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CDU: Stadt vernachlässigt Gedenksteine

Greifswald CDU: Stadt vernachlässigt Gedenksteine

Linken-Politiker Multhauf und Christdemokraten nehmen Paten in Schutz

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Die Ortsräte Gamal Khalil, Axel Hochschild und Erich Cymek (v.l) an der Paepkestele und Peter Multhauf (2. v.l.) FOTOS (4): ECKHARD OBERDÖRFER

Greifswald. Die CDU-Fraktion in der Bürgerschaft und Bürgerschaftsmitglied Peter Multhauf kritisieren die mangelnde Pflege von Gedenksteinen in der Hansestadt. „Die Gedenksteine sind Teil unserer Geschichte und müssen gepflegt werden“, fordert CDU-Fraktionschef Axel Hochschild. „An etlichen Steinen ist die Gedenkschrift nicht mehr lesbar“, schimpft Peter Multhauf, Bürgerschaftsabgeordneter der Linken. Er kämpft wie Hochschild seit Jahren um mehr Aufmerksamkeit für die Gedenksteine in Greifswald. Dringend müsste beispielsweise der Gedenkstein für Friedrich Ludwig Jahn auf dem Hof des Gymnasiums neu beschriftet werden. „Was ist denn das für ein Andenken, wenn man nicht mal mehr die Lebensdaten von Turnvater Jahn lesen kann“, sagt Multhauf.

 

OZ-Bild

Die Stele für die Oper der Internierunglager nach 1945.

OZ-Bild

Der 1920 aufgestellte Gedenkstein für August Bebel.

OZ-Bild

Die Inschrift des Studentensteins von 1921 ist völlig unleserlich.

Um die Pflege zu verbessern, hat die Bürgerschaft vor fünf Jahren auf Anregung der CDU ein Patenschaftsprogramm beschlossen. Schon damals gab es viel Kritik am Zustand von Denkmalen wie dem Jo-Jastram-Brunnen im Rosengarten oder dem Zustand des 1921 aufgestellten Studentensteins auf dem Wall. Dessen Inschrift ist seit Jahren nicht mehr lesbar.

Seit 2013 gibt es eine Richtlinie für Patenschaften für Gedenksteine, die der Stadt gehören. „Beim Lesen der Vorlage hat man nicht gerade den Eindruck, dass Bürgerengagement wirklich erwünscht ist“, kritisierte Hochschild damals.

Vielleicht ein Grund, warum es erst Paten für vier Gedenksteine gibt. „Die Stadt könnte sich noch deutlich intensiver bemühen, Denkmal-Paten zu werben“, regt Hochschild an. „Bürgerschaftliches Engagement ist hier bei Weitem noch nicht ausgeschöpft und natürlich müssen diese Paten am Anfang fachmännisch beraten werden.“

Für den 1920 aufgestellten Bebelstein übernahm die Studierendenschaft Verantwortung und für die Fünfeichenstele die CDU. Paul Kroll ist Pate des 1955 aufgestellten Steins für die Opfer des Kapp-Putsches vor dem Jahngymnasium. Er hat mit Gregor Klatt dafür gesorgt, dass die Namen der 1920 beim Kapp-Putsch getöteten Greifswalder endlich wieder lesbar sind (die OZ berichtete) und bekam jetzt Ärger. Denn was die Paten dürfen, ist sehr begrenzt. Einfach so Buchstaben wieder sichtbar machen, ist nicht erlaubt. Kroll wurde zum Gespräch bei der städtischen Denkmalpflege geladen. Weil die Stadt von seiner Aktion Wind bekommen hatte, war er zuvor schon gemahnt worden, nichts selbstständig zu unternehmen. Das hat Kroll ignoriert. „Dass die Inschrift nicht mehr zu lesen war, ist spätestens seit einer Begehung 2011 nicht mehr zu lesen, sagt Kroll. Passiert ist nichts, Kroll dürfe „nicht wie ein Schädling behandelt werden“, kommentiert Multhauf. „Ich finde das Engagement von Gregor Klatt und Peter Multhauf beispielgebend“, sagt Hochschild, der im Beruf Malerobermeister ist. „Der Stein sieht wieder fachmännisch sauber beschriftet sehr gut aus und wenn die Stadt kein Geld für die Denkmalpaten hat, stelle ich natürlich gerne Farben u. Pinsel für die Beiden zur Verfügung.“ Die Stadt verzichtet auf öffentliche Kritik. Sie verweist auf den von Kroll unterzeichneten Vertrag. Die Patenschaft werde seitens der Stadtverwaltung außerordentlich gekündigt, wenn ein Pate wiederholt gegen die Vereinbarung verstoße.

„Die Stadt bremst zu oft Initiativen“, stellt indes Multhauf fest. „Beim Kampf für eine Paepke-Büste haben wir immer wieder gehört, warum das nicht geht. So wurde angeführt, dass die Original-Formen des im Zweiten Weltkrieg eingeschmolzenen Kopfes nicht mehr vorhanden seien.“ Im Verein mit Hochschild und dem Ortsrat Innenstadt hatte er Erfolg. Die neue Büste wurde bereits mehrheitlich von der Arbeitsgruppe Kunst im öffentlichen Raum akzeptiert. Am 19. Mai bekommt der verdiente Bürgermeister seinen Kopf zurück.

Gedenksteine

Eine Liste von 2013 nennt über 20 Gedenksteine in Greifswalder Besitz.

Der Barnekowstein ist der älteste Gedenkstein. Er stammt vermutlich von 1453/57 und liegt an der Straße nach Neuenkirchen. Er erinnert an die Übergabe der Gebeine Raven Barnekows durch die Stralsunder an der Stadtgrenze.

Die Stele für Carl Paepke, den Vater des Greifswalder Eisenbahnanschlusses, wurde 1867 eingeweiht. 1885 folgte der Gedenkstein für den Botanikprofessor Julius Münter im Müntergrund. Fünf Jahre später wurde die Bismarcksäule an der Wolgaster Straße eingeweiht.

Der Gedenkstein für Friedrich Ludwig Jahn auf dem Innenhof des Gymnasiums stammt von 1961.

Der Studentenstein gehört übrigens der Studierendenschaft.

Eckhard Oberdörfer

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