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Chefarzt: „Unser guter Ruf ist wiederhergestellt“

Wolgast Chefarzt: „Unser guter Ruf ist wiederhergestellt“

Kreiskrankenhaus Wolgast zufrieden mit Bilanz / Mehr Patienten und neues Bauvorhaben

Wolgast. Die Leitung des Kreiskrankenhauses Wolgast sieht sich in ihrem Sparkurs und der Neuausrichtung des Spektrums an medizinischen Leistungen bestätigt.

Die stationären Fälle hätten im ersten Halbjahr 2016 um fünf Prozent zugenommen. Und das 2,1 Millionen Euro hohe Defizit aus dem Jahr 2014 sei im vergangenen Jahr auf knapp eine Million Euro reduziert worden.

Das sagte Krankenhaus-Geschäftsführer Thorsten Wygold am Donnerstagmittag bei der Bilanzpressekonferenz für das Geschäftsjahr 2015 in Wolgast. Den testierten Bericht hatten am Tag zuvor auch die Gesellschafter zustimmend entgegen genommen.

Ziel sei es indes, sich nicht auf diesen Zwischenerfolgen auszuruhen, sondern das Defizit „mit Hochdruck“ weiter abzubauen, um möglichst bald wieder schwarze Zahlen zu schreiben. Wygold lobte ausdrücklich das große Engagement der Mitarbeiter der Klinik, die in den schwierigen Monaten nicht weggelaufen seien, sondern motiviert mit anpacken, um weiter voranzukommen. Auch der zwischenzeitlich ausgeschiedene Geschäftsführer Frank Acker habe dazu wirksam beigetragen. Uwe Kesselring, leitender Chefarzt, sprach davon, Fehler korrigiert zu haben und nun eine deutlich verbesserte Kommunikation mit den niedergelassenen Ärzten der Region zu pflegen. Das spiegele sich auch in der höheren Zahl von Einweisungen ins Haus an der Chausseestraße wider. „Unser guter Ruf als medizinischer Versorger für Usedom, Wolgast und das Umland ist wiederhergestellt“, sagte er mit sichtlicher Erleichterung. Auch seien zwischen der Unimedizin Greifswald und der Wolgaster Klinik „neue Brücken gebaut“ worden, die Kooperation erfolge inzwischen „auf Augenhöhe“.

Im Kreiskrankenhaus Wolgast mit 375 Mitarbeitern wurden im vergangenen Jahr 8000 Patienten stationär und 12 000 Menschen ambulant behandelt.

Eine Bürgerinitiative hatte fast 20000 Unterschriften gesammelt, um die Schließung von Kinderstation, Geburtshilfe und Gynäkologie rückgängig zu machen. Eine entsprechende Volksinitiative war jedoch Anfang Juni im Landtag mit der SPD/CDU-Mehrheit abgelehnt worden. Die Stationen waren vor dem Hintergrund des demografischen Wandels aus Kostengründen geschlossen worden. Das Krankenhaus Wolgast ist ein Tochterunternehmen der Universitätsmedizin Greifswald. Der Landkreis ist Minderheitengesellschafter.

Mit neuen Angeboten wie der onkologischen und einer palliativmedizinischen Versorgung stellt sich das Krankenhaus auf die älter werdende Bevölkerung ein. Das altersmedizinische Zentrum ist laut Wygold von 20 auf 32 Betten erweitert worden. Im September werde zudem eine altersmedizinische Tagesklinik mit 15 Betten eröffnet. Die Intensivstation soll um vier auf 14 Betten aufgestockt werden.

Die Kassenärztliche Vereinigung wird nach Angaben Wygolds in den Räumlichkeiten der Klinik voraussichtlich zum 1. Oktober eine hausärztliche Anlaufpraxis einrichten. Für das kommende Jahr ist zudem ein dreigeschossiger Krankenhausanbau für die neue Notaufnahme mit einer zentralen Aufnahmestation und weiteren Abteilungen geplant. Das Sozialministerium fördert den Neubau mit 12 Millionen Euro.

Wygold: „Die Entscheidung über die Förderung steht unmittelbar bevor. Und wir sind optimistisch, weil die Landesregierung unser Konzept stark unterstützt.“

Auch der Personalmangel in der Pflege kann vermutlich bis September, wenn neun neue Mitarbeiter eingestellt werden, weitestgehend behoben werden, kündigte Elfi Thomas, Pflegedienstleiterin, an. Im ärztlichen Bereich sind laut Kesselring bis auf zwei Assistenzarztstellen alle Posten besetzt. Dies sei eine „völlig normale Fluktuation“.

Er sei bereits dabei, mit Kollegen am Aufbau eines Zentrums „Chronische Wunde“ zu arbeiten. So etwas gebe es weit und breit nicht, könnte aber zu einem wirksamen Alleinstellungsmerkmal der Wolgaster Klinik werden.

Martina Rathke und Steffen Adler

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