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Campingbeil-Attacke: Täter muss für zwei Jahre ins Gefängnis

Greifswald Campingbeil-Attacke: Täter muss für zwei Jahre ins Gefängnis

Der Greifswalder wollte seinem besten Kumpel einen Denkzettel verpassen / Hinzugekommene Freunde verhinderten Schlimmeres / Grund für Tat war Eifersucht

Greifswald. Wegen versuchten Totschlags musste sich gestern Philipp P. aus Greifswald vor der Großen Jugendkammer des Landgerichts Stralsund verantworten. Der inzwischen 21-Jährige hatte am 17. Januar auf einem Parkplatz in der Niels-Bohr-Straße mit einem Campingbeil seinen besten Kumpel angegriffen. Der Angeklagte hatte mit der flachen Seite des scharfen Beils in Richtung des Kopfes des 20-jährigen Greifswalders geschlagen. Dieser drehte sich weg und wurde leicht am Ohr verletzt. Freunde der Männer hatten die Auseinandersetzung beobachtet, waren zum Tatort geeilt und alarmierten die Polizei. Der Täter war noch am selben Tag in seiner Wohnung festgenommen worden.

Der Angeklagte hat Probleme, Regeln und Grenzen einzuhalten.“Siegfried Hartung, Mitarbeiter der Jugendgerichtshilfe

Während der gestrigen Verhandlung wurde klar, dass Philipp P. aus Eifersucht gehandelt hat. Das bestätigte er auch dem Gericht unter Vorsitz von Richterin Birgit Lange-Klepsch. Nach seinen Worten habe er mit seiner damaligen Verlobten und Mutter der gemeinsamen Tochter eine Geburtstagsfeier besucht. Als er sah, dass sie seinem besten Freund laufend Textnachrichten übers Handy schrieb, schlussfolgerte er, dass dieser die junge Frau für sich begeistern wollte. Die Beteuerungen seiner Freundin, dass dem nicht so sei, ignorierte er und reagierte auf der Party aggressiv und handgreiflich. Die 19-Jährige wollte daraufhin die Nacht lieber woanders verbringen. Das brachte ihn noch mehr in Rage.

Philipp P., leicht alkoholisiert, aber nicht betrunken, wollte den Kumpel zu vorgerückter Stunde zur Rede stellen. Zunächst beleidigten sich beide verbal übers Handy. Der Angeklagte schickte dann einer Bekannten ein Foto des Campingbeils mit der Ankündigung, dass der Freund bald bluten werde. Beim Aufeinandertreffen auf dem Parkplatz in der Niels-Bohr-Straße schrien sich die Männer zunächst an. Plötzlich zog P. das Beil aus der Gesäßtasche seiner Jeans und versuchte, den Kumpel mit der flachen Seite im Gesicht zu treffen. Die dazukommende Freundin stellte sich zwischen die rangelnden Männer. Der Angeklagte warf daraufhin das Beil weg und lief davon.

Gegenüber dem Gericht beteuerte P. mehrfach, dass er den Kumpel nicht töten, aber einen gehörigen Denkzettel verpassen wollte, damit er von der Freundin ablasse. Er habe ihm auch einen Brief aus der Untersuchungshaft geschrieben und ihn um Entschuldigung gebeten. Während der Zeugenaussage des Opfers vor Gericht erneuerte er die Bitte, erhielt aber keine Antwort.

Für Philipp P. ist es nicht das erste Mal, dass er mit dem Gesetz in Konflikt geriet. Aufgewachsen als jüngstes von vier Geschwistern in zerrütteten familiären Verhältnissen mit teilweisem Heimaufenthalt wurde er bereits als 15-Jähriger an der Pestalozzischule straffällig: Diebstahl, Hausfriedensbruch, gefährliche Körperverletzung, Raub. Aus Ermahnungen und Arbeitsstunden wurden eine Woche Jugendarrest und Bewährungsstrafen. 2013 musste der Greifswalder zehn Monate Haft absitzen.

Siegfried Hartung von der Jugendgerichtshilfe des Landkreises und Pflichtverteidiger René Neumeister sagten übereinstimmend, dass der 21-Jährige Probleme mit dem Einhalten von Regeln und Grenzen habe. Laut Hartung wirke P. unreif, denke teils in kindlichen Mustern. Erziehungsmaßnahmen seien weiterhin erforderlich. Hartung empfahl eine Verurteilung nach Jugendstrafrecht.

Das Gericht folgte der Empfehlung: Philipp P. wurde wegen gefährlicher Körperverletzung zu zwei Jahren Freiheitsentzug ohne Bewährung verurteilt. Er nahm das Urteil an und bedankte sich beim Gericht für die erneute Chance. Der Greifswalder meint damit das Berufsvorbereitungsjahr, das

er in der Jugendanstalt Neustrelitz während der U-Haft begonnen hat und dort fortsetzen kann.

Die Staatsanwaltschaft hat dem Urteil noch nicht zugestimmt.

Cornelia Meerkatz

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