Ideenreichtum, um ihre Tätigkeit fortsetzen zu können“, sagt Landrätin Barbara Syrbe (Linke). 2017 erhielt der Demokratiebahnhof selbst den Sonderpreis „Kultur öffnet Welten“ der Kulturstaatsministerin. Das ehemals leerstehende Bahnhofsgebäude wurde vom Pfadfinderbund in ein Jugendhaus mit Gemeinschaftsgarten, Fahrrad- und Nähwerkstatt umgewandelt. Lesungen und Konzerte werden ebenso angeboten wie Workshops zu verschiedenen Themen, zum Beispiel zum Schweißen.

oz

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